Im Wein liegt die Wahrheit
Ausgabe Nr. 6
11. August - 17. August 2002
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Frankreich: Die Grande Nation der Weine (Teil 3)

Bordeaux: Das berühmteste Weinbaugebiet der Welt

Von Ranjith Chandrasiri

Nicht nur Paris teilt sich in ein linkes und rechtes Ufer ein, auch das Weinanbaugebiet Bordeaux ist „gespalten". Bordeaux, das berühmteste Weinbaugebiet der Welt, ist geradewegs ein Universum; man könnte auch sagen der schöpferische Urgrund des Weines. Es bietet eine ganze Palette an großen Weißweinen und eine immense Vielfalt an Roten.

Das Bordelais bedeutet „Rive Droite, Rive Gauche"- linkes und rechtes Ufer: Zwei Welten stehen sich hier gegenüber, denn die erste Brücke über die Garonne wurde erst im 18. Jahrhundert geschlagen. Manche Unterschiede sind geblieben.

Madame Marie Francoise Meslier, Eigentümerin des Chateau Raymond Lafon Sauternes.

Bordeaux ist typisch für seine „Assemblages". Die Cabernets und die Merlots dominieren bei den Rotweinen, die Sémillon- und die Sauvignon-Rebe bei den Weißen. Zurück zu den beiden Ufern: Die „Rive Gauche", welche durch das Médoc symbolisiert wird, ist eher den großen und herrschaftlichen Weingütern vorbehalten, und die Cabernets – Cabernet Franc und vor allem Cabernet Sauvignon – haben die Vorherrschaft. Die „Rive Droite" ist, wenn man so will, ländlicher. Die Weingüter sind kleiner; die Merlot-Rebe dominiert hier, vor allem im Pomerol.

Das Bordelais produziert in erster Linie Rotweine.

Seine Weißweine sind aber auch nicht zu verachten: Die größten Anbaugebiete sind Graves – und insbesondere Pessac-Léognan, sowie das Entre-Deux-Mers, das sich zwischen Garonne und Dordogne erstreckt. Die Weißweine des Bordelais haben in den letzten zwanzig Jahren eine spektakuläre Entwicklung durchgemacht. Die Region Sauternes ist das angesehenste Anbaugebiet für Süßweine. Cadillac, Loupiac, Sainte-Croix-du-Mont, Cérons und Barsac sind weniger bekannt und bringen nicht so teure Süßweine auf den Markt. Im Bordeaux werden schließlich auch Roséweine gekeltert, und sei es auch nur, um die Tradition der „clarets" weiterleben zu lassen, jener hellroten Weine, die im britischen Raum überaus geschätzt werden.

Denis Dubourdieu, Eigentümer des Chateau Doisy Daene (Sauternes).

Die Klassifizierung
Bei der Klassifizierung der Bordeauxweine müsste man eher von den Klassifizierungen sprechen. Die bekannteste ist jene von 1855 für Médoc und Sauternes. Sie ist seither praktisch unverändert geblieben und gibt einen guten Maßstab für den Wert der Terroirs im Vergleich zu ihrem Bekanntheitsgrad, ihren Preisen und ihrer Qualität. Nicht berücksichtigt werden Veränderungen innerhalb der Güter und das gestiegene Ansehen einiger Châteaux, die von Kennern heute als „Super-deuxième-Crus" eingestuft werden. Die Graves wurden erst im Jahre 1953 klassifiziert, die Saint-Emilions im Jahre 1955. Diese Klassifizierung wird alle zehn Jahre auf den neuesten Stand gebracht.

Die Jahrgänge
Während die 80er prachtvoll waren, haben die 90er nicht nur für glückliche Ergebnisse gesorgt. Mitte der 90er aber ging es bergauf. Einfach gesagt: Die 80er Jahre sind so prachtvoll gewesen, dass viele glaubten, das Klima im Bordeaux habe sich grundlegend geändert! Die 90er Jahre haben dann, nach einem sehr unausgeglichenen Start, den Sinn für Realitäten zurück gebracht. Jedoch hat die Region seit 1995 wieder großartige Weine hervorgebracht.

Auswahl des Noble Rot in Ch Guiraud (Sauternes).

