Tischlein deck dich...
2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 2

12. Januar - 18 Januar 2003
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Auguste Renoir

Das elegante Restaurant im Flamingo Hotel

Karsten Holt

Das Auguste Renoir ist ein Fest für Augen und Gaumen. Kein Wunder, ist es doch nach einem der berühmtesten Impressionisten benannt und möchte seinem Namen alle Ehre machen. Geleitet wird es von Japp Klasema, dem Generalmanager, der auch das gesamte Flamingo Hotel führt, und dem dem Belgier Tony Coolen als Restaurantchef. Deshalb ist die Küche auch leicht belgisch angehaucht, was besonders ganz zum Abschluss des Menüs deutlich wird.

Das Restaurant strahlt gleichzeitig einen eleganten und gemütlichen Eindruck aus. An den hellen, orangefarbenen Wänden hängen zahlreiche Reproduktionen von Renoirs Bildern, den Gästen, trotz ihrer Eleganz, die Lebensfreude des Malers vermittelnd. Die Stühle und die Decke des Saales sind aus hellem Holz gefertigt und auch die weißen Vorhänge tragen zur freundlichen Atmosphäre des Raums bei. In der Ecke steht ein altes Grammophon und erhellt wird das Restaurant von interessanten Kronleuchtern aus Holz, die in vielen Strahlen das Licht spenden. Neben einer Staffelei mit einem Selbstportrait des Künstlers steht auch eine riesige Palette mit einem fast 2 Meter langen Pinsel – hier ist das Salatbüfett untergebracht und statt der Farben kann man eben verschiedene Salate auswählen. Ganz in der Mitte des Saales steht jedoch eine tanzende hinduistische Gottheit. Das ergibt einen geradezu erstaunlichen asiatischen Kontrast zu der, ansonsten eher europäischen, Einrichtung. Durch die Bilder erhält das Restaurant eine fast herrschaftliche Ausstrahlung und die Kerzen und Rosen auf den Tischen, tragen zum gehobenen Ambiente bei.

Die Speisekarte, trotz ihrer belgischen Spezialitäten, bietet für alle Nationen etwas. Die Karte selbst ist eigentlich gar keine, sondern ein dickes Buch mit schweren Seiten und einem starken Einband aus Geflecht und Leder. Die einzelnen Gerichte sind auf Englisch aufgeführt. Außerdem bietet der Wirt auch verschiedene Tagesempfehlungen, die mit Kreide auf einer schwarzen Tafel angeschrieben sind – diesmal auf Französisch. Der Restaurantchef verwies besonders auf sein täglich wechselndes Tagesmenü für 249 Baht, das Salat, Suppe, Hauptgericht, Eis und Kuchen umfasst. Auf der Karte findet sich eine große Auswahl verschiedenster kalter und warmer Vorspeisen, mehrere europäische Hauptgerichte aus allen Fleischsorten und Fisch sowie zahlreiche thailändische Gerichte. Auch die Nachspeisen und Eis fehlen nicht.

Wir waren diesmal nur zu zweit und konnten deshalb nicht allzuviel probieren, so dass wir uns gern einige besondere Gerichte empfehlen ließen. Als Vorspeisen wurden uns „Auguille aux Vert" und „Scallops from Japan" serviert. Auf unsere fragenden Blicke erklärte uns Tony die Speisen und ihre Besonderheiten. Denn besonders waren sie wirklich. Auguille aux Vert ist eine belgische Spezialität, Aal in grüner Sauce. Der Aal stammt im Renoir aus einem Fluss in Neuseeland und die Sauce besteht aus einer Mischung fast aller grüner Gemüsearten. Alles wird in einer Terrine serviert und als wir den Deckel öffneten, stieg uns ein so intensiver Duft von frischen Kräutern entgegen, wie wir ihn noch nie gerochen hatten. Stolz verwies der Küchenchef darauf, dass die Sauce aus mehr als 30 verschiedenen Kräutern zusammengesetzt ist und alle Zutaten frisch zubereitet werden. Er erklärte, dass er niemals irgendwelche Gewürzmischungen in Pulverform verwendet, sondern immer nur frische Kräuter. Thailand ist dafür natürlich ein ideales Land und bietet viel mehr, als man es in Europa erwarten kann. Die zweite Vorspeise waren Jakobsmuscheln in Hummersauce mit Sellerie und Porree. Auch hier schmeckte die Sauce ausgezeichnet und meine Begleiterin meinte, sie würde am liebsten zwei große Suppenteller voll nur mit den Saucen verspeisen.

Anschließend servierte uns der Wirt ein Sorbet aus tropischen Früchten mit frischem Rhabarber. Das war wieder eine Sensation, denn Rhabarber hatten wir hier in Thailand noch nie gegessen.

Als Hauptgerichte erhielten wir ein Wildschweingulasch in Rotweinsauce und Lamm mit Kartoffeln und Gemüse. Das Fleisch bei beiden Gerichten war äußerst zart und schmeckte, wohl auch wiederum wegen der frischen Zutaten, ausgezeichnet.

Wenn die meisten Europäer Belgien hören, denken sie zuerst an Schokolade. Und hier in Thailand lässt das Wort „belgische Schokolade" sicher sehr vielen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das hatte sich der Wirt vom Renoir sicherlich auch gedacht und servierte uns als Nachspeise die „Symphonie Renoir". Sie sah großartig aus und trotzdem konnte sie gegen den Geschmack nicht gewinnen. Denn sie bestand aus Mousse au Chocolat, aus echter belgischer Schokolade! Auf einem großen Teller waren die Leckereien künstlerisch angeordnet: Mousse aus schwarzer und aus weißer Schokolade mit Johannisbeeren und Preiselbeeren und Eierlikör. Ich muss gestehen ich hatte noch nie weiße Mousse gegessen und meine Begleiterin war über den Eierlikör geradezu fasziniert. Schokolade und Beeren werden natürlich direkt aus Europa importiert und den Eierlikör macht der Wirt selbst. Es war ein großartiger Abschluss eines erstklassigen Menüs, und wären wir nicht bereits so satt gewesen, hätte ich am liebsten noch den einen oder anderen Teller davon gegessen.

August Renoir im Flamingo Hotel, Soi Day-Night-Bazaar, Südpattaya, Tel. 038-427 161


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