4. Jahrgang
Ausgabe Nr. 17

26. April - 2. Mai 2005
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Die Verschwendung

Franz Schmid

Wassermangel herrscht im Königreich! Das haben wir nun schon seit Wochen, seit Monaten gehört – und auch häufig am eigenen Leibe verspürt. Wassermangel herrscht auch in meinem Haus in der Nähe von Naklua. Seit vielen Tagen, ja Wochen, gibt es fast keinen Zufluss vom Stadtwasser mehr. Warum? Das wissen die Götter der Wasserwerke, denn Regen ist geflossen und an manchen anderen Stellen, wie direkt in Naklua zum Beispiel fließt das Leitungswasser jeden Tag. Hier bei mir leider nur sehr selten und dann auch nur tröpfchenweise. Also müssen wir Wasser vom Tankwagen kaufen.

Die cleveren Burschen haben nun den Preis von bisher 90 auf 100, dann auf 120, 130 und schließlich nun auf 150 Baht erhöht. Nicht viel? Nun, wenn man bedenkt, dass man das jeden dritten Tag bezahlen muss, will man sein Grün im Garten behalten und selbst nicht vor sich herstinken und auch noch die Wäsche waschen, dann wird das schon ziemlich viel. Außerdem ist dieses Wasser auch noch häufig verunreinigt, riecht und hat eine komische bräunliche Farbe. Seitdem ich dieses Wasser ständig verwenden muss, leide ich unter Jucken am Körper und kleinen Bläschen auf der Haut.

Nun aber kommt der Clou: Es ist Songkran-Zeit. Thai Neujahr, wo alle Schranken fallen – auch die Wasserschranken. Es fließt. Allerdings nur auf den Straßen, durch Spritzpistolen und Wassergewehren, aus Schläuchen, die unbedenklich auf jeden Vorbeikommenden gerichtet werden und mit Gejohle ein guter „Schuss" verzeichnet wird.

Normalerweise wird Songkran an einem Tag gefeiert, mit ein wenig Wasser wird die Wange, die Hände benetzt, um seinen Respekt auszudrücken. Nicht, um wie wild die Leute klatschnass zu spritzen und sich mit Betatschen auch noch sexuell daran zu ergötzen. Leider aber wird, speziell in Pattaya, dieses Treiben immer ärger. Es beginnt bereits ein bis zwei Tage vor dem offiziellen Songkran und endet erst zwei bis drei Tage nach dem inoffiziellen Songkran in Pattaya, denn da wird dieses Fest erst immer eine Woche später „begangen". Manchmal sind männliche Touristen, leicht angetrunken und angefeuert von ihren „Ladies", die schlimmsten. Mit dümmlichem Ausdruck im Gesicht, angeklatschten Haaren an der Halbglatze, stehen sie in Shorts und nacktem Oberkörper herum und suchen krampfhaft nach Opfern.

Diese Leute nehmen das Wasserspritzen sehr ernst. Fast kein Lächeln entkommt ihnen, wenn sie wie weiland Arnold Schwarzenegger mit dem Wassermaschinengewehr im Anschlag da stehen und sich fühlen, als würden sie gerade den dritten Weltkrieg gewinnen.

Das Schlimmste an all diesem aber ist diese sinnlose Verschwendung des wertvollsten Gutes, das wir auf Erden haben: das Wasser. Der menschliche Körper besteht zum Großteil daraus und wir brauchen Wasser zum Überleben. Ohne Wasser gibt es kein Leben, ja, es kann niemals entstehen! Dies wird weder von den Menschen, den Nachahmern, noch von den Behörden hier bedacht, die, ebenfalls dümmlich lächelnd zusehen, wie dieses köstliche, wertvolle Nass sinnlos auf den Straßen verspritzt wird.

Nun, nach den Songkran Feiertagen werden wir wieder die Klagen über Wassermangel vernehmen und dann wird wieder der Bitten unseres Königs gedacht, dieses wertvolle Naturprodukt, gerade wie in Trockenzeiten wie diesen, nicht sinnlos zu verschwenden.


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