2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 16

20. April - 26. April 2003
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Liebe Tante Frieda,

Das war ja ein toller Beitrag: „als Deutsche es sich schon leisten konnten, prächtige Städte zu bombardieren". Du scheinst vergessen zu haben, wer seit 1945 seine Streitigkeiten mit anderen Ländern durch Bombenteppiche regelt. Übrigens zur Zeit jeden Abend live im Fernsehen. Solltest du für Deutschland nichts übrig haben, beschränke dich bitte auf eure englische Ausgabe.

Gekränkter

Lieber Gekränkter,

nichts für ungut. Natürlich ist mir bekannt, dass unsere Freunde und Beschützer von der anderen Seite der Erdkugel schon damals nichts Besseres wussten, als prächtige Städte zu bombardieren und – im Gegensatz zu den Deutschen – bis heute nicht dazugelernt haben. Nur dass sie sich jetzt eben weniger starke Gegner und weniger prächtige Städte aussuchen. Schon seit den Römern beruhigt aber immer wieder der Gedanke, dass jedes tausendjährige Reich am Beginn seiner Zerstörung steht, sobald es sich allmächtig glaubt. Und selbst weniger kriegerische Völker haben nicht immer eine gute Hand bei der Wahl ihrer Regierungen, deren Aktivismus sich plötzlich wieder nach innen wendet und in Hexenjagden und Populismus ausartet. Ganz offensichtlich gehören die Schweizer zu den ganz wenigen Nationen der Welt, die sich die Hände noch nicht wirklich schmutzig gemacht haben. Denn sie haben verstanden, dass der Staat mit all seinem Größenwahn und Machbarkeitsstreben eben nicht die Mutter aller Lösungen ist, sondern der Vater aller Probleme.

Liebe Tante Frieda,

Ich habe sehr gute Freunde hier, ein Ehepaar, das ich schon seit vielen Jahren kenne. Vor ungefähr zwei Jahren zogen sie nach Phuket und ich hatte nur noch schriftlich mit ihnen Verbindung. Jetzt habe ich durch andere Bekannte erfahren, die erst kürzlich dort auf Besuch waren, dass der Mann sich in eine Frau verwandelt hat. Er hat zwar die endgültige Operation noch nicht durchgeführt, aber Kehlkopfabschleifung, Hormoneinspritzungen, Brustvergrößerung und auch die Stimmbänder dehnen lassen, damit seine Stimme heller wird. Er hat sogar seinen Vornamen in einen Frauennamen geändert, trägt die Haare länger und zieht sich nur noch wie eine Frau an – und das bei einer Körpergröße von mindestens 1,95! Ich hatte eigentlich vor, ein paar Tage nach Phuket zu fliegen und wollte dann auch gleichzeitig meine Bekannten besuchen. Jetzt weiß ich aber nicht, ob ich das überhaupt tun soll und wenn wie soll ich mich verhalten? Das ist alles so verwirrend für mich. Kannst du mir einen Rat geben?

Verwirrte

Liebe Verwirrte,

ich muss schon sagen, hier treffen sich doch wirklich alle schrägen Vögel. Wenn ich da lese, welchen Aufstand sie über den armen Daniel aus der deutschen Superstarsuche machen, wundere ich mich, wie locker hier alles gesehen wird. In Thailand ist eben alles möglich. Meine selige Großmutter wäre sofort an einem Herzinfarkt gestorben, wenn ihr jemand so eine Geschichte erzählt hätte. Völlig unmöglich. Offensichtlich führt die exotische Lebensweise und die Mischung aus übermäßiger Hitze und vielleicht übermäßigem Konsum berauschender Substanzen dazu, mal etwas ganz besonderes auszuprobieren. Immerhin kann man ja im nächsten Leben alle Fehler wieder gut machen und muss nicht wie in Europa im Fegefeuer schmoren. Nimm also alles ganz gelassen, besuche deine Bekannten und lass dir von deiner neuen „Freundin" alle Neuigkeiten haarklein berichten. Wohnen sie noch zusammen? Dann ist er vielleicht lesbisch, pass also auf. Und wenn du auf den Geschmack kommst, hier noch ein Rat: Phuket ist bei Japanerinnen besonders als Ort für Geschlechtsumwandlungen beliebt, diesmal von Frau zu Mann.


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