Die thailändische Regierung verweigerte, verzögerte oder
machte es für Großbritannien unmöglich, Genehmigungen zu erhalten, die zum
Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Thailand und Moulmein (heute Butterworth) in
Malaysia führten.
Thailand vergab zwar im Jahre 1889 eine Genehmigung zum
Eisenbahnbau zwischen Butterworth und Songkhla an Dunlop. Aber die Bedingungen
waren so erdrückend, dass die englische Firma dieses Projekt niemals begann.
Auf der anderen Seite jedoch erkannte Thailand, dass
Frankreich die Hauptbedrohung seiner Unabhängigkeit war, und daher wurden
deutsche und englische Investitionen auf Kosten Frankreichs gefördert. Indem
Thailand diese zwei Staaten ermunterte, hoffte man zu verhindern, dass keine
dieser Großmächte eine wirtschaftliche Dominanz erhielt, insbesondere was den
Eisenbahnbau anging. Man wollte sicher gehen, dass alle Genehmigungen Bangkok
als Mittelpunkt hatten, sei es der End- oder der Kopfbahnhof.
1890 wurde die Königliche Eisenbahnbehörde gegründet, die
unter der Leitung von Karl Bethge stand. Dieser Deutsche war zuvor in China als
Vertreter der deutschen Regierung und der Firma Krupp tätig gewesen.
Die Eisenbahnbehörde untersuchte vier Vorschläge für den
Bau von Eisenbahnlinien in Thailand und genehmigte zwei. Der erste genehmigte
Vorschlag kam aus Deutschland, für eine Linie zwischen Bangkok und Nakhon
Ratchasima (Khorat), während der zweite von örtlichen europäischen
Geschäftsleuten für eine 20 Kilometer lange Linie zwischen Bangkok und Paknam
zusammengestellt wurde. Die zwei englische Vorschläge für eine Linie zwischen
Bangkok und Chiang Mai wurden verworfen.
Die Kosten für die Linie zwischen Bangkok und Paknam waren
mit 400.000 Baht vergleichsweise niedrig. Und da König Chulalongkorn den halben
Betrag beisteuerte, war die Eisenbahnlinie bald gebaut und die erste
thailändische Eisenbahnlinie ging im April 1893 in Betrieb.
Die etwa 264 km lange Eisenbahnlinie Bangkok-Khorat war
ursprünglich mit 16 Millionen Baht veranschlagt. Thailand entschloss sich zu
einem Gemeinschaftsunternehmen von Regierung und Privatwirtschaft; am Ende
jedoch trug die Regierung die Gesamtkosten.
Private Kostenvoranschläge wurden ausgeschrieben, aber nur
englische und deutsche Unternehmer reichten Angebote ein. Um die
Ausgleichspolitik beizubehalten, wurde dem Engländer George Campbell im
Dezember 1891 der Vertrag zugeteilt. Campbell arbeitete damals in Malaysia.
Der Bau der Eisenbahnlinie Bangkok-Khorat wurde im März 1892
aufgenommen. Der erste Abschnitt nach Ayutthaya wurde 1896 fertiggestellt und
der erste Zug verließ Bangkok am 26. März des selben Jahres. Berater der
thailändischen Regierung schlugen vor, die Linie nach Khorat bis nach Nong Khai
am Mekong als Entgegnung auf französische imperialistische Ambitionen zu
verlängern.
König Chulalongkorn entschied jedoch, die Linie in Khorat zu
beenden, da er den Wunsch hatte, keine großen Kredite im Ausland aufzunehmen.
Der Monarch erkannte in Schulden eine größere Bedrohung der thailändischen
Unabhängigkeit als in Frankreich.
Interessanterweise nahmen nur wenige Thais an der
Vorbereitung der Eisenbahnstrecke teil, die meiste Arbeit wurde von chinesischen
Einwanderern verrichtet.