Einfach tierisch
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 32

8. August - 14. August 2004
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Brieftauben

Willi Netzer erzählt über Tiere

Teil 2

Diese Artikelserie ist in erster Linie für die hier ansässigen Rentner gedacht. Beim Taubenrennen spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Anders gesagt, wer am meisten Zeit hat, seine Lieblinge zu beobachten und sie richtig einschätzen kann, weiß wen er beim nächsten Rennen einsetzen wird. Er weiß, welche Taube er mit welchen Methoden motivieren kann, um mit der schnellsten Zeit im Rennen heim zu fliegen.

Der Taubenliebhaber wird in dieser Weise zum Trainer oder zum Coach, wie man neuerdings sagt. Er hat so quasi seine eigene Mannschaft, die er regelrecht aufbaut. Er kennt jeden einzelnen Spieler, seine Fähigkeiten, seine Leistungskurve. Er weiß, wo und wann er ihn gezielt einsetzen kann. Die Leistungskurve oder auch Form spielt dabei die allerwichtigste Rolle. Die Geheimnisse der Form sind der Schlüssel zum Erfolg.

Bevor ich aber irgendwelche Geheimnisse preisgebe, werde ich erst einmal versuchen zu erklären, worum es bei den Taubenrennen überhaupt geht. Ganz grob gesehen, werden Tauben, die in einem gewissen Umkreis von Taubenspielern in Taubenschlägen gehalten werden, gemeinsam, also gleichzeitig an einem bestimmten Ort, dem Auflassort, aufgelassen. Die Tauben waren im Idealfall vorher auf diesen Heimflug vorbereitet worden und die Taube mit der höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit mit der sie nachhause fliegt, gewinnt die Trophäe.

Zur korrekten Ermittlung der Geschwindigkeit sind eine Konstatieruhr, ein nicht entfernbarer Identifikationsring mit einer Nummer, die es nur einmal gibt und einem abnehmbaren nummerierten Gummiring versehen. Bei der Ankunft der Taube auf ihrem Schlag, nimmt der Taubenspieler den Gummiring ab. Steckt ihn in ein Loch in die Uhr und dreht an der Uhr, wobei der Ring nach innen verschwindet und gleichzeitig die Uhrzeit auf einer Papierrolle konstatiert wird.

Neuerdings haben die Tauben noch einen Plastikring mit eingeschweißtem Elektronikchip am Bein und die Daten werden bei der Ankunft elektronisch erfasst. Hier in unserem Taubenverein spielen wir noch mit den alten Uhren. Die Spannung bleibt dabei über mehrere Stunden oder Tage erhalten, auch wird der eventuelle Sieger erst nach umständlicher Rechenarbeit im Vereinslokal ermittelt. Der Umstand, dass der Wettstreit nicht nur um den Erstplatzierte geht, erhöht natürlich den ganzen Spaß. Das hiesige Lieblingsspiel geht um den Letztplatzierten der ersten 10 Prozent der aufgelassenen Tauben, das heißt, wenn ein Taubenspieler zwei oder mehr Tauben in gewinnverdächtiger Zeit in den Schlag bekommt, wird er erst nur eine konstatieren und die weiteren zu dem Zeitpunkt konstatieren zu dem er denkt, das eine davon die Letzte der ersten 10 Prozent sein könnte.

Im Klartext heißt dies, der Spieler muss so genau wie möglich wissen, wer wie viele Tauben schon eingedreht hatte. Er ist also laufend am telefonieren und muss sich entscheiden wie viel von der erhaltenen Information der Wahrheit entspricht.


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