Im Dezember 1885 gab die thailändische Regierung die
Erlaubnis, dass Frankreich ein Vizekonsulat in der laotischen Stadt Luang
Prabang einrichtete. Diese Vereinbarung zwischen Frankreich und Thailand
anerkannte stillschweigend die spätere Oberhoheit über Laos.
Als im Februar 1887 der französische Vizekonsul Auguste
Pavie in Luang Prabang eintraf, ging er sofort daran, die Laoten davon zu
überzeugen, dass ein französisches Protektorat für sie von Vorteil wäre, da
sie sich dadurch der thailändischen Oberherrschaft entziehen könnten.
Im Juni 1887 nahmen abtrünnige Streitkräfte,
zusammengesetzt aus chinesischen Banditen und lokalen Stammesführern, Luang
Prabang ein und besetzten die Stadt. Das Stadtoberhaupt entkam nur knapp mit
seinem Leben. Der Vorfall bewies, es einen Opportunisten wie Pavie brauchte, um
weitere Hilfe aus Frankreich anzufordern.
Frankreich erklärte Thailand, dass, wenn es Laos nicht
beschützen könnte, es eben Frankreich tun würde. Als im Jahre 1889 die
Unruhen weiter anhielten, verkündete Frankreich die Annexion der Gegend
zwischen Xieng-Khouang und dem „Black River" Tal.
Im Jahre 1892 hatten sich die Beziehungen zwischen Frankreich
und Thailand bedenklich verschlimmert. Im September des selben Jahres wiesen die
thailändischen Behörden zwei französische Kaufleute aus Laos aus. Die
Händler wurden beschuldigt, im Opiumhandel tätig zu sein. Die französische
Regierung warf Thailand jedoch vor, dass es französische Staatsbürger grundlos
ausweise.
Im März 1893 kam eine Krise, welche die Unabhängigkeit
Thailands bedrohte. Auguste Pavie, der als französischer Gesandter in Bangkok
wirkte, informierte die thailändische Regierung über das Vorhaben Frankreichs,
seinen Anteil an allen Gebieten östlich des Mekong Flusses zu beanspruchen.
Dies schloss auch den Vasallenstaat Laos ein. Die thailändische Regierung
protestierte in schärfster Weise.
Thailändische Truppen widerstanden im April einem Versuch
von drei französischen Militärkolonnen die Kontrolle über Laos zu
übernehmen. Dies führte zum Tode eines französischen Armeeoffiziers und
Frankreich nahm dies als Vorwand sich dieser Angelegenheit verstärkt
zuzuwenden.
Am 15. Juli kämpften sich französische Kriegsschiffe hinter
die Festung „Paknam" an der Mündung des Chao Phrya Flusses vor und
ankerten vor Bangkok. Dabei wurden drei französische Matrosen getötet. Auf
thailändischer Seite verloren 25 Menschen ihr Leben. Frankreich schickte eine
diplomatische Note an die thailändische Regierung, in der sie eine Reihe von
Forderungen in Einzelheiten erläuterte.
Dieses Vorgehen führte jedoch zu einer heftigen verbalen
Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Großbritannien. Beide Länder waren
jedoch nicht bereit, einen Krieg wegen der Unabhängigkeit Thailands zu
riskieren, trotz der stillschweigenden Unterstützung Deutschlands.
Statt dessen empfahl Großbritannien der thailändischen
Regierung auf die französischen Forderungen einzugehen, um einen umfassenden
Konflikt zu vermeiden.
Frankreich stimmte am 31. Juli zu, Thailand als unabhängigen
Pufferstaat zwischen Französisch Indochina und Britisch Burma zu erhalten.
Thailand wurde gezwungen, einen großen Teil von Laos aufzugeben und einige
östliche Provinzen zu verlassen, die vorher zu Kambodscha gehörten. Thailand
zahlte auch an Frankreich eine Wiedergutmachung von drei Millionen Franc.
Drei Tage später wurde die französische Blockade Bangkoks
aufgehoben und am 3. Oktober wurde von Thailand ein Abkommen unterzeichnet, das
Frankreichs Protektorat über Laos offiziell anerkannte. Die Franzosen besetzten
den Hafen von Chantaboun, um sicher zu gehen, dass die Vertragsbestimmungen
eingehalten werden.
Am 4. Dezember wurde ein englisch-französisches Abkommen unterzeichnet, das
die thailändische Unabhängigkeit garantierte.