„Während der letzten Wochen hörten wir
dreimal die Litanei der Heiligen: Beim Begräbnis unseres Heiligen Vater
Johannes Paul II, als die Kardinäle zur Konklave schritten und heute
wieder, als ich zum Nachfolger vom Heiligen Petrus eingesetzt wurde. Jedes
Mal fand ich großen Trost darin.
Nun, in diesem Moment, in dem ich schwacher Diener des
Herrn diese schwere Bürde, die alle menschliche Kapazität überschreitet,
übernehmen muss, frage ich mich, wie ich dies alles schaffen werde. Aber
ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Ich brauche nicht al-
leine zu tragen, was in Wahrheit ich alleine nicht schaffen würde. Mit
Hilfe aller Heiligen, die mich beschützen und geleiten, mit Hilfe ihrer
Gebete, meine Freunde, ihrer Geduld, ihrer Liebe und mit ihrem Glauben und
ihrer Hoffnung, die mich begleiten werden, werde ich es schaffen.
Wir alle gehören der Gemeinschaft der Heiligen an, denn
auch wir wurden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
getauft und erhalten Stärke aus dem Blut und Leib Christus, was uns wandelt
und uns ihm gleich macht.
Unsere Kirche lebt! Während der Krankheit und
Trauerfeierlichkeiten von Papst Johannes Paul II. wurde es auf wunderbare
Weise bewiesen. Unsere Kirche ist jung! Sie beinhaltet in ihr selbst die
Zukunft der Welt und zeigt uns den Weg in diese Zukunft. Unsere Kirche lebt!
Wir sehen und erleben die Freude über die Auferstehung Christus, die er
seinen Jüngern versprochen hat. Die Kirche lebt, denn Christus lebt, er ist
wahrhaft auferstanden. Im Leiden, das wir im Gesicht unseres verstorbenen
Heiligen Vaters sahen, erkannten wir das Geheimnis der Christus-Passion und
wir berührten dadurch seine Wunden.
Dadurch wurde es uns möglich gemacht, gleichzeitig den
Auferstandenen zu berührten. Es wurde uns möglich gemacht, nach einer
kurzen Periode der Dunkelheit, die Früchte der Auferstehung zu genießen.
Die Kirche lebt durch diese Worte und ich grüße freudig alle, die sich
hier versammelt haben, meine Brüder Kardinäle und Bischöfe, meine lieben
Priester, die Kirchenarbeiter, Katechisten.
Ich grüße euch, ihr gläubigen Männer und Frauen, die
Ihr Zeugen seid der Gegenwart Gottes. Ich grüße euch, ihr Gläubigen, die
ihr die große Verantwortung habt, das Königreich Gottes zu bauen und es in
der Welt zu verbreiten. Ich grüße auch alle jene, die im Sakrament der
Taufe wiedergeboren sind, aber noch nicht komplett Eins sind mit uns. Ich
grüße meine jüdischen Brüder und Schwestern, mit denen wir vereint sind
im großen spirituellen Erbe. Endlich, wie eine gewaltige Woge, gehen meine
Gedanken auch an all die Männer und Frauen, Gläubige und Nichtgläubige
gleichermaßen.
Mein wirkliches Programm besteht darin, nicht meinen
eigenen Willen zu verkünden, sondern mit der ganzen Kirche den Worten und
dem Willen des Herrn zuzuhören, durch ihn geleitet zu werden, damit er
selbst die Kirche in dieser historischen Stunde leiten wird.
Die Geschichte des verlorenen Schafes, das der gute Hirte
in der Wüste sucht, ist das Image von Christus und der Kirche. Jeder Mensch
ist wie das verlorene Schaf in der Wüste, das seinen Weg nach Hause nicht
mehr findet.
Aber Gottes Sohn wird dies nicht zulassen. Er lässt die
Menschheit nicht im Stich in so einer schwierigen Lage. Er verlässt die
Glorie des Himmels, um sich auf die Suche nach dem verlorenen Schaf zu
machen, er geht den Weg bis zum Kreuz. Er trägt das verlorene Schaf auf
seiner Schulter und trägt so unsere Menschlichkeit. Er trägt alles für
uns, er ist der gute Hirte, der sein Leben für seine Schafe gibt.
Das Palladium zeigt uns, dass wir alle von Christus
getragen werden, aber es lädt uns auch ein, uns gegenseitig zu stützen und
zu tragen.
Es gibt so viele verschiedene Arten der Wüste im Leben.
Da ist die Wüste der Armut, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe, des
Hungers, der Verlassenheit. Es gibt die Wüste der Gottesfinsternis, die
Einsamkeit der Herzen, die nicht länger wissen, was ihr Lebensziel oder
Ehre sind. Die äußeren Wüsten vermehren sich, da die inneren Wüsten
überhand genommen haben. Die weltlichen Werte dienen nicht mehr Gottes
Garten, damit alle darin leben können, sondern werden eingesetzt, um der
Macht der Ausnutzung, der Ausbeutung und der Zerstörung zu dienen.
Die Kirche als Ganzheit und alle ihre Priester müssen
die Menschen aus diesen Wüsten führen, zu den Plätzen des Lebens, zur
Freundschaft mit dem Sohn Gottes, zu dem Einen, der uns das Leben und das
Leben in Überfülle schenkte."