2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 49

7. Dezember - 13. Dezember 2003
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Der Prellbock

Viele Frauen haben oft das Gefühl, dass sie als Prellbock für die schlechte Laune der anderen Mitmenschen besonders aber des Partner, herhalten müssen. Warum ist das so? Warum immer ich? Diese Fragen stellen sie sich immer wieder.

Meine Freundin Helga erzählte mir des öfteren, dass ihr Mann, immer wenn er über etwas oder auf jemanden wütend ist, seinen Frust und seine Wut an ihr abreagiert. Da ich ihren Mann auch schon seit einiger Zeit kenne, wunderte mich dies, denn in Gesellschaft spielt er immer den Charmeur und hat stets ein Lächeln auf den Lippen oder einen kleinen Witz und ist besonders höflich zu den Damen. Ich sah ihn auch selten wütend, wenn jemand einmal etwas zu ihm sagte, das meiner Meinung nach nicht gerade angenehm war. Nein, nicht Klaus, der hatte sich in der Gewalt und man konnte ihn nicht herausfordern.

Bis eines Tages meine Freundin mit einem blauen Auge daher kam. Auf meine erstaunte Frage, wie das denn passiert ist und ob sie vielleicht die Treppe hinuntergefallen sei, brach sie in Tränen aus und klärte mich über die Sachlage und die Zornesattacken ihres Mannes auf. Daraufhin begann ich ihn mit anderen Augen zu betrachten und plötzlich, bei genaurem Hinsehen fiel mir auf, wie sich seine Halsmuskeln und auch am Kinn verkrampften, wenn jemand etwas sagte, was ihm anscheinend nicht passte. Sein Lächeln wirkte auf mich dann plötzlich verkrampft und auch an den Augen meiner Freundin sah ich die Angst, die in ihr aufkam. Und richtig, gleich am nächsten Tag rief sie mich wieder mit tränenerstickter Stimme an und berichtete, dass er sie gar arg verprügelt hätte. Ohne Grund!

Ich bin sicher, meine Freundin lieferte ihm keinen Grund, dennoch war seine Reaktion, seine Wut auszulassen nicht ohne Grund. Klaus reagierte wie ein Kochtopf, der verschlossen ist, aber auf ständiger Flamme steht. Es dauert eine ganze Zeitlang, bis er zum Kochen kommt, aber wenn dann der Druck zu groß wird, dann explodiert er. Meistens geschieht das bei solchen Menschen zuhause, im Kämmerlein, wo sie niemand sieht und nur der Leidtragende (meist die Ehefrau), es auszubaden hat.

Nachdem ich das einige Male mit sehenden Augen betrachtet hatte, gab ich meiner Freundin den Rat, mit ihrem Mann (in einer guten Stunde) zu sprechen und ihn zu bitten, einen Psychiater aufzusuchen. Denn, Menschen, die nicht sofort auf die Angriffe anderer reagieren, wie auch immer, haben ein Problem. Es sei denn, sie können wirklich alles so gut wegstecken. Nur bei Klaus war dies eben nicht der Fall.

Meine Freundin befolgte meinen Rat, ihr Mann nicht. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer mit ihm und meine Freundin konnte manchmal das Haus tagelang nicht verlassen, da sie so zerschlagen war.

Das Ende vom Lied war, dass sie, nach vielen Jahren der Quälerei endlich den Mut fasste und ihn verließ und ein neues, glückliches Leben begann. Was passierte mit Klaus? Nun, der hat eine neue Frau – und auch die sieht man oft tagelang nicht.


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