2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 17

27. April - 3. Mai 2003
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Die große Frage: Gibt es den Osterhasen eigentlich?

Max Rommel

Leider hatte ich mit dem Eiersuchen bis heute kein Glück, obwohl ich alle für einen Osterhasen zugängliche Stellen in und um das Haus (besonders im Garten

unter Büschen, im Gras usw.) abgesucht habe.

Ehrlich gesagt habe ich Zweifel: Gibt es eigentlich Osterhasen? Können Hasen Eier legen oder beziehen sie diese von Hühnern? Wer bemalt die Eier? Hasen können doch nur schwerlich einen Pinsel halten.

Trotzdem, mir wurde von meinen Eltern immer berichtet, dass der Osterhase zu Ostern bunte Eier bringt und auch noch andere Geschenke. Zur Beweisführung lege ich eines solcher Osterhasenbilder aus alten Postkarten meiner Vorfahren bei, aber ich muss leider, leider gestehen, dass es mir, trotz aller nur möglichen Versuche und Unternehmungen, bis dato noch nie gelungen ist, einen solchen „Osterhasen" in freier Natur zu erspähen.

Dazu muss ich nun auch noch erwähnen, dass ich glaube, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur mit der Osterhasengeschichte, sondern auch in anderen Dingen von meinen Eltern veräppelt worden zu sein, in dem sie mir weitere an sich unglaubliche Märchen vom „Weihnachtsmann" und dem „Klapperstorch", der angeblich Kinder zu Eltern bringt, die sich ein Kind wünschen, auftischten.

Mir fiel sogar als Kind sofort der falsche Bart vom „Weihnachtsmann" auf und nach meiner

Berechnung der Flügelspannweite und der Tragfähigkeit eines mittleren Storches kam ich zum Schluss, dass ein solcher Storch gar keine 3 bis 4 kg (die so ein Kind wiegt) im Fluge befördern kann. Weitere Indizien, dass die Klapperstorch-Geschichte nicht stimmen kann, trug ich aus Zeitungsberichten zusammen. Nämlich, dass Störche schon im Aussterben begriffen sind und es nur noch wenige Exemplare ihre Gattung gibt. Nach Hinzuziehen eines nicht verwandten und verschwägerten, neutralen Fachmanns, der mich über die enorme

Anzahl der Geburten im Einwohner-Register einer mittleren Großstadt aufklärte (ich verbrachte meine Kindheit in Frankfurt am Main), kam ich noch mehr zu der Überzeugung, dass das alles nicht stimmen kann, da ich nur sehr selten mal einen Storch sah und niemals einen mit einem Kind unter den Flügeln oder gar im Schnabel.

Da ich sehr viele Briefe zu Ostern erhielt, alle mit guten Wünschen für die Feiertage, aber mit den üblichen Wünschen, erfolgreich bei der Eiersuche zu sein, fielen mir wieder diese ganzen unwahren (wie ich heute zu glauben weiß) Geschichten ein und ich dachte daran, dass man möglicherweise viele andere Menschen genau wie mich damals damit veräppelt hat.


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