Im Einzelnen:
- Die Jahrgänge 82, 85, 89 und 90 sind herausragend. Genaugenommen war in diesem Jahrzehnt einzig 84 und 87 ein Rückschritt zu verzeichnen, aber gleichwohl auf gutem Niveau.

- 91 und 92 sind weniger glückliche Jahre, den besten Oenologen ist es dennoch gelungen, die Nadeln im Heuhaufen zu finden. Die Preise sind dafür auch weniger spekulativ. Das Jahr 1991 wurde Opfer von Frühlingsfrost und Regen gegen Ende des Sommers. Auch 1992 war ein regenreiches Jahr.

- 93 und vor allem 94 waren ein wenig besser.

- Mit 1995 und 96 folgen wieder zwei große Weinjahre.

- 1997 dürfte als Jahr der wildesten Spekulationen in die Geschichte eingehen; die Qualität ist nicht immer ganz auf dem Niveau der Preise.

- 1998 zeigt sich als gelungenes Jahr für das rechte Ufer.

- Der Jahrgang 99 ist recht fruchtig und angenehm, er dürfte sich allerdings nicht ganz so lange wie 98 oder 2000 halten können.

- Bei den Verkostungen von Subskriptionsweinen erschien der Jahrgang 2000 auf dem linken Ufer noch besser als auf dem rechten. Und die Magie der Zahl tat seinen Rest um die Preise anzutreiben.

Barsac und Sauternes:

Die Edelfäule macht ihre Weine mit zu den süßesten des Landes.

Sauternes und seine Satelliten Barsac und Cérons produzieren die berühmtesten Süßweine des Bordeaux. Man könnte ihnen auch eine Reihe kleiner Appellationen anschließen, die am anderen Ufer der Gironde liegen, wie etwa Sainte-Croix-du-Mont und Loupiac, die vergleichbare Dessertweine produzieren, aus geografischen Gründen aber zum Gebiet Entre-Deux-Mers gezählt werden.

Es ist die Gironde, die für die günstigen Bedingungen in dieser Gegend verantwortlich ist, namentlich für die dichten Nebelschwaden im Herbst, welche das Auftreten der vielgerühmten Edelfäule begünstigen.

Die Sauternes sind berühmt für ihr vorzügliches Alterungspotential, das bei den größten Weinen mehr als hundert Jahre umfassen kann.

Diese Dessertweine sind derart berühmt geworden, dass die „Appellation d’origine contrôlée" des Sauternais seit dem 11. September 1936 unter den ersten rangiert.

Rebsorten und Appellationen

Die Appellation d’origine Contrôlée Sauternes ist den Weißweinen vorbehalten, deren Reben beiderseits des Flüsschens Ciron herstammen, aus dem Gemeindegebiet von Sauternes und vier benachbarter Gemeinden – darunter Barsac. Barsac hat zudem das Recht, seinen eigenen Namen voranzustellen.

Um Anspruch auf die Appellation Sauternes zu haben, dürfen nur die traditionellen Traubensorten des Bordelais verwendet werden, nämlich Sauvignon Blanc und Sémillon, sowie die Muscadelle.

Diese Weine müssen von natürlicher Süße sein. Die Trauben haben Edelfäule aufzuweisen und werden nach und nach, ihrem Reifegrad entsprechend, geerntet. Der Most muss mindestens 221 Gramm Zucker pro Liter aufweisen.

Sauternes ist die alles überstrahlende Appellation des Sauternais und bringt neben dem Tokayer die berühmtesten Süßweine der Welt hervor.

Das Gebiet der Appellation Barsac ist ein Teil des Sauternes.

Es ist eine Besonderheit dieser Weine, dass sie sich ihre Appellation aussuchen dürfen. Nur die größten unter den Barsac haben den Stolz, ihren eigenen Lokalnamen dem renommierten Namen Sauternes vorzuziehen. Sie zählen zu den besten Weinen des Bordelais.

Die Appellation Cérons ist eine Enklave von Graves, aber ihre Süßweine sind eher denen von Sauternes ähnlich, ohne deren Konzentration zu erreichen. Ein steigender Anteil der Weine von Cérons wird als trockene Weißweine unter dem Namen Graves vermarktet.

Ranjith Chandrasiri ist der Resident Manager im Royal Cliff Grand und der Präsident des Royal Cliff Weinclubs, Pattaya, Thailand. Email:ranjith@royal cliff.com oder wineclub@ royalcliff.com


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