Geschichtliche Streiflichter
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 46

14. November - 20. November 2004
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Das eiserne Ross in Thailand

Duncan Stearn

Teil 2: 1889-1896

Die thailändische Regierung verweigerte, verzögerte oder machte es für Großbritannien unmöglich, Genehmigungen zu erhalten, die zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Thailand und Moulmein (heute Butterworth) in Malaysia führten.

Thailand vergab zwar im Jahre 1889 eine Genehmigung zum Eisenbahnbau zwischen Butterworth und Songkhla an Dunlop. Aber die Bedingungen waren so erdrückend, dass die englische Firma dieses Projekt niemals begann.

Auf der anderen Seite jedoch erkannte Thailand, dass Frankreich die Hauptbedrohung seiner Unabhängigkeit war, und daher wurden deutsche und englische Investitionen auf Kosten Frankreichs gefördert. Indem Thailand diese zwei Staaten ermunterte, hoffte man zu verhindern, dass keine dieser Großmächte eine wirtschaftliche Dominanz erhielt, insbesondere was den Eisenbahnbau anging. Man wollte sicher gehen, dass alle Genehmigungen Bangkok als Mittelpunkt hatten, sei es der End- oder der Kopfbahnhof.

1890 wurde die Königliche Eisenbahnbehörde gegründet, die unter der Leitung von Karl Bethge stand. Dieser Deutsche war zuvor in China als Vertreter der deutschen Regierung und der Firma Krupp tätig gewesen.

Die Eisenbahnbehörde untersuchte vier Vorschläge für den Bau von Eisenbahnlinien in Thailand und genehmigte zwei. Der erste genehmigte Vorschlag kam aus Deutschland, für eine Linie zwischen Bangkok und Nakhon Ratchasima (Khorat), während der zweite von örtlichen europäischen Geschäftsleuten für eine 20 Kilometer lange Linie zwischen Bangkok und Paknam zusammengestellt wurde. Die zwei englische Vorschläge für eine Linie zwischen Bangkok und Chiang Mai wurden verworfen.

Die Kosten für die Linie zwischen Bangkok und Paknam waren mit 400.000 Baht vergleichsweise niedrig. Und da König Chulalongkorn den halben Betrag beisteuerte, war die Eisenbahnlinie bald gebaut und die erste thailändische Eisenbahnlinie ging im April 1893 in Betrieb.

Die etwa 264 km lange Eisenbahnlinie Bangkok-Khorat war ursprünglich mit 16 Millionen Baht veranschlagt. Thailand entschloss sich zu einem Gemeinschaftsunternehmen von Regierung und Privatwirtschaft; am Ende jedoch trug die Regierung die Gesamtkosten.

Private Kostenvoranschläge wurden ausgeschrieben, aber nur englische und deutsche Unternehmer reichten Angebote ein. Um die Ausgleichspolitik beizubehalten, wurde dem Engländer George Campbell im Dezember 1891 der Vertrag zugeteilt. Campbell arbeitete damals in Malaysia.

Der Bau der Eisenbahnlinie Bangkok-Khorat wurde im März 1892 aufgenommen. Der erste Abschnitt nach Ayutthaya wurde 1896 fertiggestellt und der erste Zug verließ Bangkok am 26. März des selben Jahres. Berater der thailändischen Regierung schlugen vor, die Linie nach Khorat bis nach Nong Khai am Mekong als Entgegnung auf französische imperialistische Ambitionen zu verlängern.

König Chulalongkorn entschied jedoch, die Linie in Khorat zu beenden, da er den Wunsch hatte, keine großen Kredite im Ausland aufzunehmen. Der Monarch erkannte in Schulden eine größere Bedrohung der thailändischen Unabhängigkeit als in Frankreich.

Interessanterweise nahmen nur wenige Thais an der Vorbereitung der Eisenbahnstrecke teil, die meiste Arbeit wurde von chinesischen Einwanderern verrichtet.


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