„Es besteht keinerlei Anlass zur Panik!" Mit
beschwörenden Formeln wie dieser ist es noch immer gelungen, eine Hysterie
auszulösen. Und dieses Mal können wir hier die Sorge sogar mit Ihnen in
Thailand teilen: SARS, das hochansteckende Lungenvirus, hat Deutschland
erreicht. Zwar sind erst fünf Fälle bekannt, aber in den Medien breitet
sich das Thema wirklich seuchenhaft aus. Und verdrängt sogar den Krieg im
Irak – zumindest aus den eiligst eingeschobenen Sondersendungen. Wohin man
letzte Woche surfte, den Fernsehschirm füllten Atemmasken tragende Asiaten
– mal in Hongkong, mal in China, mal in Singapur. Dazu natürlich die
unvermeidlichen Experten-Interviews, die erst Horrorszenarien ausmalen, um
dann zu beschwichtigen (siehe oben).
Die ersten Auswirkungen dieses neuen Nachrichten-Overkills
habe ich am eigenen Leib erfahren: Als ich in der U-Bahn aus Versehen einen
leichten Huster losließ, trafen mich – ohne Witz – mehrere kritische
Blicke von um die eigene Gesundheit besorgten Mitfahrern. Danach steckten
sie ihre Nasen noch etwas tiefer in ihre mit SARS-Berichten gefüllten
Zeitungen.
Irgendwo zwischen Krieg und Seuche ging da auch die
Meldung unter, dass im März 4,6 Millionen Deutsche arbeitslos gemeldet
waren. Ein Negativ-Rekord, der Spuren hinterlässt. Sogar TV-Zeitschriften
versuchen inzwischen gehäuft mit Spar-Themen auf ihren Titeln den Abverkauf
anzukurbeln. Von „Die leckersten Menüs für fünf Euro" über „So
haben Sie 200 Euro mehr im Monat" bis zu „Schuldenfrei in sechs
Monaten" reicht die Palette.
Dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, merken vor
allem auch die Gastronomen. Sogar Traditionslokale mussten inzwischen schon
aufgeben – denn gegessen wird vermehrt (und günstiger) zu Hause. Damit
eigener Herd ja nicht zu viel Goldes wert wird, haben sich zumindest die
Wirte der Münchner Innenstadt jetzt zu einer radikalen Rettungsaktion
entschlossen: Sie senken gemeinschaftlich die Preise (die sie mit der Euro-Einführung
seinerzeit auch kräftig angehoben hatten).
Schließlich bekommen sie bei einer guten Einnahmequelle
seit Neuestem Konkurrenz von unerwarteter Seite: Die Discount-Kette Plus
bietet pünktlich zum Saisonstart die „Traumhochzeit" als
All-Inclusive-Paket an. Für 2222 Euro können sparsame Paare mit 20 Gästen
auf einem Schloss ihr Glück besiegeln – Kapelle, Pfarrer, Menü,
Getränke, Blumenschmuck, Musik, Übernachtung und sogar eine Ratgeber für
den Ehevertrag sind inklusive.
Letzteren hätte wohl auch Thomas Helmer brauchen können. Denn der
Fußball-Millionär wird von Ex-Frau Regine auf 7000 Euro Unterhalt pro
Monat verklagt, der angeblich plötzlich veramte Mann will aber nur 3000
Euro zahlen. Doch Helmer ist beileibe nicht der einzige (Ex-)Bayern-München-Star,
mit dessen Geschichten man sich vom tristen Alltag ablenken kann. Auch Olli
Kahn holte nach der Trennung von Frau und Kindern gleich zur nächsten
Schlagzeile aus: Dreimal (!) ließ sich der rasante Keeper auf der Strecke
Innsbruck – München in seinem Ferrari blitzen, und muss nun erst mal auf
seinen Führerschein verzichten. Da wollte auch Lothar Matthäus nicht
länger im Abseits bei Partisan Belgrad stehen, und legte bei Talk-Priester
Reinhold Beckmann eine Generalbeichte ab. Der ganze Streit mit dem FC Bayern
um seinen Anteil der Einnahmen an seinem Abschiedsspiel, die Affäre mit der
17-jährigen Wienerin – alles nur böse Kampagnen gegen ihn. Dafür sei
Lolita inzwischen seine beste Freundin. Achtung, Helmer und Kahn – da
könnt ihr was von „Loddar" lernen.