Einfach tierisch
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 39

26. September - 2. Oktober 2004
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Brieftauben in Pattaya

Willi Netzer erzählt über Tiere

Teil 4

Am vergangenen Wochenende hätte eigentlich unser erstes Rennen stattgefunden. Es kam am Samstag allerdings eine Sturmwarnung dazwischen und das Rennen wurde abgesagt. Ich war dabei wohl der am meisten Enttäuschte. Eine Gruppe von Taubenfreunden, die hier ihren Urlaub verbrachten, hatten sich zum Zuschauen angesagt, darunter auch bekannte Namen wie Herbert Stickelbroeck sowie Herbert Guder, der beim Verband Oberhausen Zentral fliegt und mit seinen Schellenstauben schon im zweiten Jahr alles niedermachte. Er hatte mir voriges Jahr vier junge Tauben mitgebracht und drei von deren Nachkommen waren bei jedem Vorflug die Ersten im Schlag.

Das ist meine Nummer 922.

Abgesehen von den Schellens habe ich noch Meulemans Tauben, alle in der rostroten Farbe. Eine davon ist ein Urenkel des berühmten Kadet, der über den Taubenhändler Gerhardt Schlepphorst nach Thailand kam.

Dies sind meine Tauben für die Kurz- bis Mittelstrecken. Für die weiten Strecken, die bei uns bis 830 Kilometer gehen, habe ich Barcelonatauben, wie die bekannten Van der Wegen- und Wijnakertauben. Wenn alle anderen ausbleiben, diese Tauben kommen zurück. Kreuzt man jetzt diese Marathontauben mit den vorher erwähnten, dann sind welche dabei, die oft eher etwas klein rauskommen, aber absolut schnell und verlässlich fliegen.

Mir ans Herz gewachsen ist davon eine Täubin, die sich im ersten Jahr während der Reisezeit mit einem Virus infizierte. Das Virus hatte zeitweise ihr Nervensystem beeinflusst und sie hielt dadurch für zwei Monate ihren Kopf schief. Da sie ansonsten körperlich fit war, schickte ich sie nach einiger Zeit wieder mit und sie flog wenigstens drei Rennen mit schiefer Kopfhaltung. Beim letzten Rennen von Mae Sai, über 830 Kilometer, kam sie dann als zweite im Verein, gemeinsam mit der Drittplatzierten und 20 Minuten hinter der Ersten, die alle aus meinem Schlag waren.

Diese Taube ist für mich ein Phänomen. Sie hat seit ihrer Krankheit auch eine längliche, sehr asiatisch aussehende Pupille und man kann sie mit vollem Recht als eingebürgert bezeichnen. Diese Taube ist ein typisches Kreuzungsprodukt aus Kurz- und Langstreckentaube, und ich hatte sie in diesem Jahr mit einem Schellensvogel gepaart.

Das Resultat sind ein kleines und ein großes Männchen, beide in dunkelrot gehämmerter Farbe (gehämmert heißt, dass die Farbe des Flügels zwei Farbnuancen hat). Der kleinere davon scheint nach der Mutter zu schlagen, zumindest im Aussehen und in seiner Zuverlässigkeit. Seine Schnelligkeit dürfte eher von seinem Schellensvater kommen. Dieser Vogel hat die Endnummer 922, er heißt damit 922. Mal sehen, ob er die Familientradition weiterführen kann.


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