3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 43

24. Oktober - 30. Oktober 2004
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Schlankheits- und Jugendwahn

Franz Schmid

Der Schlankheits- und Jugendwahn geht allerorten um. Viele Menschen fürchten sich davor, dick und älter zu werden. Ein Großteil der Gesellschaft akzeptiert nur junge und hübsche Menschen. Wieso sieht man auf Titelseiten von Zeitungen und Zeitschriften fast nur die superschlanken Models? Warum werden in Werbeanzeigen für Diäten Superpüppchen abgebildet, die es eigentlich gar nicht nötig haben abzunehmen?

Die 50-jährige Schauspielerin Kim Basinger beklagte sich laut bei der „Welt am Sonntag", sie könne kaum noch zählen, wie oft ihr gesagt worden sei, sie sei zu alt für eine Rolle.

Frauen und junge Mädchen haben feste Vorstellungen ihrer Traumfigur. Hollywood setzt die Maßstäbe: schlanke Beine, fester Po und schmale Taille.

Gesucht sind Mädchen mit einer Topfigur und Jungen mit einem Waschbrettbauch. Viele Menschen, die diese überzogenen Idealvorstellungen nicht erreichen, entwickeln Schuldgefühle. Vor allen Dingen Jugendliche haben Angst vor dem Dickwerden. In Deutschland ist bereits jedes hunderste Mädchen im Alter zwischen 14 und 22 Jahren magersüchtig. Sie halten sich für dick, obwohl sie an Untergewicht leiden.

Die Mehrzahl der Menschen macht ein Blick in den Spiegel mit der Wahrheit bekannt. Die meisten haben kleine Speckfältchen, manche gar die sogenannten „Rettungsringe". Wer hat nicht schon einmal eine Diät versucht? Während auf die Folgen von Übergewicht in Gesundheitsmagazinen und lautstarken Kampagnen hingewiesen wird, machen sich die wenigstens über die Folgen von Untergewicht Sorgen. Die meisten Diäten und Wunderkuren funktionieren sowieso nicht und sind nur darauf angelegt, den Leuten mit einem schlechten Gewissen wegen ihres Übergewichts das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Das überzogene Schönheitsideal treibt die seltsamsten Blüten. So mancher Personalchef, vielleicht selbst ein Opfer des Schlankheits- und Jugendwahns, wählt die Bewerber dem Aussehen nach aus und nicht nach Qualifikation. In Thailand ist das besonders häufig zu beobachten, vor allem in Firmen, die viel Publikumsverkehr haben. Qualifizierte, dem Ideal nicht entsprechende Fachkräfte führen oft ein Dasein als Mauerblümchen, während das toll aussehende Püppchen in den Vordergrund gerückt wird.

Der Schönheits- und Jugendwahn greift also nun auch auf die Arbeitswelt über und beschränkt sich nicht mehr auf die Unterhaltungsbranche. Laut Berichten thailändischer Medien wollen einige inländische Golfplätze ihren Mitarbeiterinnen vorschreiben, welches Gewicht und welche Körpergröße (!) diese haben müssen. Eine Überschreitung dieser Vorgaben wird als Verstoß gegen die Arbeitsordnung geahndet und kann eine Verminderung des Gehalts oder gar Entlassung nach sich ziehen. Wo sind wir mit solchen Maßnahmen denn nun hingeraten? Die Golfer sollen also von jungen, hübschen Mädchen ohne Erfahrung ihre Schläger gereicht bekommen. Wollen diese das wirklich? Anstatt sich auf den Golfball zu konzentrieren, soll das Augenmerk auf andere Bällchen gerichtet werden?

Das normale Leben ist nicht so, wie es die selbst ernannten Richter über Schönheit und Körperkult in Hollywood festgelegt haben. Es waren immer Männer, die das Schönheitsideal festgelegt haben, in der Jungsteinzeit und einigen orientalischen Ländern ist und war es anders, Körperfülle hieß und heißt hier die Devise.

Auf die Betrachtungsweise kommt es in jedem Falle an: Ein dicker Mann aus Preußen wird in Bayern „Fette S..." genannt, ein dicker Mann aus Bayern ist dort hingegen ein „g’standnes Mannsbild".


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