Helau und Alaaf! Die närrische Zeit erreicht ihren
diesjährigen Höhepunkt. Morgen ist Rosenmontag. Und damit das auch letzte
Faschings- oder Karnevalsmuffel keinesfalls verpennt, haben sich sämtliche
TV-Sender schon seit Wochen die Narrenkappen aufs Sender-Logo gestülpt. Was
waren das noch für gute alte Zeiten, als an Altweiberfasnacht die Kölner
Mädchensitzung und tags drauf „Mainz wie es singt und lacht" zum
Finale der Session baten. Inzwischen gehen die beiden
Traditionsveranstaltungen fast unter im närrischen Treiben der TV-Konkurrenz.
Jeden Tag, pardon Abend, tuschtatat es aus einem anderen
Kanal. Kein Karnevalsverein, keine Sitzung, die nicht inzwischen sendefähig
wäre. „Wolle mer se neilasse?" beantwortet der genervte Zuschauer
inzwischen mit einem kalt-lächelnden: Nein. Nützt aber nix, beim Zappen
schleicht sich immer wieder ein beherztestes Täätä Täätä Täätä ein.
Dreifach fröhliche Narrenrufe schallen inzwischen auch
aus Brandenburg durch die Republik. Aus dieser wiederentdeckten Hochburg des
Frohsinns stammt auch die Merseburger Funkengarde, die sich immerhin „Europameister
im rheinischen Gardetanz" nennen darf. Doch nutzen tut es ihnen nix:
Ihr größter Wunsch, einmal auf einer Kölner Sitzung zu tanzen, will sich
einfach nicht erfüllen. Ortsfremde Schenkel auf die Jecken loslassen? Da
hört für die rheinischen Gilden der Spaß auf.
Kein Faschingsscherz ist auch der jüngste Münchner
Skandal (nein, es geht nicht um die 40 Millionen, die die Bayern hintenrum
von Leo Kirch kassiert haben): Hier wehrte sich der Stadtrat mit allen
Mitteln gegen die „Körperwelten" des Anatomie-Professors Gunther von
Hagens. Sicher, über die plastinierten Leichen Hagens lässt sich streiten
– und dies wurde in allen Städten, in denen die Ausstellung bisher zu
Gast war, auch getan. Doch verbieten wollte sie nur München, sogar mit
Zwangsbestattung der Plastinate drohte man!
Doch der Professor ließ sich nicht beirren, baute seine
Ausstellung auf – und bekam knapp 24 Stunden vor der Eröffnung
gerichtlich bestätigt, seine Schau diene „einem didaktischen Zweck".
So darf nun auch der Münchner die ästhetisch präparierten Körper ansehen.
Allerdings nicht alle – was keine Krankheiten oder anatomischen
Veränderungen aufweist, wurde auf richterliche Weisung mit Goldfolie
verhüllt wie ein Leberkäse im Warmhaltemantel. Darunter auch ein Ross mit
Reiter, die nun wie ein modernes Don-Quixote-Standbild anmuten. Und das ist
doch ein hübsches Symbol für den Münchner Kampf um Anstand und Sitte,
oder?!
Noch ein Nachtrag zum Käfig voller Narren bei „Deutschland
sucht den Superstar": Inzwischen warf Dieter Bohlen mit seinen
Goldkehlchen ein ganzes Album auf den Markt, das für Diskussionen sorgt.
Denn es stellte sich heraus, das „Rabe" Dieter fast alle Songs bei
sich selber – und auch bei anderen Songschreibern „entlehnt" hat.
Nennt man so etwas Hit-Recycling...
Wer jetzt noch glaubt, am Aschermittwoch sei alles vorbei,
liegt dieses Jahr voll daneben: der Sender Pro 7 wirbt schon eifrig für
seinen „Red Nose Day". Da sollen am 14.3. noch mal alle die Pappnase
aufsetzen. Na dann: Helau und Alaaf!