Die
Zwiebel
Die Zwiebel ist eine der ältesten und am weitesten
verbreiteten Gemüsearten. Sie ist aber nicht nur als Gemüse bekannt,
sonder auch ein volkstümlich anerkanntes Heilmittel. Ihr botanischer Name
ist „Allium cepa" und kann ungefähr mit „stark riechende Knolle"
übersetzt werden. Ursprünglich beheimatet ist die Zwiebel, welche eine
typische Steppenpflanze ist, in China, Indien und im vorderen Orient
(Afghanistan, Turkestan). Heute kennt man ihre vielfältigen Formen in der
ganzen Welt. Aus der ursprünglich ziemlich scharf und wenig schmackhaften
Zwiebel entwickelten sich mit der Zeit süße und milde schmeckende
Abarten, welche auch einen beachtlichen Umfang und Gewicht erreichen
können. Schon wenn wir die Zwiebel schneiden, stellen wir sofort eine
starke Wirkung auf unsere Schleimhäute fest. Wer von uns musste nicht
schon dabei in Tränen ausbrechen. Zurückzuführen ist dieses auf das
Aufsteigen der schwefelhaltigen ätherischen Öle. Diese starke Reaktion
bekommen aber auch Bakterien, Pilze oder Viren zu spüren.
Hauptverantwortlich hierfür sind die schwefelhaltigen Substanzen, vor
allem das Allicin. Es wirkt desinfizierend, so dass nach dem
Zwiebelschneiden die Schleimhäute der Augen und Nase ersteinmal
überwiegend frei von jeglichen Erregern sind.
Die Inhalts- und Wirkstoffe der Zwiebel wurden vielfach
ausführlich analysiert. Neben Wasser, Eiweißen, Fetten und
Kohlenhydraten, finden wir auch wichtige Spurenelemente: Natrium, Kalium,
Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Phosphor und Schwefel.
Auch Oxalsäure, Folsäure, Pantothensäure und die Vitamine A, B1
(Thiamin), B2 (Riboflavin), Niacin (Nikotinsäure), B6, Vit. C und Vit. E
sind in ausreichender Anzahl vorhanden. (z.B. 100g Zwiebel enthalten 26 mg
Vit. E = Tocopherol). Dies gilt allerdings nur für frische Produkte.
Getrocknete oder in Fertiggerichten verarbeitete Zwiebeln verfügen leider
nicht mehr über die gesamte Palette der Vitamine und Mineralien. Und in
vielen Fällen sind es nicht die einzelnen Wirkstoffe, welche uns helfen,
sondern das komplizierte Zusammenspiel aller vorhandenen Inhaltsstoffe.
Bekannt sind die Phytonzide der Zwiebel nach dem
russischem Biologen Prof. B. Tokin (1975). Dieser hat in hunderten
Versuchen nachgewiesen, dass eine Speisezwiebel zu Brei zerrieben und in
eine verschlossene Petrischale getan, alle Protozoen (Urtiere) innerhalb
von nur fünf Minuten abgetötet hat.
Seit Alters her ist die Zwiebel aufgrund ihrer
vielfältigen Anwendungen eines der beliebtesten Hausmittel. Sie war
bekannt für ihre desinfizierende und antibiotische Wirkung bei
Erkältungen und Darminfektionen, bis hin zu Anwendungen bei Cholera und
Ruhr. Aber auch bei Insektenstichen, Husten oder Rheuma, Verstopfungen,
Würmern, Ohrentzündungen, Harnverhaltungen, Wassersucht und vielem mehr.
Schon 1534 wurde im damaligen Russland der Großfürst
Wassili Iwanowitsch, welcher an einem Geschwür in der Schenkelbeuge litt,
mit gebackenen Zwiebeln, die auf das Geschwür aufgelegt wurden, behandelt.
Hierdurch wurde der Aufbruch und die Eiterung des schmerzhaften Geschwürs
beschleunigt. Seit dem ist die Zwiebel auch in Russland als
Volksheilmittel anerkannt.
