2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 12

23. März - 29. März 2003
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Kommen gute Mädchen wirklich in den Himmel?

Die meisten Frauen wollen sich selbst als gute, brave Mädchen sehen - und auch von den Leuten so gesehen werden. Dafür verzichten sie gerne auf Ausflüge ins sogenannte „Verbotene". Warum aber fällt es Frauen so schwer, etwas vermeintlich Böses zu tun? Etwas Böses, das eigentlich gar nicht so böse ist, sondern das Männer oft als ganz normal empfinden, wenn sie es selbst tun.

Ist es bei Frauen die Angst vor Bestrafung? Ja, ich denke doch, denn die Angst vor Bestrafungen vor dem Übermut sitzt uns im Nacken. Denn, wenn wir schlimm sind, was werden die anderen Menschen über uns denken? Werden sie uns dann noch mögen?

Frauen wagen es leider viel zu selten, deutlich zu sagen was sie empfinden und sie können noch schwieriger das tun, was sie gerne wollen. Sie fühlen sich nämlich sofort schuldig dabei.

Das sind Denkfallen, die Frauen daran hindern, sich selbst zu behaupten und klare Gegenstrategien gegen Feinde, Konkurrenten oder andere Menschen, die ihnen etwas Böses wollen, zu entwickeln. Würden nämlich Frauen ihre Kräfte in Selbstorganisation, Selbstbehauptung und eigene Stabilität einsetzen, könnten sie ihre Chancen auf „echte" Gleichberechtigung wirklich nützen. Sie könnten dann wirklich ihre Persönlichkeit jenen gegenüber stellen, die sie unterdrücken, ausbooten und ausnützen wollen. Sie brauchen dann keine faulen Kompromisse mehr zu schließen und sich selbst „verkaufen" und versklaven.

Selbstbewusste Frauen akzeptieren es ganz gelassen, dass nicht jeder sie mag. Sie sind souverän genug, sich um deren Meinung nicht zu kümmern und diese Menschen auch nicht zu beachten. Ja, die ganz selbstbewussten Frauen nehmen es auch hin ohne sich zu kränken, dass selbst geliebte Menschen ab und zu böse auf sie sind.

Frauen sollten lernen, ihre Beziehungsmuster zu überprüfen und wenn nötig abzulegen. Sie sollten lernen, Denkfallen zu analysieren und vor allen Dingen sollten sie es lernen, die unterwürfige Körpersprache abzulegen.

Selbst Plato sagte schon: „Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, nur einen zum sicheren Misserfolg – es jedem recht machen zu wollen." Frauen sollten diesen Spruch beherzigen und daraus lernen!

Zum Glück gibt es heutzutage sehr viele Frauen, die nicht mehr nur brav sind. Frauen, die im Beruf und in der Gesellschaft „ihren Mann" stehen und es mittlerweile auch lernen, das zuhause zu tun. Trotzdem Vorsicht, denn Frauen haben manchmal einen unrealistisch hohen Anspruch an die eigene Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit und Erfolge, die sie selbst mit einer gewissen Leichtigkeit erzielen, haben für Frauen keinen besonderen Wert.

Frauen sollten es lernen, in Selbsthilfegruppen oder in Seminaren, von einem resigniertem Bravsein zu einem fröhlichen und unbekümmerten Widerstand zu gelangen. Vor allem sollten sie auch lernen den Widerspruch zwischen zielgerichtetem Handeln zum eigenen Nutzen und angemessenem Umgang mit anderen aufheben zu können.

Denn dann können sie sich so verhalten, wie es ein alter Spruch bereits sagt: „Gute Mädchen kommen in den Himmel. Böse kommen überall hin!"


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