Gedanken zur Woche
2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 8

23 Februar - 1 März 2003
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Der Drogentod

Franz Schmid

Neulich, es ist er einige Monate her, sagte jemand zu mir: „Diesen Drogenhändlern sollte man doch gar keinen Prozess machen. Das kostet doch dem Staat nur viel zuviel und es nützt auch nichts, da sie sobald sie entlassen sind, doch wieder mit dem Handel beginnen. Die gehören doch ganz einfach an die Wand gestellt."

Ich bin sicher, der Herr hatte keinerlei Einfluss auf die Regierung oder die Polizei in Thailand und doch geschieht jetzt so etwas ähnliches hier in unserem Land.

Jeden Tag kann man in der Zeitung über „Hinrichtungen" an Drogenhändlern lesen. Die Polizei tötete schon einige aus Gründen der Selbstverteidigung. Mit diesem harten Durchgreifen zeigt der Staat dem Volk, dass er Willens ist, diese Sucht auszurotten.

Der Handel mit Drogen ist sehr schlimm, eines der schlimmsten Verbrechen, das ich mir vorstellen kann. Werden doch durch Drogen junge Leben zerstört, Familien dadurch auseinandergerissen oder gar ausgerottet. Ich bin der Meinung, dass dieses Verbrechen mit den härtesten Mitteln bekämpft und auch bestraft werden soll. Allerdings drängt sich mir bei der Lektüre dieser Morde an Händlern auch die Frage auf: Ist das richtig, was hier getan wird? Denn wie immer sind es die Kleinen, die daran glauben müssen. Die kleinen Drogenhändler, die zum größten Teil selbst süchtig sind und hauptsächlich ihrer Sucht wegen die Ware verkaufen, um so genügend Geld für ihren nächsten „Trip" zu erhalten.

Natürlich gehen auch einige größer „Fische" ins Netz der Polizei. Doch die ganz Großen sind es nicht. Die sind zu mächtig und einflussreich, um sich in so einem grobmaschigen Netz zu fangen.
Um aber auf die „Kleinen" zurück zu kommen, ich bin nicht sicher ob es richtig ist zuerst zu schiessen und dann zu fragen. Aber, so schwer das Verbrechen des Drogenhandels auch ist, erfordert es doch die Art Menschlichkeit, dass der Verdächtige vor der Verurteilung eine Gerichtsverhandlung bekommt und sich verteidigen darf. Denn könnte es vielleicht sein, das so mancher dieser angeblichen Drogenhändler nur infam verleumdet wurde von einem seiner Mitbürger, der ihm nichts Gutes will? Wie heißt es so schön in der Rechtssprechung: „Der Beklagte ist unschuldig bis der Gegenbeweis erfolgt ist." Ich finde, das sollte man auch hier, auch bei Drogenhändlern anwenden.

Man mag über diese Sache denken, wie man will. Eines sollte einem allerdings klar sein: Thailand, das so erpicht darauf ist seinen guten Ruf zu bewahren, sollte auch bedenken, dass viele Touristen dieses Vorgehen der Polizei vielleicht als notwendig erachten, andere aber von so einer Brutalität abgeschreckt werden in unser Land zu kommen. „Vielleicht", sagte kürzlich ein anderer Freund zu mir, „vielleicht organisieren die großen Dealer es auch, dass man die Kleinen hinrichtet, als Alibi sozusagen um damit von ihren eigenen Untaten abzulenken und, wenn genügend Kleine gefangen oder hingerichtet wurden, können sie ja dann ihren Geschäften wieder unbesorgt nachgehen."

Ich habe lange über dieses Gespräch nachgedacht und ich hoffe aus ganzer Seele, dass mein Freund mit seiner Vermutung Unrecht hat.


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