Noch heute werden in der Naturheilmedizin gebratene
oder im Wasserdampfbad erhitzte Zwiebeln zu Brei zerdrückt und als
hautreizende Auflagen bei verhärteten Drüsen, Geschwülsten, Abszessen,
fauligen Geschwüren, Frostbeulen und Hühneraugen verwendet. Am meisten
bekannt dürfte die entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung
eines Zwiebelsäckchens bei Ohrentzündungen sein. Dieses aus
geschnittenen und zerstampften Zwiebeln erhitzte Säckchen wird auf das
schmerzende Ohr gelegt und nach Abkühlung immer wieder erneuert.
Bei krampfhaften Urinverhaltungen ist es ein uralter
Brauch, frisch gequetschte Zwiebeln auf die Blasengegend und auf den Damm
aufzulegen. Der uns allen bekannte Naturheiler Sebastian Kneipp empfiehlt
zerschnittene und in Milch gekochte Zwiebeln als ein herrliches Mittel
gegen Bauchgrimmen, Magendrücken und Unterleibsschmerzen. Mit Honig
gekochte Zwiebeln wurden von ihm gegen Beschwerden beim Wasserlassen
angewendet. Bei Wassersucht empfahl er folgendes Rezept: 600 g rohe
Zwiebeln werden zu Mus zerkleinert, durch ein Sieb geschlagen, mit 100 g
Honig und 600 g Weißwein zu einer gleichmäßigen Flüssigkeit
verarbeitet.
Hiervon soll man täglich 100- 200 g Esslöffelweise
einnehmen. Wer es verträgt, kann besser noch 30- 60 g Zwiebeln täglich
frisch verspeisen oder in Honig kochen und essen. Nach W. Bohn wirkt die
alleinige Einnahme des Saftes der Zwiebel positiv auf die Ausscheidung von
Nierengrieß und soll sogar kleinere Nierensteine auflösen.
In den volkstümlichen Kräuterbüchern (Dinand „Handbuch
der Pflanzenheilkunde") wird die Zwiebel als nervenstärkend, die
Ausscheidung anregend, Harntreibend, Blutverbessernd, Schleimlösend,
Appetitanregend, Verdauungsfördernd und Windtreibend bezeichnet. Als
sanfte Medizin aus der Natur ist der Zwiebelsaft auch bei
Erkältungskrankheiten wie Husten bekannt. Gerade bei Kindern, welche
erkältungsanfälliger und im Gegensatz zu Erwachsenen anfälliger gegen
die Einnahme von nicht Nebenwirkungsfreien Medikamenten sind, ist die
Unterstützung des Heilungsprozesses mit natürlichen Mitteln angeraten.
Ein Zwiebelsaft, mit Honig und nicht raffiniertem Zucker angemacht, etwa
einen Tag abgedeckt stehen lassen und den so entstandenen Sirup nach
Bedarf mehrmals täglich Teelöffelweise einnehmen. Dies lindert zunächst
einmal die Entzündung. Mit den in der Zwiebel enthaltenen Scharfstoffen
werden die Schleimhäute gereizt und zur Schleimproduktion angeregt. Der
zähe Schleim der Bronchien wird gelöst, so dass dieser besser abgehustet
werden kann. Auch Zwiebelbonbons, wie man sie noch mancherorts zu kaufen
bekommt, helfen gegen Husten und Heiserkeit. Gegen Wurmbefall, gleich ob
es Spul- oder Madenwürmer sind, unterstützt ein Einlauf mit warmen
Wasser und Zwiebelsaft die Abtötung dieser Parasiten. Gleichzeitig sollte
man eine Zwiebelsuppe, die nur aus Wasser, in Butter gedünsteten Zwiebeln
und ein wenig nicht raffiniertem Salz besteht, zu sich nehmen. Diese Suppe
hilft auch bei allgemeinen Unpässlichkeiten, wie Magen – und
Darmbeschwerden. (Fortsetzung folgt)