Im Wein liegt die Wahrheit
Ausgabe Nr. 16
20. Oktober - 26. Oktober 2002
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Ein Gespräch mit Georges Haushalter

Ranjith Chandrasiri

Ein Gespräch mit Georges Haushalter, dem kaufmännischen Leiter des Handelshauses Louis Jadot. Er hat eine wahre Leidenschaft für Wein und Burgund. Er öffnet mir die Toren von Louis Jadot und gibt mir seine Meinung kund zu aktuellen Fragen, wie Eichenfassausbau, Terroir und genmanipulierte Pflanzen.

Ranjith mit Herrn Haushalter bei der Louise Jadot-Weinkellerei in Burgund, Frankreich.

Ranjith Chandrasiri: Herr Haushalter, wie sind Sie zum Wein gekommen?

Georges Haushalter: Ich hatte immer eine Leidenschaft für Wein, aber es ist auch Familiengeschichte: Mein Vater besitzt Weinberge im Elsass und meine Mutter bei Bordeaux – und meine Schwester bewirtschaftet ein Gut der Côteaux du Layon! Bevor ich bei Louis Jadot anfing, habe ich bei einem Händler in Bordeaux gearbeitet.

RC: Was ist die Besonderheit des Hause Jadot?

GH: Ich denke, es ist die ständige Sorgfalt, die dem Ausdruck der Burgunder Terroirs zu Gute kommt. Wir vinifizieren über 150 verschiedene Weine. Jeder einzelne hat seine besonderen Eigenschaften und spiegelt bestens die Seele seines Terroirs. Wir verwenden ebenfalls lange Maischegärungen um die Extraktion zu begünstigen. Deshalb müssen unsere Trauben einwandfrei sein, sonst würden eventuelle Fehler um ein Vielfaches spürbarer! Die Weinlese wird bei uns besonders gepflegt mit niedrigen Erträgen und vollreifen Trauben in bester Gesundheit.

Ranjith inspiziert die Vinifizierung-Technik bei Louis Jadot Weinkellerei in Burgund.

Unsere Wein sind zum Teil in ihrer Jugend etwas streng, sie besitzen dafür ein ausgezeichnetes Alterungspotential.

RC: Gibt es einen Jadot-Stil?

GH: Eigentlich nicht, außer dass das Terroir immer im Vordergrund steht. Wir suchen keinen zu stark betonten Holzton und sehen die Barrique nur als Unterstützung beim Ausbau und nicht als Spender von Holz-, Grill- oder Brandaromen. Wir besitzen übrigens seit 1997 unsere eigene Fassbauerei, um genau den Ursprung und die Herstellung der Barrique zu kontrollieren. Der Unterschied ist, seitdem wir unsere eigene Fässer verwenden, recht spürbar!

RC: Auf welchen Wein sind Sie besonders stolz?

GH: Alle! Der erstaunlichste Wein ist vermutlich unser Moulin- a Vent Chateau des Jacques. Diese Appellation war zehn Jahre lang in Vergessenheit geraten und erzielt nun erstaunliche Ergebnisse bei Blindverkostungen: Sie wird oft mit den Premiers Crus der Côtes de Nuits verglichen, auf Grund seiner intensiven Aromen schwarzer Früchte. Seine würzige Seite erinnert an große Syrah der nördlichen Côtes du Rhône...

RC: Was ist ihre schönste Erinnerung an eine Verkostung?

GH: Meine erste Verkostung in den Weinkellern von Louis Jadot mit unserem technischen Direktor, Jacques Lardière. Es war eine fantastische Horizontalverkostung, quer durch den 1999er Jahrgang, kurz vor meiner Einstellung. Danach konnte ich dem Posten kaum nein sagen.

RC: Was halten Sie vom Weinhandel im Internet?

GH: Es ist ein schneller und interessanter Weg, um an seltene Weine zu gelangen. Sie sind keiner Minderheit vorbehalten und allen Weinfreunden zugänglich.

RC: Welche sind Ihre Lieblingssites?

GH: Die Seiten mit Informationen aus der Weinwelt, wie die Seite von Wine Spectator, und natürlich unsere eigene Seite (www.jadot.fr)!

RC: Sie erzeugen sogenannte umweltschonende Weine. Der Mode wegen oder aus Überzeugung?

GH: Für uns ist der biologische Anbau kein abstraktes Ziel, sondern eher ein Mittel, die Weinberge zu schonen und dadurch wiederum den Ausdruck des Terroirs zu begünstigen.

RC: Was halten Sie von genmanipulierten Pflanzen?

GH: Wir sind nicht stur gegen genmanipulierte Pflanzen, aber wir mahnen zur Vorsicht. Die großen Burgunder waren unter den Ersten, die zu diesem Thema ihre Bedenken geäußert haben und Erzeuger aller wichtigen Anbaugebiete teilen unsere Vorbehalte. Wir haben ein Überwachungs- und Informations-Komitee gegründet und fordern eine Wartezeit von zehn Jahren vor der Einführung von manipulierten Rebstöcken, um Nebeneffekte besser zu beherrschen.
Wir fürchten besonders eine Verarmung der Vielfalt unserer Terroirs und eine Standardisierung der Weine, das würde das Gegenteil unserer Philosophie bedeuten!

RC: Herr Haushalter, im Namen von Pattaya Blatt, Pattaya Mail und Royal Cliff Wine Club, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

Ranjith Chandrasiri ist der Resident Manager im Royal Cliff Grand und der Präsident des Royal Cliff Weinclubs, Royal Cliff Beach Resort, Pattaya, Thailand. Email: ranjith@royalcliff.com oder wineclub@royalcliff.com


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