4. Jahrgang
Ausgabe Nr. 12

22. März - 28. März 2005
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Unternehmerische Chancen durch Machtdezentralisierung

Unternehmerische Chancen durch Machtdezentralisierung

Sue K.

Auf einem Seminar, das kürzlich von der Wirtschaftsfakultät der Asian Universität organisiert wurde, hielt der Ökonom Dr. Peter Grubenmann einen Vortrag über „Unternehmerische Chancen durch Machtdezentrali-
sierung".

Dr. Peter Grubenmann

Entsprechend dem Konzept der Subsidiarität (Entscheidungs-
findung auf der niedrigstmöglichen Ebene) hat Dr. Grubenmann eine radikale Dezentralisierung der Staatsmacht vorgeschlagen, bei der die verschiedenen staatlichen Aufgaben auf diejenigen behördlichen Ebenen verlagert werden, auf denen sie zur Anwendung kommen, auf denen die Dienstleistungen in Anspruch genommen und idealerweise auch bezahlt werden.

Dr. Grubenmann eröffnete einige Ergebnisse von Untersuchungen über die Dezentralisierung staatlicher Gewalt, die er in vier verschiedenen Ländern auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen angestellt hat. Er fand heraus, dass zusätzlich zur Subsidiarität bei der Verteilung staatlicher Aufgaben die Übergabe ultimativer Entscheidungsgewalt an die Bevölkerung durch bindende Abstimmungen über alle Projekte, bei der steuerliche Fragen und Belange der öffentlichen Finanzen in einer direkten demokratischen Weise behandelt werden, für ein Land und seine Regionen in Bezug auf Wachstum, Einkommen und Entwicklung den größten Nutzen bringen.

Argumente gegen eine Dezentralisierung staatlicher Gewalt, wie etwa unzureichende örtliche Steuergrundlagen, Mangel an politischer Reife und geringe Bildung, Vetternwirtschaft und geringe institutionelle und organisatorische Intensität haben sich durch die stichhaltigen Untersuchungsergebnisse als unhaltbar erwiesen. Dies trifft insbesondere auch auf die thailändischen Regionen zu, die in die Untersuchungen einbezogen wurden.

Die Ergebnisse zeigen auch, wenn der Bevölkerung das Recht gegeben wird, entweder über steuerliche Fragen und Belange der öffentlichen Finanzen oder nur über projektbezogene Themen zu entscheiden, oder noch schlimmer, ihr in all diesen Belangen überhaupt keine Entscheidungsgewalt gegeben wird, diese Entscheidungsgewalt stattdessen bei den Regionalparlamenten oder auf zentraler Regierungsebene zu halten, behindert das Wirtschaftswachstum, verringert das Einkommen, verlangsamt die Entwicklung und führt allgemein zu einem geringeren Niveau an Sozialleistungen, als es erreicht werden könnte, wenn die Entscheidungsgewalt direkt an die örtliche Bevölkerung übergeben wird.

Danach führte Dr. Grubenmann die Punkte auf, welche Chancen eine radikale Dezentralisierung staatlicher Gewalt für Betriebe und Unternehmen bringen würde. Er fand heraus, dass:

Dezentralisierung bei voller Gewaltübergabe an die Bevölkerung offensichtlich die Steuersätze reduziert. Niedrige Steuersätze bringen Nutzen für die Körperschaftskosten.

Das lokale verfügbare Einkommen wird durch eine geringere Steuerlast erhöht. Das schafft Möglichkeiten für örtliche Betriebe und Berufstätige.

Entscheidungsmacht der Bevölkerung über öffentliche Finanzen und steuerliche Fragen senkt Projektkosten. Dadurch können mehr oder bessere Projekte mit demselben oder gar geringerem Budget realisiert werden.

Machtdezentralisierung schafft unter den Regionalverwaltungen eine Konkurrenzsituation bezüglich größerer Steuergrundlagen, um zum Beispiel durch niedrigere Steuersätze und konkurrenzfähigere Regulative mehr Einwohner und Betriebe zu gewinnen. Die Drohung der Einwohner und örtlicher Betriebe, „mit den Füßen abzustimmen", könnte zu einer nutzbringenden Lokalität führen und die Regionen zwingen, auf dem politischen Marktplatz zu konkurrieren. Dadurch wird die Verhandlungsposition der Bevölkerung und der Wirtschaft gegenüber der lokalen Verwaltung verbessert.

Dezentralisierung schafft gestiegene Angebotsmöglichkeiten für örtliche Firmen bei ausgelagerten Dienstleistungen und Produktion.

Die wahrscheinlich aber wichtigste Chance ist jedenfalls, dass durch die Nähe zu den abstimmenden Bürgern und Steuerzahlern irreguläre Finanzierungen und Mietpreispraktiken vermindert werden, daneben nützliche Effekte für die Körperschaftskosten geschaffen werden, ebenso eine beständige Verordnungsumsetzung und eine durchsichtige Verwaltung.

Mit Rücksicht auf die umfassend beschriebene Dezentralisierungspolitik in Thailand, wie sie in der neuen Verfassung und den betreffenden Gesetzen verankert ist, wies Dr. Grubenmann darauf hin, dass der anfängliche Enthusiasmus mittlerweile beinahe zum Stillstand gekommen ist und sich bei vielen Aspekten sogar ins Gegenteil verkehrt hat, zu Zuständen, wie sie vor der Verkündung der neuen Gesetze geherrscht haben. Entsprechend der Ergebnisse seiner langfristigen Simulationen wird dies leider auch ein Hauptbeitrag zu einer verlangsamten lokalen Modernisierung und einem verringerten Wachstumsprozess sein.


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