Einfach tierisch
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 6

8. Februar - 14. Februar 2004
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Einfach tierisch: Die Zeichensprache der Pferde

Willi Netzer erzählt über Pferde

Ich nehme an, wohl jeder Laie weiß, was es bedeutet, wenn ein Pferd die Ohren anlegt. Dies ist unmissverständlich ein Signal der Aggression, entstanden aus der Notwendigkeit, sich vor Verletzungen zu schützen.

Ein Pferd mit angelegten Ohren ist für einen Kampf vorbereitet. Folglich, über den Zeitraum der Evolution hinaus, lohnte es sich für ein Pferd nach angelegten Ohren Ausschau zu halten, falls es interessiert daran war, Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Die Tatsache, dass die Empfänger dieser Signale anfingen, diesem Signal Beachtung zu schenken, brachte die Sender derselben dazu, dieses Signal bis zur Drohung hin anzuwenden.

Pferde benützen eine ganze Palette solcher visueller Signale für viele wichtige Funktionen sozialer Kommunikation. Die Entwicklung dieser Gesten ist tatsächlich oft einfach zu erklären.

„Die Ohren sprechen".

Ein Schwingen des Kopfes mit offenem Maul und entblößten Zähnen ist die Vorstufe zu einem Biss, ein erhobenes Bein die Vorstufe zu einem Schlag. Diese Gesten hatten sich im Laufe der Entwicklung ritualisiert, weil ihre Aussagen in unmissverständlicher Weise zu einer tatsächlichen aggressiven Aktion stehen.

Eine weitere Variation visuellen Ausdrucks bei einem Pferd und auch manch anderer Tiergattungen entwickelte sich aus der Größenwahrnehmung und in unserem integrierten Verständnis daraus, dass größere Dinge beeindruckender wirken als kleinere. Ein Hund richtet sich zur Drohgebärde auf, oder gibt klein bei, im wahrsten Sinne des Wortes.

Um auf den Punkt zu kommen, der Hund stellt sich nicht vor, größer auszusehen, wenn er sich aufrichtet. Der Punkt liegt viel eher darin, dass über dem Zeitraum der Evolution diese Gesten instinktiv gemacht wurden, ganz einfach, weil sie Wirkung zeigten.

Irgendwann einmal hatten sie ein anderes Tier dazu veranlasst zu denken, es handle sich um ein größeres gefährliches Tier oder ein kleines harmloses und dementsprechend war das Verhalten. In der Tat täuschen diese Signale heutzutage niemanden, aber das ist ja auch nicht wichtig. Es ist im Interesse des Senders und des Empfängers, so zu tun, als ob diese Signale ein Zeichen der Größe wären, da sie ein direktes Maß am tatsächlichen Vorhaben wiederspiegeln.

Bei den Pferden sieht man diese „Größengeste" nicht all zu deutlich. Sie ist aber auch vorhanden. Ein imponierender Hengst „macht einen Kragen", er richtet seinen Hals auf und hinten den Schwanz auch noch. Ein mickriges Pferd lässt den Kopf hängen und zieht den Schwanz ein.


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