Geschichtliche Streiflichter
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 18

2. Mai - 8. Mai 2004
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Die laotische Invasion Thailands

Teil 4: Die Konsequenzen der laotischen Invasion

Duncan Stearn

Als König Rama III, der noch als Thronerbe Chao Anu begünstigt und vertraut hatte, davon erfuhr, dass Vientiane immer noch stand, sandte er Pya Bodin in die Stadt zurück mit dem Befehl alles dem Erdboden gleich zu machen und nur die Klöster stehen zu lassen.

Als sich jedoch im Juli 1828 eine thailändische Vorhut Vientiane näherte, war Chao Anu ebenfalls in Begleitung einer starken Truppe laotischer Soldaten auf dem Weg zurück in seine ehemalige Hauptstadt.

Anu Chao täuschte vor sich den Thais zu unterwerfen, aber dann wandte er sich heimtückischer Weise gegen sie. Nur etwa 40 von den 300 Soldaten gelang es zu entkommen.

Die laotische Armee rückte daraufhin vor, um die thailändische Haupttruppe unter Führung von Pya Bodin anzugreifen, wurde aber in einer Schlacht bei Bokvarn besiegt. Chao Anu floh wiederum aus Vientiane und im Oktober 1828 zerstörte die thailändische Armee die gesamte Stadt. Die Bevölkerung wurde in die Gegend von Saraburi und Lopburi deportiert. Die thailändische Armee führte die Zerstörung von Vientiane so gründlich durch, das die Stadt für die nächsten 40 Jahre wirklich eine Geisterstadt blieb.

Chao Anu floh in die Provinz Xieng Khouang, wurde aber vom dortigen Herrscher an Thailand überstellt. Chao Anu und seine Familie wurden nach Bangkok gebracht, in eiserne Käfige gesperrt und jeden Tag in der Stadt umhergefahren. Nach sieben Tagen Folterung und Demütigung starb der 62-jährige Chao Anu und sein Leichnam wurde gepfählt und öffentlich ausgestellt.

Thailand gliederte die Provinz Vientiane seinem Reich an, aber der Krieg hatte weitreichende Folgen. Der vietnamesische Kaiser, der noch bis vor kurzem Tributleistungen von Vientiane erhalten hatte, betrachtete die Provinz immer noch als Vasallenstaat Vietnams. In der Tat hatte Chao Anu versprochen, sich Vietnam zu unterwerfen sowie die Abgabe bestimmter östlicher Gebiete und Tributleistungen in Gold und Silber, als er sich zum Kriegszug gegen Thailand entschied.

1832 rückten vietnamesische Truppen vor, um die kleine Provinz Xieng Khouang zu besetzen und dabei richteten sie auch eine Präsenz in Laos ein, die nur ein paar Jahrzehnte später von Frankreich ausgenutzt wurde, nachdem es die Kontrolle über Vietnam gewann.

Die Ansichten der thailändischen und laotischen Geschichtsschreiber gehen weit auseinander, wenn es um eines der bittersten Geschehnisse in der Geschichte beider Länder geht. Aus laotischer Sicht ist Chao Anu ein Kriegsheld und ein Mann, der als Führer der Unabhängigkeitsbewegung gilt. Aus thailändischer Sicht ist er nichts weiter als ein waghalsiger Aufrührer.

Nach dem Anschluss Vientianes wurde Laos als ein Teil der nordöstlichen Region Thailands verwaltet. Die Herrscher von Champassak und Luang Prabang behielten ihre Befugnisse, aber mussten regelmäßig Abgaben nach Bangkok entrichten. Ihre Ernennung und die ihrer Nachfolger wurden durch Thailand bestätigt bis Frankreich im Jahre 1893 ein Protektorat über Laos einrichtete.


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