Bücherwurm
Ausgabe Nr. 3
21. Juli - 26. Juli 2002
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Die Bildersammlerin

Roman von Manuel Vincent

Die wunderschöne, elegante und künstlerisch begabte, aber naive Julia, Gattin des neureichen Madrider Immobilienmaklers Luis Bastos, ist an Leukämie erkrankt und hat nur noch wenige Monate zu leben. Luis, welcher über ihren Gesundheitszustand unterrichtet ist, verheimlicht Julia die Wahrheit und möchte ihr die letzten Monate so schön als möglich machen. Er bittet daher den Kunsthändler Michel Vedrano, welcher für ihn eine Kunstsammlung aufbaut, um Hilfe. Er soll Julia auf andere Gedanken bringen. Seine Aufgabe besteht darin, die schöne Julia in die Welt der Bilder einzuführen und ihr gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er sie liebt und sehr begehrt. Michael, durch eine schwere Enttäuschung im Innersten verbittert, hat eigentlich mit der Liebe abgeschlossen. Er empfindet nur noch ungeheure Leidenschaft für seine Bilder. Doch als er Julia zum ersten Male sieht, ist er seltsam berührt von der zarten Schönheit und lässt sich nach einigem Überreden auf das ungewöhnliche Angebot ein. Sehr bald schon jedoch verspürt er tieferes Empfinden für Julia, ja, er vermag sogar ihre wahre Schönheit zu erkennen. Mit viel Begeisterung, Geduld und Liebe eröffnet er ihr die Kunst und führt sie behutsam in seine Welt der Bilder ein. Auf Julia hat dieses Verhalten eine sonderbare und geheimnisvolle Wirkung: Mit jedem Bild, das die beiden erwerben, erholt sich Julia mehr und mehr von ihrer Krankheit. Es scheint fast so, als habe die Kunst eine magische Heilwirkung auf ihren Körper. Luis verfolgt diese wundersame Besserung mit Freude und es erfüllt ihn mit Glück. Er stürzt sich immer mehr in Schulden und ruiniert sich am Ende, damit er für Julia immer neue Bilder kaufen kann. Obwohl er im Grunde seines Herzens eifersüchtig auf Michael ist, vermag er keineswegs, dieses Spiel, als welches er es immer noch bezeichnet, zu beenden. Luis erkennt immer mehr, dass Michael, obwohl am Anfang zwar ungewollt, immer stärker der Ausstrahlung seiner faszinierenden Frau erliegt. Er glaubt aber fest daran, das Beste für seine Frau mit diesem harmlosen Flirt, wie er es bezeichnet, zu tun. Michael jedoch verliebt sich mit jedem Tag mehr in Julia, kommt ihr auch menschlich immer näher, gleichzeitig erscheint sie ihm aber von Tag zu Tag immer rätselhafter. Er stellt sich immer öfter die Frage: Wer ist sie eigentlich? Und wie krank ist sie wirklich? Einige Zeit später wird der finanziell total ruinierte Luis unter seltsamen Umständen tot aufgefunden. Kurz darauf erfährt Julia bei einer Untersuchung, dass sie, wie durch ein Wunder, vollständig von ihrem Leiden geheilt ist. Michael, den immer noch Zweifel quälen, muss sich letztendlich eingestehen, dass er das Mysterium Frau wohl nie verstehen wird.

Das Buch ist mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Sinn für die feinen Untertöne geschrieben. Der Autor hält sein Publikum in Spannung, lässt ihm genügend Freiraum, selbst voraus zu denken.

Originaltitel: La novia de Matisse. Originalverlag: Alfaguara, Madrid 2000. Aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold Gebunden, 224 Seiten, ca. € 19,90 Bertelsmann-Verlag ISBN: 3-570-00619-0 Erscheinungstermin: August 2002


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