Ranjith Chandrasiri
Das Weinbaugebiet zeichnet sich durch eine Vielfalt an
Böden aus und bringt dementsprechend auch verschiedene Weine hervor. Das
Elsass hat gewiss die schönste „Weinstraße" von ganz Frankreich.
Diese erstreckt sich von Straßburg bis Mülhausen auf einer schmalen
Hügelkette, welche die elsässische Ebene dominiert. Hier liegen
blumengeschmückte Dörfer, die – leider – immer mehr vom Tourismus
überrollt werden.
Restaurants
am Ufer des Lauch im Elsass.
Die Vogesen halten die vom Atlantik her kommenden Winde
auf und sorgen für ein trockenes Mikroklima, das die Kraft der Sommersonne
verstärkt. So können sich die weißen Trauben ideal entwickeln. Die
mittlere Niederschlagsmenge der Region Colmar ist die tiefste von ganz
Frankreich.
Die große Bandbreite an Böden ist eine weitere
Besonderheit des Elsass.
Die meisten Weinbaugemeinden verfügen über vier oder
fünf verschiedene Erdzusammensetzungen, ohne Berücksichtigung der
verschiedenen Ausrichtungen und Mikroklimen.

Weingärten
des Grand Cru in der Nähe von Niedermorschwihr im Elsass.
Durch diese Vielfalt erklärt sich auch die Auswahl von
50 Grands Crus, welche den besten Mikro-Terroirs entsprechen. Auf den Punkt
gebracht: die granitreichen und sandigsten Böden ergeben die fruchtigsten
Weine. Sandsteinböden und lehmig-kalkhaltige Böden bringen mineralische
Weine hervor und schieferhaltige Böden sorgen für besonders komplexe und
kraftvolle Tropfen.
Der Niederrhein (die Region rund um Strassburg) ist eine
ideale Gegend für Sylvaner und Riesling. Die Region um Colmar eignet sich
vor allem für den Anbau von Gewürztraminer und Pinot gris, speziell in
Verbindung mit Edelfäule. Der Süden, auf der Höhe von Colmar, ist zu
heiß für den Riesling, hier gelingen dafür kraftvolle Spätlesen.
Weingut
Maison Trimbach im Elsass.
Die Weine werden vor allem sortenrein ausgebaut.
Die Rebsorten:
- Riesling: Mit ihrem typisch mineralischen Aroma (Experten
sprechen von Petroleumgeschmack) eine Rebsorte für Kenner.
- Gewürztraminer: Ein Charmeur, kraftvoll und aromatisch,
der seinen Charakter vor allem als Spätlese voll entfaltet.
- Muscat: ein fast schon süßer Wein, ideal als
Aperitif.
- Pinot gris: früher auch unter dem Namen „Tokay d’Alsace"
bekannt. Heute ist diese Bezeichnung nicht mehr gebräuchlich, da sie in die
Irre führt. Mit der ungarischen Rebsorte Furmint, die auch unter dem Namen
Tokayer bekannt ist, hat der Pinot gris nämlich gar nichts zu tun. Ein
festlicher Wein, besonders als Spätlese.
- Sylvaner: Ein trockener, angenehmer Wein, ideal zu
Meeresfrüchten.
- Pinot noir: Die einzige rote Traube, die im Elsass
heimisch ist. Sie wird gelegentlich auch als Rosé vinifiziert. Die Pinots
noir des Elsass können – auch als Rotweine – kühl getrunken werden.
Die Appellationen:
- Der Edelzwicker (der Name bedeutet „Nobler Verschnitt"):
keine Rebsorte, sondern eine Assemblage verschiedener Weißweine wie zum
Beispiel Chasselas, Sylvaner und Pinot blanc.
- Die Appellation „Alsace" ist eine simple,
allgemeine Herkunftsbezeichnung. Fehlen genauere Einschränkungen, so
handelt es sich um einen Wein, der aus verschiedenen elsässischen
Traubensorten zusammen gemischt sein kann (darunter auch Chasselas).
- „Alsace Grand Cru" muss als Appellaton jeweils
in Verbindung mit einer der Edelreben genannt werden (Riesling, Pinot gris,
Muscat, Gewürztraminer). Nur 50 ausgewählte Anbaugebiete sind als Grands
Crus klassifiziert.
- Die Spätlesen oder „Vendanges Tardives" (abgekürzt
V.T.) werden aus Trauben mit hohem natürlichen Zuckergehalt gewonnen
(Muscat oder Gewürztraminer). Durch einen möglichst späten Zeitpunkt der
Ernte (der Termin wird durch die zuständigen Behörden festgelegt) wird der
Zuckergehalt zusätzlich in die Höhe getrieben. Die Sélection de grands
nobles (S.G.N.) werden nur in außergewöhnlichen sonnigen Weinjahren
produziert. Die Trauben werden als Spätlese gewonnen und müssen zudem
Edelfäule aufweisen, wie im Sauternes. Sowohl für V.T. als auch für S.G.N.
ist die Aufzuckerung des Mostes (Chaptalisation) streng untersagt.
- Crémant d’Alsace: Elsässischer Schaumwein, der nach
der traditionellen Methode der Champagne ausgebaut wird.
Die Jahrgänge
Wie in jeder anderen Weinregion auch gibt es im Elsass
denkwürdige und weniger denkwürdige Jahrgänge.
- 83 und 85: zwei superbe und denkwürdige Weinjahre.
- 88: ein klassisches Weinjahr, das den erstgenannten in fast nichts
nachsteht.
- 89: ein großes, schönes Weinjahr, insbesondere mit
schönen Spätlesen.
- 90: ein Jahr für die Geschichtsbücher: Besonders
kraftvolle Pinots noirs und schöne Spätlesen.
- 91: ein eher schwieriges Jahr – trinken Sie die
Lagerbestände bald aus.
- 92: ebenfalls ein risikoreiches Jahr, das aber durchaus
für Überraschungen sorgt.
- 93: ein Jahr mit Entwicklungspotential, besonders was
die Sylvaner- und Rieslingweine anbetrifft.
- 94: ein gutes Jahr für Weißwein, vorab für den
Sylvaner und die Spätlesen.
- 95: ein gutes Jahr, aber nicht zu vergleichen mit den
Spitzenwerten des Bordelais.
- 96: ein schönes Jahr, entwicklungsfähig.
- 97: noch eine Stufe höher – vor allem große
Rieslinge und Auslesen (Sélections de grains nobles) mit erstklassigem
Alterungspotential.
Entdecken Sie die Vielfalt weiter nächste Woche (Teil
8).
Ranjith Chandrasiri ist der Resident Manager im Royal Cliff Grand und der
Präsident des Royal Cliff Weinclubs, Royal Cliff Beach Resort, Pattaya,
Thailand, Email: ranjith@royal cliff.com order wineclub@ royalcliff.com