2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 24

15. Juni - 21. Juni 2003
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In einem Restaurant am Abend

Eine Dame, auf Geschäftsreise, sitzt alleine in einem Restaurant und nimmt ihr Abendessen zu sich. Am Nebentisch sitzt ein Herr und schaut dauernd zu der attraktiven Frau hinüber. Er prostet ihr mit seinem Wein zu. Nach einer Weile schickt er ihr durch den Kellner ein Getränk. Dasselbe, welches sie schon auf dem Tisch stehen hat. Er prostet ihr zu, sie prostet zurück. Er steht auf und fragt, ob er sich zu ihr setzen darf – für eine Minute. Sie sieht ihn an, schätzt ihn ab und denkt sich, dass er ganz passabel aussieht und keinen schlechten Eindruck macht, sie nickt und die beiden beginnen ein Gespräch.

Das Gespräch wird intensiv, sie unterhalten sich über alles Mögliche, finden Gefallen aneinander und erzählen sich gegenseitig Geschichten aus ihrem Leben. Nach einer Weile sieht die Frau auf die Uhr, sagt, dass sie morgen einen frühen Termin hat, und will sich verabschieden. Der Mann fragt, ob er sie ins Hotel bringen darf und nachdem sie kein Auto dabei hat, stimmt sie zu. Beim Hotel angelangt besteht er darauf, sie zum Lift zu bringen und dort möchte er gerne mit rauf in ihr Zimmer. Die Dame weist ihn freundlich, aber bestimmt zurück. Der Mann versteht nicht, warum er nach diesem doch so schönen Abend abgewiesen wird und die Debatte geht einige Zeit hin- und her, da die Dame den Lift nicht besteigen will, aus Furcht, der Mann würde ihr folgen. Nach einiger Zeit, als es dem Mann endlich klar wird, dass er keine Chancen hat, wird er wütend, nennt sie eine „frustrierte, alte Zicke die endlich einmal einen richtigen Mann brauchen würde, der sie ordentlich durchbumst", schleudert ihr noch einige verachtungsvolle Blicke zu und geht endlich.

Diese Geschichte geht auch oft anders an, indem der Mann die Frau dann als miese Lesbe bezeichnet.

Die Frage ist nun, glauben Männer diesen Blödsinn, den sie da verzapfen, wirklich selbst? Oder sagen sie so etwas nur, um ihr verletztes Ego aufzupolieren?

Warum erwarten Männer von einer Frau eigentlich so häufig, dass sie mit ihnen ins Bett springt, nachdem sie sich eben erst kennen gelernt haben und, zugegebenermaßen einen netten Abend zusammen verbracht haben? Dieselben Männer würden das doch auch bei einem männlichen Mitmenschen nicht erwarten, aber vielleicht sehen sie in Frauen immer noch keine Mitmenschen, sondern nur ein Sexobjekt.

Diese Männer tun mir in der Seele leid. Denn sie haben weder Niveau noch allzu viel Gehirnwindungen aufzuweisen, wenn sie so denken und vor allen Dingen so reagieren, wie oben beschrieben. Männer sollten doch nach all diesen Jahren der Gleichberechtigung der Frauen doch endlich auch einsehen lernen, dass diese auch gleichberechtigt sind im Sexualleben. Wenn eine Frau nein sagt, dann bedeutet es dasselbe nein wie bei einem Mann. Und deswegen ist sie noch lange keine alte Schlampe, Lesbe oder was sich die Männer sonst noch für Ausdrücke ausdenken, um ihr eigenes Unvermögen zu vertuschen.


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