2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 36

7. September - 13. September 2003
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Liebe Tante Frieda,

Ich habe eigentlich keinen Kummer oder Sorgen, aber eine Sache macht mich ganz fisselig. Da hat man auf der 2. Road in Pattaya doch vor kurzem die gerade neu gebauten Bürgersteige wieder aufgerissen, um Parkverbotsschilder anzubringen. Von 18-24 Uhr ist das Parken da verboten. Seitdem stehen jedoch immer genau unter diesen Schildern genau vor dem Büro der Touristenpolizei den ganzen Abend lang Autos. Da werden erst die Schilder angebracht und dann hält sich niemand daran. Kannst du mir das erklären, ich werde daraus nicht schlau.
Fußgänger

Lieber Fußgänger,
offensichtlich bist du noch nicht lange in Thailand oder hast dich an die hiesigen Sitten noch nicht gewöhnt. Straßenschilder dienen hier nur zur Dekoration, wusstest du das nicht? Der Verkehr rollt oder steht, mit Schildern hat das nicht viel zu tun. Warum man denn die Schilder überhaupt aufgestellt hat, wird dir als Europäer sicher immer schleierhaft bleiben, aber du musst bedenken, dass der Hersteller dieser Schilder vielleicht gerade eine Absatzkrise durchleiden musste und seine Freunde im Rathaus gebeten hat, ihm einmal unter die Arme zu greifen. Und der Erhalt von Arbeitsplätzen ist ja viel wert, das kennt man auch aus Deutschland. Und erkläre bitte nicht, das sei Verschwendung von Steuergeldern. Dass der Steuerzahler der eigentliche Souverän im Land ist, ist ein ausschließlich westliches Konzept und damit den traditionellen thailändischen Werten ohnehin vollkommen fremd.
Liebe Tante Frieda,
hier in Thailand wird immer gesagt, außer bei den großen Supermärkten und Einkaufszentren solle man immer handeln. Besonders auf dem Markt gehört das Handeln und Feilschen einfach dazu und wenn man es nicht tut, gibt man nicht nur zu viel Geld aus, sondern nimmt dem Verkäufer auch noch die ganze Freude am Geschäft. Wie ist das nun aber mit Dienstleistungen? Wenn ich in den Schönheitssalon gehe und dort zu handeln anfange, wird die Leistung da nicht schlechter? Wenn sie weniger Geld verdienen, könnten sie ja billigere Materialien verwenden oder sich einfach weniger Mühe geben. Ist es denn dann überhaupt gut, bei Dienstleistungen zu feilschen?
Händlerin

Liebe Händlerin,
ich glaube, das Handeln ist eine Frage der Persönlichkeit. Wenn du Angst davor hast, wirst du dadurch nicht nur in Stress geraten sondern läufst auch Gefahr, dir den ganzen Spaß am Einkaufen zu nehmen. Mit verkniffenem Gesicht kannst du vielleicht eine Tasche auf die Hälfte herunterhandeln, aber nach dem Besuch im Schönheitssalon könnte vielleicht auch deine Frisur verbissen aussehen. Ein freundliches Lächeln und ein charmantes Verkaufsgespräch bringen andererseits aber auch die Angestellten viel mehr in Schwung. Es kommt eben immer auf die Situation an. Bei Dienstleistungen ist es sehr ungünstig den Preis ausgehandelt, bevor man das Produkt kennt. Versuch es doch einmal, einen niedrigen Preis anzubieten und weitere Entlohnung zu versprechen, nachdem du dich in Ruhe im Spiegel angeschaut hast. Denn du musst bedenken, wenn du jeden Preis akzeptierst, wirst du als ganz dumme Ausländerin angesehen, die dann auch mit irgendeiner Frisur abgespeist werden kann.


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