Einfach tierisch
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 18

2. Mai - 8. Mai 2004
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Reiten für Anfänger

Teil 4: Der Schritt

Willi Netzer erzählt über Pferde

Der Schritt ist der am leichtesten auszusitzende Bewegungsablauf des Pferdes. Seine Bedeutung darf aber nicht unterschätzt werden. Das fachmännische Auge kann am Schritt sofort erkennen, was wirklich dran ist an Pferd und Reiter.

Manche Pferde haben einen eilenden Schritt, sie laufen regelrecht unter dem Reiter davon, sind aber leichter zu korrigieren als launische Pferde ohne Schwung und mangelhafte Schrittlänge. Wie ein Reiter jetzt auf solche Pferde korrigierend einwirkt, falls überhaupt, verrät schon von vornherein seine reiterlichen Kenntnisse und Fähigkeiten.

Dies ist jetzt für den Anfänger noch nicht so vorrangig. Seine Problematik ist wohl mehr, sein Pferd so schnell wie möglich einschätzen zu lernen. Was macht das Pferd, wenn?

Es gibt im reiterlichen Sprachgebrauch ein wichtiges Wort, das „Hilfe" genannt wird. Eine Hilfe ist eine Einwirkung des Reiters auf das Pferd mit seinem Schenkel, der Hand oder auch eine Gewichtsverlagerung bzw. Anspannen seines Kreuzes, im weiteren Sinne, Reitgerte und Stimme.

Gesetzt den Fall, das Pferd steht und der Reiter will es im Schritt anreiten, muss er jetzt mit einer oder mehreren vorwärtstreibenden Hilfen eingreifen. Die landläufig bekannteste Hilfe ist ein mehr oder weniger starkes Hämmern in den Bauch des Pferdes, ähnlich einem Sporenstich. Dies ist allerdings nicht die edelste aller Hilfen und der wirkliche Experte würde das Pferd gekonnt mit anliegendem Schenkel und angespanntem Kreuz in Bewegung bringen.

Das Pferd hat jetzt verstanden und bewegt sich vorwärts. Um diese Vorwärtsbewegung unter Kontrolle zu bekommen, hat der Reiter die sogenannten Zügelhilfen zur Verfügung, mit denen er im Einklang mit den vorwärtstreibenden Hilfen das Pferd in jeder Weise manipulieren kann.

Hat der neue Reiter jetzt zum Beispiel ein eilendes Pferd zum Vorwärtsgehen gebracht, so wird dieses nur kurz, wenn überhaupt, im Schritt bleiben. Er muss also gleichzeitig eine annehmende und falls notwendig eine durchhaltende Zügelhilfe anwenden. Hat er jetzt ein Pferd, das nicht richtig vorwärtsgehen will, muss er verstärkt vorwärtstreibende Hilfen einsetzen. Er muss dabei verhindern, dass er das Pferd nicht mit einem ewig klopfenden Schenkel noch mehr abstumpft. Oft hilft hier eine Sitzkorrektur oder einfach ein bisschen mehr Übung. Falls dies auch nicht hilft, dann wirkt ein korrekt ausgeführter Schlag mit der Gerte, direkt hinter dem vorwärtstreibenden Schenkel, oft Wunder.


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