2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 12

23. März - 29. März 2003
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Von Nicola Hahn

Die Lage ist hoffnungslos und seit Montag Nacht nimmt man das auch hierzulande richtig ernst. Innerhalb weniger Stunden nach George Bushs „Kriegserklärung" kippte die Stimmung in nackte Angst um. Selbst in den Schwabinger Cafés gab es heute (Dienstag) unter der Boheme, die sonst nur um sich selbst kreist, ein alles beherrschendes Thema: „Was wird dieser Krieg im Irak für Auswirkungen auf Deutschland haben?" Dabei wird nicht nur die Furcht vor möglichen Terroranschlägen diskutiert. Genauso panisch fragt sich alles: Geht es der Wirtschaft endgültig an den Kragen? Obwohl der Börsen-DAX paradoxerweise erstmals seit Wochen nach oben schnellte, begleiten reichlich Hiobsbotschaften das Säbelrasseln der USA.

Aber noch etwas anderes schockiert viele Deutsche an Cowboy Bushs starrem Kriegswillen. Es ist die Tatsache, dass sich die USA tatsächlich einfach über die UNO und den Willen der Völkermehrheit hinwegsetzt. War es ein naiver Irrglaube, dass das Recht des Stärkeren nur noch in der Western-Unterhaltung made in Hollywood gilt? Irgendwie stirbt mit diesem Krieg auch der Glaube an die Werte der US-Demokratie, der Mythos von der Freiheit des Andersdenkenden. Und diese Enttäuschung ist gerade bei der älteren Nachkriegsgeneration, welche die USA bis heute bedingungslos als Befreier hochhielt, extrem groß.

Kündigungsschutz und Tarifpflicht lockern, Arbeitslosengeld kappen, mehr Eigenbeteiligung bei der Krankenkasse, Kommunen entlasten und Betriebsgründungen ohne Meisterbrief – Kanzler Schröder schlachtete in seiner, mit Spannung erwarteten, Regierungserklärung am vergangenen Freitag reichlich heilige SPD-Kühe. Doch der erhoffte Ruck in Richtung Optimismus wollte trotzdem nicht durchs Volk gehen. Denn Überraschungen hielt sie kaum bereit – das meiste war schon Tage vorher durchgesickert und zerpflückt worden.

Auf der weltgrößten Computermesse CeBIT in Hannover, noch vor wenigen Jahren Publikumsmagnet, blieben die Aussteller dagegen fast unter sich. Wohl auch, weil diesem Konjunkturbarometer echte Novitäten fehlten. Mit aufgemotzten Videospielen oder Handy-Gimmiks lassen sich keine Massen bewegen.

Und die Presselandschaft bebte: Die „Süddeutsche Zeitung" erschien am vergangenen Samstag erstmals ohne ihr traditionelles „Streiflicht". Mit der fast leeren Spalte auf Seite eins demonstrierte die Redaktion des Blattes gegen den Beschluss, die populären Regionalseiten für Nordrhein-Westfalen einzustellen und damit 20 Mitarbeiter zu entlassen. Nur eine Sparmaßnahme von vielen in der inzwischen teilweise existenzbedrohten Medienlandschaft – allein in München sind derzeit mehr als 4300 Spezialisten dieser Branche arbeitslos, viele weitere Kündigungen bereits angedroht. Hauptgrund des Debakels: Die Werbeeinnahmen gingen in der Konjunkturflaute drastisch zurück.

Übrigens sei am Rande vermerkt, das der letzte Montag noch zwei andere Topmeldungen bereithielt: Zum einen trat Jürgen Möllemann nach langem Hin-und-Her um sein umstrittenes Flugblatt aus der FDP aus. Unklar ist allerdings noch, ob er auch sein Landtagsmandat in Nordrhein-Westfalen sowie seinen Abgeordnetensitz im Bundestag aufgibt. Denn gewählt ist gewählt: „Mölli" könnte auch parteilos weitermachen, sehr zum Verdruss der Parteispitze.

Außerdem ist der Übernahme-Fight um die insolvente Kirch-Media entschieden: der milliardenschwere US-Produzent („Power Rangers") und gebürtige Ägypter Haim Saban schlug den Bauer Verlag und hat künftig die Mehrheit bei vier TV-Sendern (Sat 1, Pro sieben, Kabel 1 und der Nachrichtenkanal N24) und übernimmt außerdem die Filmrechte von Leo Kirchs ehemaligem Imperium. Da fragt sich mancher bang, ob bald auch in Deutschland nur noch Kommerz die Fernsehwelt regiert.


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