Von Ranjith Chandrasiri
Nicht nur Paris teilt sich in ein linkes und rechtes Ufer
ein, auch das Weinanbaugebiet Bordeaux ist „gespalten". Bordeaux, das
berühmteste Weinbaugebiet der Welt, ist geradewegs ein Universum; man
könnte auch sagen der schöpferische Urgrund des Weines. Es bietet eine
ganze Palette an großen Weißweinen und eine immense Vielfalt an Roten.
Das Bordelais bedeutet „Rive Droite, Rive Gauche"-
linkes und rechtes Ufer: Zwei Welten stehen sich hier gegenüber, denn die
erste Brücke über die Garonne wurde erst im 18. Jahrhundert geschlagen.
Manche Unterschiede sind geblieben.
Madame
Marie Francoise Meslier, Eigentümerin des Chateau Raymond Lafon Sauternes.
Bordeaux ist typisch für seine „Assemblages". Die
Cabernets und die Merlots dominieren bei den Rotweinen, die Sémillon- und
die Sauvignon-Rebe bei den Weißen. Zurück zu den beiden Ufern: Die „Rive
Gauche", welche durch das Médoc symbolisiert wird, ist eher den
großen und herrschaftlichen Weingütern vorbehalten, und die Cabernets –
Cabernet Franc und vor allem Cabernet Sauvignon – haben die Vorherrschaft.
Die „Rive Droite" ist, wenn man so will, ländlicher. Die Weingüter
sind kleiner; die Merlot-Rebe dominiert hier, vor allem im Pomerol.
Das Bordelais produziert in erster Linie Rotweine.
Seine Weißweine sind aber auch nicht zu verachten: Die
größten Anbaugebiete sind Graves – und insbesondere Pessac-Léognan,
sowie das Entre-Deux-Mers, das sich zwischen Garonne und Dordogne erstreckt.
Die Weißweine des Bordelais haben in den letzten zwanzig Jahren eine
spektakuläre Entwicklung durchgemacht. Die Region Sauternes ist das
angesehenste Anbaugebiet für Süßweine. Cadillac, Loupiac, Sainte-Croix-du-Mont,
Cérons und Barsac sind weniger bekannt und bringen nicht so teure
Süßweine auf den Markt. Im Bordeaux werden schließlich auch Roséweine
gekeltert, und sei es auch nur, um die Tradition der „clarets"
weiterleben zu lassen, jener hellroten Weine, die im britischen Raum
überaus geschätzt werden.

Denis
Dubourdieu, Eigentümer des Chateau Doisy Daene (Sauternes).
Die Klassifizierung
Bei der Klassifizierung der Bordeauxweine müsste man eher von den
Klassifizierungen sprechen. Die bekannteste ist jene von 1855 für Médoc
und Sauternes. Sie ist seither praktisch unverändert geblieben und gibt
einen guten Maßstab für den Wert der Terroirs im Vergleich zu ihrem
Bekanntheitsgrad, ihren Preisen und ihrer Qualität. Nicht berücksichtigt
werden Veränderungen innerhalb der Güter und das gestiegene Ansehen
einiger Châteaux, die von Kennern heute als „Super-deuxième-Crus"
eingestuft werden. Die Graves wurden erst im Jahre 1953 klassifiziert, die
Saint-Emilions im Jahre 1955. Diese Klassifizierung wird alle zehn Jahre auf
den neuesten Stand gebracht.
Die Jahrgänge
Während die 80er prachtvoll waren, haben die 90er nicht nur für
glückliche Ergebnisse gesorgt. Mitte der 90er aber ging es bergauf. Einfach
gesagt: Die 80er Jahre sind so prachtvoll gewesen, dass viele glaubten, das
Klima im Bordeaux habe sich grundlegend geändert! Die 90er Jahre haben dann,
nach einem sehr unausgeglichenen Start, den Sinn für Realitäten zurück
gebracht. Jedoch hat die Region seit 1995 wieder großartige Weine
hervorgebracht.

Auswahl
des Noble Rot in Ch Guiraud (Sauternes).
Im Einzelnen:
- Die Jahrgänge 82, 85, 89 und 90 sind herausragend. Genaugenommen war
in diesem Jahrzehnt einzig 84 und 87 ein Rückschritt zu verzeichnen, aber
gleichwohl auf gutem Niveau.
