Liebe Tante Frieda,
Das war ja ein toller Beitrag: „als Deutsche es sich
schon leisten konnten, prächtige Städte zu bombardieren". Du
scheinst vergessen zu haben, wer seit 1945 seine Streitigkeiten mit
anderen Ländern durch Bombenteppiche regelt. Übrigens zur Zeit jeden
Abend live im Fernsehen. Solltest du für Deutschland nichts übrig haben,
beschränke dich bitte auf eure englische Ausgabe.
Gekränkter
Lieber Gekränkter,
nichts für ungut. Natürlich ist mir bekannt, dass
unsere Freunde und Beschützer von der anderen Seite der Erdkugel schon
damals nichts Besseres wussten, als prächtige Städte zu bombardieren und
– im Gegensatz zu den Deutschen – bis heute nicht dazugelernt haben.
Nur dass sie sich jetzt eben weniger starke Gegner und weniger prächtige
Städte aussuchen. Schon seit den Römern beruhigt aber immer wieder der
Gedanke, dass jedes tausendjährige Reich am Beginn seiner Zerstörung
steht, sobald es sich allmächtig glaubt. Und selbst weniger kriegerische
Völker haben nicht immer eine gute Hand bei der Wahl ihrer Regierungen,
deren Aktivismus sich plötzlich wieder nach innen wendet und in
Hexenjagden und Populismus ausartet. Ganz offensichtlich gehören die
Schweizer zu den ganz wenigen Nationen der Welt, die sich die Hände noch
nicht wirklich schmutzig gemacht haben. Denn sie haben verstanden, dass
der Staat mit all seinem Größenwahn und Machbarkeitsstreben eben nicht
die Mutter aller Lösungen ist, sondern der Vater aller Probleme.
Liebe Tante Frieda,
Ich habe sehr gute Freunde hier, ein Ehepaar, das ich
schon seit vielen Jahren kenne. Vor ungefähr zwei Jahren zogen sie nach
Phuket und ich hatte nur noch schriftlich mit ihnen Verbindung. Jetzt habe
ich durch andere Bekannte erfahren, die erst kürzlich dort auf Besuch
waren, dass der Mann sich in eine Frau verwandelt hat. Er hat zwar die
endgültige Operation noch nicht durchgeführt, aber Kehlkopfabschleifung,
Hormoneinspritzungen, Brustvergrößerung und auch die Stimmbänder dehnen
lassen, damit seine Stimme heller wird. Er hat sogar seinen Vornamen in
einen Frauennamen geändert, trägt die Haare länger und zieht sich nur
noch wie eine Frau an – und das bei einer Körpergröße von mindestens
1,95! Ich hatte eigentlich vor, ein paar Tage nach Phuket zu fliegen und
wollte dann auch gleichzeitig meine Bekannten besuchen. Jetzt weiß ich
aber nicht, ob ich das überhaupt tun soll und wenn wie soll ich mich
verhalten? Das ist alles so verwirrend für mich. Kannst du mir einen Rat
geben?
Verwirrte
Liebe Verwirrte,
ich muss schon sagen, hier treffen sich doch
wirklich alle schrägen Vögel. Wenn ich da lese, welchen Aufstand sie
über den armen Daniel aus der deutschen Superstarsuche machen, wundere
ich mich, wie locker hier alles gesehen wird. In Thailand ist eben alles
möglich. Meine selige Großmutter wäre sofort an einem Herzinfarkt
gestorben, wenn ihr jemand so eine Geschichte erzählt hätte. Völlig
unmöglich. Offensichtlich führt die exotische Lebensweise und die
Mischung aus übermäßiger Hitze und vielleicht übermäßigem Konsum
berauschender Substanzen dazu, mal etwas ganz besonderes auszuprobieren.
Immerhin kann man ja im nächsten Leben alle Fehler wieder gut machen und
muss nicht wie in Europa im Fegefeuer schmoren. Nimm also alles ganz
gelassen, besuche deine Bekannten und lass dir von deiner neuen „Freundin"
alle Neuigkeiten haarklein berichten. Wohnen sie noch zusammen? Dann ist
er vielleicht lesbisch, pass also auf. Und wenn du auf den Geschmack
kommst, hier noch ein Rat: Phuket ist bei Japanerinnen besonders als Ort
für Geschlechtsumwandlungen beliebt, diesmal von Frau zu Mann.