Teil 1: Die
frühen Jahre: 1914-1937
Die sportlichen Erfolge von Prinz Birabongse Bhanutej
Bhanubandh, oder besser bekannt unter dem Namen Prinz Bira, haben dazu geführt,
dass viele Experten diesen Enkel König Mongkuts (Rama IV), als einen der
größten Sportler Thailands einstufen.
Wenn man die Bandbreite seiner Aktivitäten zu Lande, zu See
und in der Luft von 1936 bis 1978 betrachtet, so ist es wohl kaum verwunderlich,
wie er zu seinem Titel „der größte Sportsmann" kam.
Prinz Bira wurde am 15. Juli 1914 in Bangkok als dritter Sohn
seiner Königlichen Hoheit Prinz Bhanurangsri Bhanubandh geboren. Im Alter von
13 Jahren wurde er im Jahre 1927 nach England auf die wohl berühmteste
öffentliche Schule, das Eton College, geschickt. Hier geschah es auch, dass
sein Name auf „Prinz Bira" verkürzt wurde. Dies tat eine Lehrerin, die
weder den Namen des Prinzen aussprechen noch buchstabieren konnte. Sie sprach
ihn einfach mit „Prinz Bira" an.
Die Revolution von 1932 beendete die absolute Monarchie in
Thailand, führte dann 1935 zum Rücktritt von König Prajadhipok (Rama VII,
Onkel des Prinzen), hatte aber keinen wirklichen Auswirkungen auf den Prinzen.
Er verblieb weiterhin in England und setzte seine Studien an der Universität
von Cambridge fort.
Prinz Bira war nicht nur ein eifriger Sportler, sondern auch
ein Mann der Kultur und studierte Bildhauerei in London. Sein Cousin machte ihn
mit dem Motorsport bekannt.
Prinz Biras Cousin, der 27-jährige Prinz Chula Chakrabongse,
war der Leiter einer Rennmannschaft, die sich „White Mouse Racing"
nannte. Prinz Bira entschloss sich, es einmal zu versuchen einen Rennwagen zu
steuern. Er stellte sich als Naturtalent heraus.
Der damals 20-jährige Prinz traf 1934 ein 17-jähriges
englisches Mädchen mit dem Namen Cheryl Heycock und verliebte sich in sie.
Cheryl schrieb später: „Ich fand ihn unglaublich gut aussehend; er war so
schön proportioniert mit seiner schlanken Taille und Hüfte, breiten Schultern
und so kräftigen Armen und Beinen. Er hatte eine glatte, blassgoldene Haut und
sein schwarzes Haar glänzte." Drei Wochen, nachdem sie sich kennen gelernt
hatten, hielt Prinz Bira um ihre Hand an.
Der Freundes- und Bekanntenkreis des Paares reichte von
Mitgliedern der thailändischen und britischen Königsfamilie bis zu Leuten wie
Noel Coward (der berühmte Dramatiker, Komponist und Schauspieler). Aber auch
der Beamte des Außenministeriums Guy Burgess, der sich später in die
Sowjetunion absetzte, und der Kunsthistoriker Anthony Blunt, der 1979 als der
„vierte Mann" in einem sowjetischen Spionagering entlarvt wurde,
gehörten dazu.
1936 kaufte die Rennsportmannschaft „Weiße Maus" dem Prinzen Bira
einen englischen Rennwagen (ERA) zu dessen 21. Geburtstag. Sein erstes Rennen
war in Dieppe in Frankreich, das er mit einem respektablen zweiten Platz
beendete. Sein erster wichtiger Sieg war die „Brooklands International
Trophy" von 1936. Ebenso gewann er den Coup de Prince Rainier in Monte
Carlo. Im Mai 1937 gewann er das erste Rennen, welches auf dem neuen Malcolm
Campbell Rundkurs durchgeführt wurde. Campbell hatte gerade einmal zwei Jahre
zuvor in seinem Wagen „Bluebird" einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord
aufgestellt.