Das elegante Restaurant im Flamingo Hotel
Karsten Holt
Das Auguste Renoir ist ein Fest für Augen und Gaumen.
Kein Wunder, ist es doch nach einem der berühmtesten Impressionisten
benannt und möchte seinem Namen alle Ehre machen. Geleitet wird es von Japp
Klasema, dem Generalmanager, der auch das gesamte Flamingo Hotel führt, und
dem dem Belgier Tony Coolen als Restaurantchef. Deshalb ist die Küche auch
leicht belgisch angehaucht, was besonders ganz zum Abschluss des Menüs
deutlich wird.

Das Restaurant strahlt gleichzeitig einen eleganten und
gemütlichen Eindruck aus. An den hellen, orangefarbenen Wänden hängen
zahlreiche Reproduktionen von Renoirs Bildern, den Gästen, trotz ihrer
Eleganz, die Lebensfreude des Malers vermittelnd. Die Stühle und die Decke
des Saales sind aus hellem Holz gefertigt und auch die weißen Vorhänge
tragen zur freundlichen Atmosphäre des Raums bei. In der Ecke steht ein
altes Grammophon und erhellt wird das Restaurant von interessanten
Kronleuchtern aus Holz, die in vielen Strahlen das Licht spenden. Neben
einer Staffelei mit einem Selbstportrait des Künstlers steht auch eine
riesige Palette mit einem fast 2 Meter langen Pinsel – hier ist das
Salatbüfett untergebracht und statt der Farben kann man eben verschiedene
Salate auswählen. Ganz in der Mitte des Saales steht jedoch eine tanzende
hinduistische Gottheit. Das ergibt einen geradezu erstaunlichen asiatischen
Kontrast zu der, ansonsten eher europäischen, Einrichtung. Durch die Bilder
erhält das Restaurant eine fast herrschaftliche Ausstrahlung und die Kerzen
und Rosen auf den Tischen, tragen zum gehobenen Ambiente bei.
Die Speisekarte, trotz ihrer belgischen Spezialitäten,
bietet für alle Nationen etwas. Die Karte selbst ist eigentlich gar keine,
sondern ein dickes Buch mit schweren Seiten und einem starken Einband aus
Geflecht und Leder. Die einzelnen Gerichte sind auf Englisch aufgeführt.
Außerdem bietet der Wirt auch verschiedene Tagesempfehlungen, die mit
Kreide auf einer schwarzen Tafel angeschrieben sind – diesmal auf
Französisch. Der Restaurantchef verwies besonders auf sein täglich
wechselndes Tagesmenü für 249 Baht, das Salat, Suppe, Hauptgericht, Eis
und Kuchen umfasst. Auf der Karte findet sich eine große Auswahl
verschiedenster kalter und warmer Vorspeisen, mehrere europäische
Hauptgerichte aus allen Fleischsorten und Fisch sowie zahlreiche
thailändische Gerichte. Auch die Nachspeisen und Eis fehlen nicht.
Wir waren diesmal nur zu zweit und konnten deshalb nicht
allzuviel probieren, so dass wir uns gern einige besondere Gerichte
empfehlen ließen. Als Vorspeisen wurden uns „Auguille aux Vert" und
„Scallops from Japan" serviert. Auf unsere fragenden Blicke erklärte
uns Tony die Speisen und ihre Besonderheiten. Denn besonders waren sie
wirklich. Auguille aux Vert ist eine belgische Spezialität, Aal in grüner
Sauce. Der Aal stammt im Renoir aus einem Fluss in Neuseeland und die Sauce
besteht aus einer Mischung fast aller grüner Gemüsearten. Alles wird in
einer Terrine serviert und als wir den Deckel öffneten, stieg uns ein so
intensiver Duft von frischen Kräutern entgegen, wie wir ihn noch nie
gerochen hatten. Stolz verwies der Küchenchef darauf, dass die Sauce aus
mehr als 30 verschiedenen Kräutern zusammengesetzt ist und alle Zutaten
frisch zubereitet werden. Er erklärte, dass er niemals irgendwelche
Gewürzmischungen in Pulverform verwendet, sondern immer nur frische
Kräuter. Thailand ist dafür natürlich ein ideales Land und bietet viel
mehr, als man es in Europa erwarten kann. Die zweite Vorspeise waren
Jakobsmuscheln in Hummersauce mit Sellerie und Porree. Auch hier schmeckte
die Sauce ausgezeichnet und meine Begleiterin meinte, sie würde am liebsten
zwei große Suppenteller voll nur mit den Saucen verspeisen.
Anschließend servierte uns der Wirt ein Sorbet aus
tropischen Früchten mit frischem Rhabarber. Das war wieder eine Sensation,
denn Rhabarber hatten wir hier in Thailand noch nie gegessen.
Als Hauptgerichte erhielten wir ein Wildschweingulasch in
Rotweinsauce und Lamm mit Kartoffeln und Gemüse. Das Fleisch bei beiden
Gerichten war äußerst zart und schmeckte, wohl auch wiederum wegen der
frischen Zutaten, ausgezeichnet.
Wenn die meisten Europäer Belgien hören, denken sie
zuerst an Schokolade. Und hier in Thailand lässt das Wort „belgische
Schokolade" sicher sehr vielen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Das
hatte sich der Wirt vom Renoir sicherlich auch gedacht und servierte uns als
Nachspeise die „Symphonie Renoir". Sie sah großartig aus und
trotzdem konnte sie gegen den Geschmack nicht gewinnen. Denn sie bestand aus
Mousse au Chocolat, aus echter belgischer Schokolade! Auf einem großen
Teller waren die Leckereien künstlerisch angeordnet: Mousse aus schwarzer
und aus weißer Schokolade mit Johannisbeeren und Preiselbeeren und
Eierlikör. Ich muss gestehen ich hatte noch nie weiße Mousse gegessen und
meine Begleiterin war über den Eierlikör geradezu fasziniert. Schokolade
und Beeren werden natürlich direkt aus Europa importiert und den Eierlikör
macht der Wirt selbst. Es war ein großartiger Abschluss eines erstklassigen
Menüs, und wären wir nicht bereits so satt gewesen, hätte ich am liebsten
noch den einen oder anderen Teller davon gegessen.
August Renoir im Flamingo Hotel, Soi Day-Night-Bazaar, Südpattaya, Tel.
038-427 161