2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 8

23 Februar - 1 März 2003
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Ach, wenn wir sie nicht hätten, unsere Tagträume

Eine herrliche Villa mit einem wunderschönen, großen Park davor steht vor mir. Im Hintergrund sieht man das Meer, Palmen wiegen sich in der sanften Brise und die Sonne leuchtet mit sanfter Kraft vom Himmel. Ich bin gerade dabei darauf zuzugehen und die Türe zu öffnen, da schreit meine Tochter im Hintergrund „Mama, ich habe einen Bärenhunger. Was gibt’s denn heute?" Schon bin ich aus einem meiner wunderschönen Tagträume gerissen und mache mich seufzend auf den Weg in die Küche. Dort staut sich leider noch das Mittagsgeschirr und auch die Bügelwäsche hängt noch über einem Stuhl und wartet darauf, endlich geplättet zu werden. Während ich mich nun automatisch an die Zubereitung des Abendessens mache, bin ich in Gedanken bereits wieder an einem herrlichen Strand mit Palmen, exotische Früchte locken und das Meeresrauschen erfüllt die Luft.

Kennen Sie das auch? Die schönsten Bilder ziehen am geistigen Auge vorbei und man träumt einfach so in den Tag hinein, ohne dass man merkt, wie schnell die Zeit vergeht. Ganz so, als hätte man nichts Besseres zu tun.

Wissenschaftler hatten bis vor wenigen Jahren noch gedacht, dass es sich dabei um reine Zeitverschwendung handeln würde, sind aber mittlerweile darauf gekommen, dass sie nicht nur über langweilige Routinearbeiten hinweg helfen können, sondern gleichzeitig eine Art Kurzurlaub für die Seele bedeuten. Man kann sich herrlich entspannen dabei, alle Sorgen loslassen und sich völlig frei fühlen. Tagträume helfen sogar dabei, Lösungen für manch ungelöstes Problem zu finden und auch das Selbstwertgefühl wird dadurch aufgewertet.

Interessant ist, dass bei diesen Tagträumen keinesfalls Sexfantasien an erster Stelle stehen, sondern ein Traumurlaub. Umfragen haben ergeben, dass 94% mindestens einmal pro Tag so einen Wachtraum haben. Davon träumen 56% vom Urlaub, 35% von Erfolg im Berufsleben, 22% von Sex und 20% von einem Lottogewinn.

Frauen sind bei Tagträumen agiler, Männer lassen diese seltener zu. Wenn Männer mal abdriften, dann geht es eher um Erfolg im Sport oder im Bett oder um Macht. Frauen sind da wesentlich romantischer veranlagt, sie träumen von einem Sonnenuntergang am Strand, von einem Abendessen im Mondschein und von Spaziergängen unter dem Sternenhimmel.

Was passiert eigentlich bei Tagträumen? Ein optimaler Erregungszustand zwischen An- und Entspannung tritt im Gehirn ein. Das nennt man „Floating", also Schweben. Dabei schöpft unser Gehirn neue Kreativität und befreit sich gleichzeitig von den negativen Gedanken. In Tagträumen können wir alle unsere Emotionen ausleben und das hilft uns dabei, mit der Realität besser fertig zu werden. Das alles ist sehr harmlos, gefährlich wird es nur dann, wenn man in den Traum flüchtet, um die Probleme zu vergessen.

Noch eins: Wenn man sich in seinen Tagträumen vorstellt, dass man traumhaft schlank ist, dann kann das einen Motivations-Kick ausüben. Leider nicht mehr, denn vom Träumen alleine wird man nicht schlank, dazu braucht man auch Initiative. Aber ein klares Ziel bringt häufig den gewünschten entscheidenden Anstoß.


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