Geschichtliche Streiflichter
3. Jahrgang
Ausgabe Nr. 47

21. November - 27. November 2004
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Das eiserne Ross in Thailand

Duncan Stearn

Teil 3: 1896-1930

George Campbell und der Direktor der Eisenbahnbehörde, Karl Bethke, konnten nicht zusammen arbeiten. Sie stritten ständig, besonders im Jahre 1893, nachdem ein anderer Deutscher, Luis Weiler, zum Chefingenieur ernannt wurde. Die Beziehungen verschlechterten sich dermaßen, dass der Vertrag von Campbell 1886 aufgehoben wurde und die Eisenbahnbehörde die Fertigstellung der Linie übernahm. Der Vertrag von Campbell war nach britischem Recht abgefasst. Der nachfolgende Prozess und Schiedsspruch beschäftigte Gerichte sowohl in Asien als auch in Europa und brachte Thailand in Verlegenheit.

Die thailändische Regierung beschloss eine Wiederholung des Falles Campbell zu verhindern und entschied im Februar 1898, dass die Eisenbahnbehörde in Zukunft alle Eisenbahnen des Landes besitzen, bauen und betreiben soll.

Die Strecke Bangkok-Khorat wurde am 21. Dezember 1900 offiziell eröffnet, während eine Nebenstrecke nach Lopburi noch im Bau war. Dieser Teil, der nach Chiang Mai führte, wurde im April 1901 eröffnet. Im Jahre 1909 führte die Strecke bis nach Phitsanulok.

Interessanterweise wurde die Strecke Bangkok-Khorat auf Anraten von Bethge in der europäischen Standard-Spurweite gebaut. Er machte geltend, dass Malaysia und Burma auch diese Spurweite hatten. Dies war nicht der Fall. Großbritannien und Frankreich bauten ihre Eisenbahnen in der Meter-Spurweite und Thailand baute ein Eisenbahnsystem, das mit denen der Nachbarn nicht übereinstimmte. Ob dies absichtlich oder ein Versehen war, ist nicht geklärt. Betrachtet man das politische Klima im ausklingenden 19. Jahrhundert, erscheint es logisch für Thailand, Eisenbahnlinien zu bauen, die nicht mit denen möglicher Feinde übereinstimmten. Interessant ist jedoch, dass der Bau der südlichen Strecke von Thonburi nach Phetburi von 1900 bis 1903 in der Meter-Spurweite durchgeführt wurde.

Das englisch-französische Abkommen über die Souveränität Thailand von 1896, dem die Unterzeichnung der „Entente Cordiale" 1904 zwischen Frankreich und Großbritannien und der Rückzug Frankreichs aus dem besetzten Chantaburi im selben Jahr folgte, gab Thailand ein hohes Ausmaß der Sicherheit für seine politische Zukunft. Die Regierung stimmte zu, Kredite im Ausland aufzunehmen, um eine Anzahl von Eisenbahnverbindungen fertig zu stellen.

Die Eisenbahnlinien erwiesen sich für Investoren ertragreich, da die Dividenden zwischen 1900 und 1930 niemals unter die Dreiprozentmarke fielen.

Im Jahre 1904 wurde der deutsche Chefingenieur Luis Weiler zum Leiter der Eisenbahnbehörde ernannt und verblieb in dieser Stellung bis Thailand im Juli 1917 Deutschland und seinen Alliierten den Krieg erklärte. Weiler, andere Deutsche und Österreicher, wurden festgesetzt. Wegen seiner schweren Krankheit gab man dem 54-Jährigen eine Passage auf einem Dampfer nach England. Er verstarb während der Reise am 17. Januar 1918.

In den 20er Jahren verbesserte sich die politische Situation auf dem Festland Südostasiens. Thailand fühlte sich nun sicher, seine Eisenbahnlinien von der Standard-Spurweite zur Meter-Spurweite umzubauen. Dadurch wurden Eisenbahnverbindungen mit Malaysia, Kambodscha und Burma möglich. Die indische Rupie wurde durch den Baht als Währung zum Handel in Chiang Mai und Umgebung ersetzt.

Der Bau von Eisenbahnstrecken über das ganze Land versetzte die thailändische Zentralregierung in die Lage größeren wirtschaftlichen und politischen Einfluss auszuüben. Die Eisenbahnen dienten als eine wirksame, preiswerte und schnelle Methode, den Handel anzuregen und sie brachten die Provinzen näher zueinander und schufen eine nationalen Einheit.


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