2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 16

20. April - 26. April 2003
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Der Traum vom schlanken Körper (Teil 1)

Dietrich Berger

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Alles soll immer seinen gewohnten Gang gehen. Sie können sich nur schwer von ihren eingefahrenen Gewohnheiten lösen und möchten wie gewohnt weiter essen – jedoch am besten abnehmen dabei.

Um das zu erreichen, werden dann diverse Pillen und Wässerchen geschluckt, Pflaster aufgeklebt und was sonst noch so alles auf diesem unerschöpflichen Markt angeboten wird.

Man sollte allerdings eines dabei bedenken, dass diese sogenannten Radikalkuren mit Pillen nicht ohne gesundheitliche Risiken sind. Meist bestehen sie aus appetithemmenden Amphetaminen, die eine sehr starke Reizwirkung auf die Psyche haben. Das heißt in einfachen Worten ausgedrückt: sie machen abhängig. Werden sie dann einmal abgesetzt, dann kann es zu Depressionen kommen, die sogar in manchen Fällen zum Selbstmord führen. Eigentlich ist es erstaunlich, dass in der heutigen Zeit, in der alles so unter der (Gesundheits-) Kontrolle der Regierungen vertrieben wird, solche Wunder-Arzneimittel oder wie man es beschreibt, Nahrungsergänzungsmittel, von den zuständigen Aufsichtsbehörden zugelassen werden können.

Bereits im Jahre 1998 wurde eine Anti-Fett Pille, die heutzutage fast jeder nimmt und die auch in Thailand sehr bekannt ist, von der EU-Zulassungsbehörde akzeptiert – obwohl noch keineswegs der Verdacht ausgeräumt war, dass sie vielleicht das Brustkrebsrisiko erhöhe. Da fragt man sich dann, ob die Lobbyisten die Zulassungsbehörde nur mit schönen Worten überzeugt haben. Bereits ein Jahr nach Erscheinen wurde das Marktpotential weltweit auf cirka eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Wie wirkt diese Anti-Fett Pille überhaupt? Sie wirkt direkt im Darm, wo das mit der Nahrung aufgenommene Fett von bestimmten Enzymen, sogenannten Lipasen, zur leichteren Verwertung aufgespalten wird. Es „stülpt" sich also über diese Enzyme, hindert sie an der Arbeit und rund 30% der Nahrungsfette landen somit im Stuhl anstelle an den Hüften. Allerdings sollte man eine fettreduzierte Diät mit einem Limit von 70 Gramm Fett pro Tag einhalten. Ansonsten kann es wirklich „in die Hose" gehen. Für die Tests vor der Freigabe wurden allerdings nur solche Personen ausgewählt, die auch ohne die Pille zweieinhalb Kilo im Monat abspecken konnten. Die anderen, „normalen" Testpersonen wurden nicht zugelassen, da man sich das Ergebnis „durch undisziplinierte Testpersonen nicht ruinieren" lassen wollte.

Da alle Abführmittel oder Appetitzügler und Schlankheitspülverchen chemische Substanzen enthalten, die für den Körper äußerst schädlich sein können, raten daher pflichtbewusste Ärzte von der Einnahme strengstens ab. Nebenwirkungen wie Darmhautreizungen, krampfartige Leibschmerzen, Herzrasen, Schweizßausbrüche, Nervosität, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, beeinträchtigtes Reaktionsvermögen und Abhängigkeit sind häufig die Begleiterscheinungen solcher Wunderdiäten. Meist zeigen sie aber keine besondere Wirkung, zumindest nicht von langer Dauer und bauen keine überschüssigen Fettdepots ab.

Das alles bestätigt eigentlich nur die Erkenntnis, dass es besser ist, die Finger von all diesen Wunderpillen zu lassen, sei es in Tabletten-, Pulver- oder Flüssigkeitsform. Schlank werden wir nur, wenn wir unser Verhaltensmuster ändern – und dazu unser Unterbewusstsein neu programmieren.

Darüber schreibe ich dann nächste Woche.


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