„Ich kann diesen Sch…dreck nicht mehr hören…"
Tante Käthe ist geplatzt. Gebannt verfolgte die Nation, wie Rudi Völler in
Reykjavik vom blamablen 0:0 gegen Island mit einem Frontalkonter ablenkte.
Dass diese bösen, bösen Journalisten, inklusive der Ex-Spielerkollegen
Günther Netzer und Franz Beckenbauer, aber auch immer alles kritisieren
müssen Und so ergoss sich der ganze Frust des Rudolf Völler vor den
Live-Kameras über die bayrische Duzmaschine Waldemar Hartmann. Ein bisschen
erinnerte das Ganze an Trappatonis „Flasche leer"-Ansage. Nur dass am
Ende das „Ich habe fertig" fehlte.
Der Konter glückte, denn tags drauf redete niemand mehr
über das 0:0, sondern nur noch über Rudis Sturmangriff. Und der gebeutelte
Trainer bekam auch gleich noch Beifall aus Berlin und München. Kanzler
Schröder und Wahlkämpfer Stoiber bekundeten, da habe ihnen endlich mal
jemand so richtig aus der Seele geredet. Aber mal im Ernst: Dürfen
Journalisten Schmarrn für Gold verkaufen? Oder müssen sie nicht
tatsächlich den Finger in die offenen Wunden legen?! Das sind die Fragen,
über die an Stammtischen derzeit heiß diskutiert wird. Und im Falle
Völler, Fußball und Qualifikation sind sich eigentlich alle einig: Ein
Sieg muss her – am besten über Schottland. Und wehe, wenn das nicht
geklappt hätte …
…dann dürften sich unsere Fußballer ungefähr so warm
anziehen, wie die Basketballer. Die waren ja angetreten, Europameister zu
werden – und dann scheiden sie schon in der Vorrunde aus. Da kann sich
Albatross Dirk Nowitzki noch so sehr nach dem Korb strecken, wenn die Taktik
nicht stimmt. Klar, glatter Trainerfehler. Und weil Trainer Dettmann
Selbstkritik statt Vorwärtsverteidigung übt, muss er nun seinen Hut
nehmen. Da hätte er von Rudi lernen können.
Mal schauen, wann Verkehrsminister Clement der Kragen
platzt. Dessen tolle Idee der LKW-Maut droht sich zum Mega-Flopp
auszuwachsen. Denn die Geräte, die den Standort der Brummis per Satellit
orten sollen, liefern statt präziser Daten nur Mist oder funktionieren gar
nicht. Das fährt die Trucker sauer und auch die Speditionen. So herrscht
dieser Tage ein Chaos auf Deutschlands Straßen, dass sich mal nicht im Stau
äußert.
Im Chaos der Gefühle stecken auch Millionen deutscher
Teenies seit dem Wochenende. Die Fans der Retorten-Girlieb and No Angels
wissen seitdem nicht mehr so genau, wen sie nun anhimmeln sollen. Denn Lucy,
Nadja und ihre Mitstreiterinnen ging der Atem aus. Sie seien nur noch müde
– und wollen keine Superstars mehr sein. Bevor sie auf der Bühne
einschlafen, haben sie sich lieber getrennt. Den Traum vom schnellen Ruhm
kann das warnende Beispiel aber nicht zum platzen bringen. Der Run auf die
Castings der einschlägigen TV-Shows ist ungebrochen. Und der neueste
Auswuchs, der demnächst quotenträchtig über die Bildschirme flimmert,
legt noch eins drauf: Superstars meets Big Brother – der hoffnungsvolle
Sangesnachwuchs wird kurzerhand in eine „Starcamp" eingesperrt und
darf dann auch beim Rachen gurgeln und Duschen beobachtet werden.
Und glauben Sie bloß nicht, Sie wären ganz weit weg von
diesem Wahnsinn: Gerade hat Daniel Küblböck eine zweiwöchige Promo-Tour
durch Thailand angekündigt. Wenn Ihnen ein schrilles Wesen mit schmaler
Brille und braunen Fransen begegnet, der wie ein Quietsche-Entchen spricht:
Lachen Sie ihn nicht aus, lassen Sie sich ein Autogramm geben. Es könnte
der deutsche „Superstar" sein…