2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 11

16. März - 22. März 2003
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Von Nicola Hahn

Der Frühling ist ausgebrochen! Sogar der Norden Deutschlands wurde schon von der Sonne gestreift. Hier im Süden herrscht seit über einer Woche Biergartenwetter. Und Hochstimmung. Die ist vielleicht auch der Grund, warum selbst die Rekordzahl von 4,7 Millionen Arbeitslosen im Februar und Desaster Meldungen aus Wirtschaft und Finanzmärkten, z. B. der Rekordverlust der Telekom, nur nebenbei vermerkt werden?! Die Gewerkschaften streiken unbeeindruckt für mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten. Im Moment ist die Bahn dran, und viele Reisende mussten in den letzten Tagen das Leben in vollen Zügen auf dem Wartegleis fristen.

Auch das Thema Irak dominiert zwar die Nachrichten, ist aber bei Gesprächen über der ersten Maß Bier im Freien eher Nebensache. Lasst positive Meldungen um uns sein! Wie Dieter Bohlen Superstar. Dem ist sein plötzlicher Imagewandel vom rüpelhaften Pop-Rumpelstilzchen zur ehrlichen Produzenten-Haut zwar selbst noch nicht ganz geheuer. Aber er spielt brav den beschützenden Adoptivvater seines frisch gekürten „Superstars". Der heißt übrigens Alexander, ist 19 Jahre jung und sieht ein bisschen aus wie der kleine Bruder von Ralf Schumacher.

Während die Nation am vergangenen Samstagabend noch telefonisch darüber abstimmte, ob der „deutsche Robin Williams" oder seine Wettbewerberin Juliette das Rennen machen sollten im RTL-Spektakel „Deutschland sucht den Superstar" (Quietsche-Daniel war in der Vorwoche rausgekickt worden), musste man im ZDF einen gnadenlosen Tiefschlag hinnehmen. Dort wurde nämlich Box-Liebling Dr. Wladimir Klitschko von Corrie Sanders sozusagen mit links auf die Bretter geschickt. Nach zwei Niederschlägen in der ersten Runde knockte die schlagkräftige Linke des Südafrikaners den Favoriten Klitschko in der zweiten Runde kurz und schmerzhaft endgültig aus. Doch schon kurz nach dem Kampf versprach der etwas verbeulte Ukrainer: „Ich komme wieder!" – und so mögen wir ja unsere Helden.

Wieder kam auch der beim „Grand Prix d’Eurovison" unvermeidliche Ralph Siegel. „Nie mehr", hatte der Schlagerkönig zwar nach dem vorletzten Platz seiner Corinna May im letzten Jahr versprochen. Doch dann schickte er am vergangenen Freitag wieder einen „Supersong für Riga" ins Rennen: „Let’s get happy" sang so gnadenlos fröhlich wie belanglos die karottenrote Strahlemaus Lou aus Siegels Stall – und verwies damit alle anderen Bewerber auf die Plätze bei der anschließenden Telefonabstimmung. Das Nachsehen hatte auch Comedian Elmar Brand, dessen neuer, doch auch so positiver Kanzlersong „Alles wird gut" auf der Strecke blieb.

Überhaupt war viel von Frieden und „Habt euch alle lieb" die Rede in den Grand-Prix-Songs des wie immer recht namenlosen Teilnehmerfeldes. Das spiegelte neben der Harmonie-Sehnsucht vor allem eines: Deutschland wird wirklich multi-kulti. Am Start waren unter anderem ein Halb-Italiener, eine junge Türkin, ein Pole, eine junge Frau, die einst aus den Kriegswirren Eritreas nach Berlin flüchtete. Und vier, nach eigenem Bekunden „echte Hamburger Jungs", deren dunkle Hautfarbe die Vermutung nahe legt, dass die Hansestadt aus dem hohen Norden ins südliche Afrika abgewandert ist.

Ach, weil wir ja keine anderen Probleme haben, dürfen sich seit diesem Sangeswochenende Dieter Bohlen und Ralph Siegel öffentlich streiten, wer nun Songs kupfert oder wer nun altbacken komponiert.


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