Rechtspraxis in Thailand
2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 39

28. September - 4. October 2003
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Premprecha Dibbayawan, Rechtsanwalt (MCI, Miami Universität) Verwaltungsratspräsident der swissSiam Gruppe

Gesetzlich zulässig oder nicht - Laster können nicht abgeschafft werden

Mit der Einführung des neuen Glücksspiels mit Wettscheinen vom Regierungs- Lotteriebüro (GLO), in Konkurrenz zur Untergrundlotterie, ist ein neuer Spieltrend ins Leben gerufen worden. Dieses Glücksspiel erlaubt dem Spieler auf die letzten 2 oder 3 Zahlen, der mutmaßlich gezogenen Gewinnzahlen der Landeslotterie, zu wetten. Diese Art von Wetten ist nicht neu, aber erstmals ausgestattet mit dem gesetzlichen Segen.

Die Logik der Regierung hinter dieser Zulassung ist einfach. Im Wissen, dass man jegliche Art von Glücksspielen nicht verhindern respektive abschaffen kann, warum also nicht legalisieren und den Profit in die Staatskasse fließen lassen?

Agenten, berechtigt zum Verkauf dieser Wettscheine, wurden von einer Regierungskommission landesweit ausgewählt. Ihre Qualifikation und Integrität wurde einer genauen und sorgfältigen Prüfung unterzogen. Dies soll sicherstellen, dass die ausgewählten Agenten nicht im „Untergrund" Geschäfte auf eigene Rechnung tätigen werden. Große Anzeigetafeln zieren nun viele „Shophäuser", die ankündigen, dass in dieser Lokalität Wettscheine erhältlich sind, und dass sie gleichzeitig nach interessierten Wieder-Verkäufern von Wettscheinen suchen.

Dieses Geschäft ist, auf Grund der Popularität von jeglicher Art von Glücksspielen, in Thailand eine sichere Wette. Vor allem durch die Tatsache, dass die Regierung dafür bürgt. Wie kann bei einer solchen Ausgangslage etwas schief gehen? Die Legalisierung hilft mit, dass Bestechung und Erpressung eliminiert werden.

Um die Moralisten zu besänftigen hat die Regierung versprochen, ein Teil des Gewinnes den Bedürftigen und für gute Zwecke zukommen zu lassen. Zur Erinnerung: Glücksspiel ist gegen eine der fünf Auffassungen des Buddhismus.

Eine weitere Spielleidenschaft der Thais, speziell von Gymnasiasten und Studenten, betrifft das Wetten im Fußballgeschäft. Den Tageszeitungen ist zu entnehmen, dass viele Spieler durch ihre Spielleidenschaft „Haus und Hof" verloren haben und dadurch die ganze Familie in Not brachten. Es stellt sich daher auch hier die Frage, warum die Regierung nicht auch das Wetten im Fußballgeschäft legalisiert, um so eine bessere Kontrolle ausüben zu können.

Das Tagesgespräch ist zur Zeit der Fall, als ein Polizeioffizier im Auftrag seines Vorgesetzten eine Prostituierte zu verhaften hatte, sich der „Dame" gegenüber aber als Kunde ausgab, ihre „Dienste" beanspruchte und sie anschließend verhaftete. Diese Tat wurde von der Volksmeinung aufs Heftigste kritisiert und verurteilt. Die aufgebrachte Lebedame beklagte sich in der Öffentlichkeit, dass ihr die Polizei die Präsenz eines Anwaltes während ihrer Einvernahme verweigert hätte. Die Polizei widersprach dieser Aussage und machte geltend, dass sie die Prostituierte über ihre Rechte aufgeklärt hätten, diese aber einen Rechtsbeistand ablehnte.

Der Untersuchungsbeamte sollte in diesem Fall der Beihilfe zu einer kriminellen Tat angeklagt werden. Eine „live" Befragung am Fernsehen registrierte 3.610 Anrufe, wovon 87% die Tat des Polizeibeamten verurteilten. Dieses vernichtende Resultat „beflügelte" am Folgetage der Umfrage den Justizminister sowie hochrangige Polizeifunktionäre, die Straftat des besagten Polizeibeamten ebenfalls zu verurteilen.

Dieser Vorfall ruft uns in Erinnerung, dass die Prostitution nicht unterdrückt werden kann. Die Meinung vielerorts ist, die Prostitution zu legalisieren, den Prostitutions- Unterdrückungsakt aufzuheben, den „Fleischmarkt" zu liberalisieren und unter Kontrolle zu bringen. Eine solche Lösung wäre der bessere Weg für die Kontrolle aller Beteiligten, die Kunden und die Prostituierten in bezug auf den Gesundheitsaspekt.

Im weiteren würde damit den Zuhältern und der Korruption durch manche Polizeibeamte ein Ende gesetzt. Prostituierte könnten unter den Arbeitsakt gestellt werden um zu vermeiden, dass die „Lebedamen" ausgenützt werden. Es heißt, dass das Justizministerium ein Referendum in dieser Angelegenheit in Vorbereitung hat.

Die Ansicht vieler Leute, Prostituierte zu verhaften und wie Kriminelle zu behandeln,

ist die falsche Marschrichtung um das Problem zu lösen. Wenig Frauen sind freiwillig bereit solch eine entehrende Tätigkeit auszuüben, leider haben sie aber oftmals keine andere Wahl. Der zur Zeit im Rampenlicht stehende Massagesalonbesitzer sagt aus, dass es der letzte Ausweg für Frauen wäre sich zu prostituieren, aber es wäre eine ehrliche Arbeit.

Am besten ist es jedoch das Übel an den Wurzeln zu packen. Solange Armut, Arbeitslosigkeit und Intoleranz der Grund ist Frauen in den „Fleischmarkt" zu treiben, sollten zuerst diese genannten Grundübel beseitigt werden.

Einer der bekanntesten „Cartoonisten" in Thailand hat in der auflagenstarken Thai Rath Zeitung eine provokative Zeichnung veröffentlicht, in der zwei Berufe miteinander verglichen werden. Der eine Beruf stellt das illegale Untergrund-Lotteriegeschäft dar, das nun das Tageslicht erblickt hat. Der andere Beruf befasst sich mit dem zur Zeit legalen Waffenhandel, der in naher Zukunft zur illegalen Tätigkeit deklariert werden soll, wenn man der Meinung der Regierung folgt, die aussagt, dass Waffenbesitz mehr Schaden als Gutes bewirkt. Die Frage die auf der Zunge brennt ist: „Wo passt die Prostitution in diese Zeichnung?"


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