2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 34

24. August - 30. August 2003
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Begehrt er mich nicht mehr?

Da dachten wir Frauen doch so oft, dass Männer immer können und ständig wollen. Wenn es dann allerdings nicht klappt, dann sind wir ratlos. Mittlerweile sind es nicht mehr die Frauen, die Sex bisweilen mit einer „Kopfschmerzen" Ausrede verweigern. Die Zahl der Männer, die über Lustlosigkeit klagen, hat sich vervierfacht. Die Dunkelziffer ist vermutlich wesentlich höher, Experten schätzen, dass jeder zweite Mann zeitweilig oder dauerhaft zum Verweigerer wird.

Frauen nehmen es persönlich, wenn es nicht gelingt, ihn und sein bestes Stück in Hochstimmung zu bringen. Dann taucht die bange Frage auf: Liebt er mich noch? Hat er eine andere?

Auch Experten wissen oft keine eindeutigen Antworten. Es kann an vielem liegen: an einer Grippe zum Beispiel. Die Faustregel besagt, dass erst von Impotenz gesprochen wird, wenn Erektionsversuche über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten erfolglos bleiben.

Aber Impotenz ist nur die Spitze des Eisbergs, denn die Lustlosigkeit kennt eine Menge Abstufungen und Ursachen.

Da fällt die Erwartungsfalle genauso darunter wie die Anpassung, Stress, der Belohnungssex, die Wuschelbär-Kastration, das Penis-Paradox und Überreizung.

Die Erwartungsfalle bedeutet, dass Männer beim Sex alles vortäuschen können – bloß keine Erektion. Wenn der Sport interessant ist, dann begehrt er die Frau immer noch, kann aber keine Erektion bekommen, da er abgelenkt ist. Da Frauen dies oft nicht verstehen, kann es bei sensiblen Männern dazu kommen, dass der Gedanke, zu einem bestimmten Zeitpunkt funktionieren zu müssen, eine Erektion verhindert.

Die Anpassung bedeutet häufig, dass ein Mann, der im Haushalt mitmacht, weniger Lust im Bett hat. Unterwürfige Männer haben häufiger Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen, als dominante Männer.

Stress ist ein wahrer Lustkiller. Er blockiert die Produktion von Sexualhormonen und kann selbst den feurigsten Mann erotisch schachmatt setzen. Da Männer dies selten gestehen, entsteht durch diese Vertuschungstaktik ein Schneeballsystem. Sie versetzt ihn in Erwartungsdruck. Dadurch geht am Ende gar nichts mehr.

Der Belohnungs-Sex ist für „normale" Männer auch eine Falle – es sei denn sie sind Sado-Masochisten. Es ist ziemlich lästig, wenn Frauen versuchen, aus dem Sex eine Belohnung zu machen. So wird Sex für ihn zu einer komplizierten Sache.

Die Wuschelbär-Kastration ist, was der Name sagt. Männer kaufen sich nie Unterwäsche mit Teddybären! Es gibt auch selten einen, der darauf besteht: „Mausilein" genannt zu werden. Es ist zwar nett das innere Kind auszuleben, aber ein Mann soll immer wie ein Erwachsener behandelt werden.

Vom Penis-Paradox lassen sich viele Männer beherrschen, indem sie von „ihrem besten Stück" als einer anderen Person reden und erwarte, dass „er" ihnen gehorcht. Besonders für Erfolgsmenschen ist ein „Durchhänger" sehr hart.

Jeder weiß, dass Überreizung zu Völlegefühl führt. Nackte Mädchen überall! Da muss einen Mann doch die Lust mit der Zeit verlassen. Und all die perfekten Körper der Leinwandhelden tragen ebenfalls dazu bei.

Vor 15 Jahren wurden bei einem Orgasmus noch ein Wert von 190 gemessen, heute bringen wir es im Durchschnitt nur noch auf 170. Wenn alles weiterhin so absackt, dann dürften wir das Interesse am Sex bald irgendwann ganz verlieren.


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