- 91 und 92 sind weniger glückliche Jahre, den besten
Oenologen ist es dennoch gelungen, die Nadeln im Heuhaufen zu finden. Die
Preise sind dafür auch weniger spekulativ. Das Jahr 1991 wurde Opfer von
Frühlingsfrost und Regen gegen Ende des Sommers. Auch 1992 war ein
regenreiches Jahr.
- 93 und vor allem 94 waren ein wenig besser.
- Mit 1995 und 96 folgen wieder zwei große Weinjahre.
- 1997 dürfte als Jahr der wildesten Spekulationen in
die Geschichte eingehen; die Qualität ist nicht immer ganz auf dem Niveau
der Preise.
- 1998 zeigt sich als gelungenes Jahr für das rechte
Ufer.
- Der Jahrgang 99 ist recht fruchtig und angenehm, er
dürfte sich allerdings nicht ganz so lange wie 98 oder 2000 halten können.
- Bei den Verkostungen von Subskriptionsweinen erschien
der Jahrgang 2000 auf dem linken Ufer noch besser als auf dem rechten. Und
die Magie der Zahl tat seinen Rest um die Preise anzutreiben.
Barsac und Sauternes:
Die Edelfäule macht ihre Weine mit zu den süßesten des
Landes.
Sauternes und seine Satelliten Barsac und Cérons
produzieren die berühmtesten Süßweine des Bordeaux. Man könnte ihnen
auch eine Reihe kleiner Appellationen anschließen, die am anderen Ufer der
Gironde liegen, wie etwa Sainte-Croix-du-Mont und Loupiac, die vergleichbare
Dessertweine produzieren, aus geografischen Gründen aber zum Gebiet
Entre-Deux-Mers gezählt werden.
Es ist die Gironde, die für die günstigen Bedingungen
in dieser Gegend verantwortlich ist, namentlich für die dichten
Nebelschwaden im Herbst, welche das Auftreten der vielgerühmten Edelfäule
begünstigen.
Die Sauternes sind berühmt für ihr vorzügliches
Alterungspotential, das bei den größten Weinen mehr als hundert Jahre
umfassen kann.
Diese Dessertweine sind derart berühmt geworden, dass
die „Appellation d’origine contrôlée" des Sauternais seit dem 11.
September 1936 unter den ersten rangiert.
Rebsorten und Appellationen
Die Appellation d’origine Contrôlée Sauternes ist den
Weißweinen vorbehalten, deren Reben beiderseits des Flüsschens Ciron
herstammen, aus dem Gemeindegebiet von Sauternes und vier benachbarter
Gemeinden – darunter Barsac. Barsac hat zudem das Recht, seinen eigenen
Namen voranzustellen.
Um Anspruch auf die Appellation Sauternes zu haben,
dürfen nur die traditionellen Traubensorten des Bordelais verwendet werden,
nämlich Sauvignon Blanc und Sémillon, sowie die Muscadelle.
Diese Weine müssen von natürlicher Süße sein. Die
Trauben haben Edelfäule aufzuweisen und werden nach und nach, ihrem
Reifegrad entsprechend, geerntet. Der Most muss mindestens 221 Gramm Zucker
pro Liter aufweisen.
Sauternes ist die alles überstrahlende Appellation des
Sauternais und bringt neben dem Tokayer die berühmtesten Süßweine der
Welt hervor.
Das Gebiet der Appellation Barsac ist ein Teil des
Sauternes.
Es ist eine Besonderheit dieser Weine, dass sie sich ihre
Appellation aussuchen dürfen. Nur die größten unter den Barsac haben den
Stolz, ihren eigenen Lokalnamen dem renommierten Namen Sauternes vorzuziehen.
Sie zählen zu den besten Weinen des Bordelais.
Die Appellation Cérons ist eine Enklave von Graves, aber
ihre Süßweine sind eher denen von Sauternes ähnlich, ohne deren
Konzentration zu erreichen. Ein steigender Anteil der Weine von Cérons wird
als trockene Weißweine unter dem Namen Graves vermarktet.
Ranjith Chandrasiri ist der Resident Manager im Royal
Cliff Grand und der Präsident des Royal Cliff Weinclubs, Pattaya, Thailand.
Email:ranjith@royal cliff.com oder wineclub@ royalcliff.com