Sanfte Heilung aus der Natur
Ausgabe Nr. 5
4. August - 10. August 2002
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Sanfte Heilung aus der Natur

Die Zwiebel
Die Zwiebel ist eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Gemüsearten. Sie ist aber nicht nur als Gemüse bekannt, sonder auch ein volkstümlich anerkanntes Heilmittel. Ihr botanischer Name ist „Allium cepa" und kann ungefähr mit „stark riechende Knolle" übersetzt werden. Ursprünglich beheimatet ist die Zwiebel, welche eine typische Steppenpflanze ist, in China, Indien und im vorderen Orient (Afghanistan, Turkestan). Heute kennt man ihre vielfältigen Formen in der ganzen Welt. Aus der ursprünglich ziemlich scharf und wenig schmackhaften Zwiebel entwickelten sich mit der Zeit süße und milde schmeckende Abarten, welche auch einen beachtlichen Umfang und Gewicht erreichen können. Schon wenn wir die Zwiebel schneiden, stellen wir sofort eine starke Wirkung auf unsere Schleimhäute fest. Wer von uns musste nicht schon dabei in Tränen ausbrechen. Zurückzuführen ist dieses auf das Aufsteigen der schwefelhaltigen ätherischen Öle. Diese starke Reaktion bekommen aber auch Bakterien, Pilze oder Viren zu spüren. Hauptverantwortlich hierfür sind die schwefelhaltigen Substanzen, vor allem das Allicin. Es wirkt desinfizierend, so dass nach dem Zwiebelschneiden die Schleimhäute der Augen und Nase ersteinmal überwiegend frei von jeglichen Erregern sind.

Die Inhalts- und Wirkstoffe der Zwiebel wurden vielfach ausführlich analysiert. Neben Wasser, Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten, finden wir auch wichtige Spurenelemente: Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Phosphor und Schwefel. Auch Oxalsäure, Folsäure, Pantothensäure und die Vitamine A, B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), Niacin (Nikotinsäure), B6, Vit. C und Vit. E sind in ausreichender Anzahl vorhanden. (z.B. 100g Zwiebel enthalten 26 mg Vit. E = Tocopherol). Dies gilt allerdings nur für frische Produkte. Getrocknete oder in Fertiggerichten verarbeitete Zwiebeln verfügen leider nicht mehr über die gesamte Palette der Vitamine und Mineralien. Und in vielen Fällen sind es nicht die einzelnen Wirkstoffe, welche uns helfen, sondern das komplizierte Zusammenspiel aller vorhandenen Inhaltsstoffe.

Bekannt sind die Phytonzide der Zwiebel nach dem russischem Biologen Prof. B. Tokin (1975). Dieser hat in hunderten Versuchen nachgewiesen, dass eine Speisezwiebel zu Brei zerrieben und in eine verschlossene Petrischale getan, alle Protozoen (Urtiere) innerhalb von nur fünf Minuten abgetötet hat.

Seit Alters her ist die Zwiebel aufgrund ihrer vielfältigen Anwendungen eines der beliebtesten Hausmittel. Sie war bekannt für ihre desinfizierende und antibiotische Wirkung bei Erkältungen und Darminfektionen, bis hin zu Anwendungen bei Cholera und Ruhr. Aber auch bei Insektenstichen, Husten oder Rheuma, Verstopfungen, Würmern, Ohrentzündungen, Harnverhaltungen, Wassersucht und vielem mehr.

Schon 1534 wurde im damaligen Russland der Großfürst Wassili Iwanowitsch, welcher an einem Geschwür in der Schenkelbeuge litt, mit gebackenen Zwiebeln, die auf das Geschwür aufgelegt wurden, behandelt. Hierdurch wurde der Aufbruch und die Eiterung des schmerzhaften Geschwürs beschleunigt. Seit dem ist die Zwiebel auch in Russland als Volksheilmittel anerkannt.

Noch heute werden in der Naturheilmedizin gebratene oder im Wasserdampfbad erhitzte Zwiebeln zu Brei zerdrückt und als hautreizende Auflagen bei verhärteten Drüsen, Geschwülsten, Abszessen, fauligen Geschwüren, Frostbeulen und Hühneraugen verwendet. Am meisten bekannt dürfte die entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung eines Zwiebelsäckchens bei Ohrentzündungen sein. Dieses aus geschnittenen und zerstampften Zwiebeln erhitzte Säckchen wird auf das schmerzende Ohr gelegt und nach Abkühlung immer wieder erneuert.

Bei krampfhaften Urinverhaltungen ist es ein uralter Brauch, frisch gequetschte Zwiebeln auf die Blasengegend und auf den Damm aufzulegen. Der uns allen bekannte Naturheiler Sebastian Kneipp empfiehlt zerschnittene und in Milch gekochte Zwiebeln als ein herrliches Mittel gegen Bauchgrimmen, Magendrücken und Unterleibsschmerzen. Mit Honig gekochte Zwiebeln wurden von ihm gegen Beschwerden beim Wasserlassen angewendet. Bei Wassersucht empfahl er folgendes Rezept: 600 g rohe Zwiebeln werden zu Mus zerkleinert, durch ein Sieb geschlagen, mit 100 g Honig und 600 g Weißwein zu einer gleichmäßigen Flüssigkeit verarbeitet.

Hiervon soll man täglich 100- 200 g Esslöffelweise einnehmen. Wer es verträgt, kann besser noch 30- 60 g Zwiebeln täglich frisch verspeisen oder in Honig kochen und essen. Nach W. Bohn wirkt die alleinige Einnahme des Saftes der Zwiebel positiv auf die Ausscheidung von Nierengrieß und soll sogar kleinere Nierensteine auflösen.

In den volkstümlichen Kräuterbüchern (Dinand „Handbuch der Pflanzenheilkunde") wird die Zwiebel als nervenstärkend, die Ausscheidung anregend, Harntreibend, Blutverbessernd, Schleimlösend, Appetitanregend, Verdauungsfördernd und Windtreibend bezeichnet. Als sanfte Medizin aus der Natur ist der Zwiebelsaft auch bei Erkältungskrankheiten wie Husten bekannt. Gerade bei Kindern, welche erkältungsanfälliger und im Gegensatz zu Erwachsenen anfälliger gegen die Einnahme von nicht Nebenwirkungsfreien Medikamenten sind, ist die Unterstützung des Heilungsprozesses mit natürlichen Mitteln angeraten. Ein Zwiebelsaft, mit Honig und nicht raffiniertem Zucker angemacht, etwa einen Tag abgedeckt stehen lassen und den so entstandenen Sirup nach Bedarf mehrmals täglich Teelöffelweise einnehmen. Dies lindert zunächst einmal die Entzündung. Mit den in der Zwiebel enthaltenen Scharfstoffen werden die Schleimhäute gereizt und zur Schleimproduktion angeregt. Der zähe Schleim der Bronchien wird gelöst, so dass dieser besser abgehustet werden kann. Auch Zwiebelbonbons, wie man sie noch mancherorts zu kaufen bekommt, helfen gegen Husten und Heiserkeit. Gegen Wurmbefall, gleich ob es Spul- oder Madenwürmer sind, unterstützt ein Einlauf mit warmen Wasser und Zwiebelsaft die Abtötung dieser Parasiten. Gleichzeitig sollte man eine Zwiebelsuppe, die nur aus Wasser, in Butter gedünsteten Zwiebeln und ein wenig nicht raffiniertem Salz besteht, zu sich nehmen. Diese Suppe hilft auch bei allgemeinen Unpässlichkeiten, wie Magen – und Darmbeschwerden. (Fortsetzung folgt)


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