2. Jahrgang
Ausgabe Nr. 50

14. Dezember - 20. Dezember 2003
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Gedanken zur stillen Zeit…

Kurt Krieger

So manch ein Farang lebt heute relativ zufrieden im Orient - weit ab von seiner eigenständigen Kultur, in der er aufgewachsen ist.

Er lebt in einem Land, in dem der Sommer das ganze Jahr dauert, in dem die Blumen ewig in Blüte stehen und die Palmen nie ihre Farbe wechseln. Irgendwann aber, fängt er an, das Erwachen der Natur und die blühenden Wiesen ebenso zu vermissen, wie das goldene Herbstlaub und den knirschenden Schnee unter den Füßen.

Wenn man in einem Land lebt, in dessen buddhistische Kultur man sich zwar im Laufe der Zeit hineinzuversetzen vermag, deren Feste aber, zumindest dort, wo ich lebe, zu kommerziellen Spektakeln mit dröhnender Musik entarten, dann sehnt man sich ungemein nach den altherkömmlichen, besinnlichen christlichen Feiertagen, an die wir, durch unsere Kultur gewöhnt sind und denen wir immer noch anhängen. Diese Sehnsucht entwickelt sich bei vielen Menschen gerade rund um das Weihnachtsfest und artet manchmal sogar in argem Heimweh aus. Da kommt sie wieder hoch unsere angeborene Lebensart.

Eine gute Freundin und sehr kluge ältere Dame (Herta Rommel) sagte einmal zu mir: „Das so sein, erkennt man eben erst im anders sein".

Wenn ich in Pattayas Parkgaragen schon im August mit „Alle Jahre wieder" und Stille Nacht, heilige Nacht" berieselt werde und wenn dann in der Adventszeit allerorten die Plastik-Christbäume und „Merry Christmas"- Werbetafeln aufgestellt werden, dann möchte ich die Marketing-Strategen gerne fragen, welche Kundschaft sie damit zu mehr Umsatz animieren wollen. Mir kommt das alles ein wenig komisch vor.

Aber auch im alten Europa gerät, der tiefe Sinn von Festen immer mehr in Vergessenheit. Natürlich alle lieben sie, die Feiertage, man muss nicht arbeiten und trotzdem gibt es Lohn dafür. Auch der Kaufzwang dort wird immer ärger, die Konkurrenz beginnt fast jedes Jahr früher mit dem Werben und der echte Weihnachtsgedanke gerät mehr und mehr in Vergessenheit und heute ist sich kaum noch jemand bewusst, dass unsere ganze abendländische Glaubenskultur an diesem Tag seinen Anfang nahm. Trotzdem ist Weihnachten immer wieder und immer neu faszinierend.

Es ist gerade mal 100 Jahre her, seit Peter Rosegger seine Erzählung schrieb „Als ich Christtagsfreude holen ging". Heute wälzen sich Menschenmengen durch Kaufhäuser, deren Öffnungszeiten verlängert werden müssen, stürzen sich ganze Nationen in der einst besinnlichen Adventszeit wochenlang in Hektik, nur um am heiligen Abend unterm Christbaum wieder zur Besinnung zu kommen.

Die Zeiten ändern sich und wir Menschen ändern uns! Hier und dort. Und wir verändern dadurch auch unsere Jahrhunderte alten Feste und Traditionen. Leider aber bemerken wir Menschen dabei nicht, dass wir damit langsam unsere Kulturen verlieren – hier und dort!


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