2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 39

28. September - 4. October 2003
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Auf die Barrikaden...

Franz Schmid

Man mag es kaum glauben, aber die Thais können fuchsteufelswild werden. Besonders wenn es um angestammte Rechte geht. Die wollen sie behalten, ganz egal, ob es nun andere Menschen behindert oder nicht – denn das Hemd ist ihnen näher als die Jacke. Und das haben viele von uns schon am eigenen Leib verspürt.

Auch der Herr Bürgermeister musste dies vor kurzem verspüren. Zwar nicht ganz am eigenen Leib, aber an seinem Rathaus-Tor. Sie hängten es, unter ihrem rasenden Ansturm, aus den Angeln. Zum Glück war der Bürgermeister anscheinend nicht da und so musste der Noch-Vizebürgermeister Nirat zum Mob raus und versuchen, diesen zu beruhigen.

Es ging um Gerechtigkeit, sagten die vielen Hunderte Straßenhändler, die sich zu der lautstarken Demonstration vor dem Rathaus zusammen gefunden hatten. Sie wollten die neue Regelung über ihre Standorte nicht anerkennen, sagten sie. Denn wozu ist ein Straßenhändler eigentlich da? Doch nicht um mit Straßen zu handeln, sondern um Geschäfte auf der Straße zu machen. Würstchen verkaufen oder gegrillte Hühnerschenkel zum Beispiel. Und die wollen sie nun mal in der touristischen Gegend verkaufen, da sich da ja auch meist die „Betreuerinnen" von hauptsächlich männlichen Touristen aufhalten und diese Fräuleins eben immer wieder hungrig werden und sich an eben diesen Straßenverkäufer-Ständen stärken müssen. Denn sonst würden sie den Stress eben nicht aushalten. Und nachdem Thais immer in Massen oder zumindest in Gruppen auftreten (oder haben Sie schon mal eine Thai alleine gesehen?), können die Straßenhändler eben nicht nur 10 Minuten auf einem Platz verweilen. Nein, das ginge ja nun wirklich nicht! Und schon gar nicht außerhalb den touristischen Zonen in einfachen Nebenstraßen!

Als ich von den neuen Vorschriften hörte, hatte ich eine Vision. Die Vision von befahrbaren Sois, in denen man nicht Schlangenlinien fahren muss, immer darauf bedacht, dass einem niemand unter die Räder kommt. Obwohl das in manchen Gegenden bestimmt nicht auffallen würde, denn da gibt es sehr viele Individuen, die bereits unter die Räder gelangt sind.

Nach kurzer Zeit aber wurde ich unsanft aus dieser Vision, aus diesen Wunschträumen gerissen, denn schon bog ein klingelnder Verkaufskarren mit einem laut seine Waren anpreisenden Verkäufer in die Soi, in der ich mich eben befand – gefolgt von vielen anderen, die sich wie gewohnt auf ihren alten Platz am Gehsteig oder mitten in der Straße hinstellten und ihre Waren feil boten. Hurtig verließ ich, wieder in den gewohnten Schlangenlinien fahrend und fast zum Mörder an harmlosen Touristen werdend, die auch im Zick-Zack-Kurs den Karren ausweichen mussten, den belebten Ort.

Eines wurde mir klar: Gesetze oder Vorschriften sind für die Thais gemacht, damit sie a) unter der geringsten Strafe gebrochen werden können und b) von den Ordnungshütern ganz einfach auch ignoriert werden. Deshalb keine Aufregung, es bleibt sicher alles beim alten. Hoch leben Pattayas Straßenhändler.


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