2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 15

13. April - 19. April 2003
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Von Nicola Hahn

„Es besteht keinerlei Anlass zur Panik!" Mit beschwörenden Formeln wie dieser ist es noch immer gelungen, eine Hysterie auszulösen. Und dieses Mal können wir hier die Sorge sogar mit Ihnen in Thailand teilen: SARS, das hochansteckende Lungenvirus, hat Deutschland erreicht. Zwar sind erst fünf Fälle bekannt, aber in den Medien breitet sich das Thema wirklich seuchenhaft aus. Und verdrängt sogar den Krieg im Irak – zumindest aus den eiligst eingeschobenen Sondersendungen. Wohin man letzte Woche surfte, den Fernsehschirm füllten Atemmasken tragende Asiaten – mal in Hongkong, mal in China, mal in Singapur. Dazu natürlich die unvermeidlichen Experten-Interviews, die erst Horrorszenarien ausmalen, um dann zu beschwichtigen (siehe oben).

Die ersten Auswirkungen dieses neuen Nachrichten-Overkills habe ich am eigenen Leib erfahren: Als ich in der U-Bahn aus Versehen einen leichten Huster losließ, trafen mich – ohne Witz – mehrere kritische Blicke von um die eigene Gesundheit besorgten Mitfahrern. Danach steckten sie ihre Nasen noch etwas tiefer in ihre mit SARS-Berichten gefüllten Zeitungen.

Irgendwo zwischen Krieg und Seuche ging da auch die Meldung unter, dass im März 4,6 Millionen Deutsche arbeitslos gemeldet waren. Ein Negativ-Rekord, der Spuren hinterlässt. Sogar TV-Zeitschriften versuchen inzwischen gehäuft mit Spar-Themen auf ihren Titeln den Abverkauf anzukurbeln. Von „Die leckersten Menüs für fünf Euro" über „So haben Sie 200 Euro mehr im Monat" bis zu „Schuldenfrei in sechs Monaten" reicht die Palette.

Dass das Geld nicht mehr so locker sitzt, merken vor allem auch die Gastronomen. Sogar Traditionslokale mussten inzwischen schon aufgeben – denn gegessen wird vermehrt (und günstiger) zu Hause. Damit eigener Herd ja nicht zu viel Goldes wert wird, haben sich zumindest die Wirte der Münchner Innenstadt jetzt zu einer radikalen Rettungsaktion entschlossen: Sie senken gemeinschaftlich die Preise (die sie mit der Euro-Einführung seinerzeit auch kräftig angehoben hatten).

Schließlich bekommen sie bei einer guten Einnahmequelle seit Neuestem Konkurrenz von unerwarteter Seite: Die Discount-Kette Plus bietet pünktlich zum Saisonstart die „Traumhochzeit" als All-Inclusive-Paket an. Für 2222 Euro können sparsame Paare mit 20 Gästen auf einem Schloss ihr Glück besiegeln – Kapelle, Pfarrer, Menü, Getränke, Blumenschmuck, Musik, Übernachtung und sogar eine Ratgeber für den Ehevertrag sind inklusive.

Letzteren hätte wohl auch Thomas Helmer brauchen können. Denn der Fußball-Millionär wird von Ex-Frau Regine auf 7000 Euro Unterhalt pro Monat verklagt, der angeblich plötzlich veramte Mann will aber nur 3000 Euro zahlen. Doch Helmer ist beileibe nicht der einzige (Ex-)Bayern-München-Star, mit dessen Geschichten man sich vom tristen Alltag ablenken kann. Auch Olli Kahn holte nach der Trennung von Frau und Kindern gleich zur nächsten Schlagzeile aus: Dreimal (!) ließ sich der rasante Keeper auf der Strecke Innsbruck – München in seinem Ferrari blitzen, und muss nun erst mal auf seinen Führerschein verzichten. Da wollte auch Lothar Matthäus nicht länger im Abseits bei Partisan Belgrad stehen, und legte bei Talk-Priester Reinhold Beckmann eine Generalbeichte ab. Der ganze Streit mit dem FC Bayern um seinen Anteil der Einnahmen an seinem Abschiedsspiel, die Affäre mit der 17-jährigen Wienerin – alles nur böse Kampagnen gegen ihn. Dafür sei Lolita inzwischen seine beste Freundin. Achtung, Helmer und Kahn – da könnt ihr was von „Loddar" lernen.


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