Geschichtliche Streiflichter
4. Jahrgang
Ausgabe Nr. 23

7. Juni - 13. Juni 2005
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Die Vorrangstellung Ayutthayas

Duncan Stearn

Teil 1: 1488-1516

Was den Außenhandel betrifft, waren es die Chinesen mit ihren großen und vielseitigen Dschunken, die anfangs die prominenten und wichtigen Handelspartner des Königreichs von Ayutthaya waren.

Die Monarchen Ayutthayas hielten es für angebracht, in eine tributpflichtige Beziehung mit den chinesischen Kaisern zu treten. Dies war eigentlich nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, aber es diente der Absicht, einen regelmäßigen und gewinnbringenden Handel mit China von der Ming- bis zur Manchu-Dynastie aufrecht zu erhalten.

Der Kleiderhandel mit moslemischen Kaufleuten aus Indien und der arabischen Halbinsel war ebenso ein Eckstein des Wohlstandes für den thailändischen Staat. Tatsächlich war die Bedeutung der Chinesen und Mohammedaner so groß, dass die Monarchen Ayutthayas ihre Außenhandelsbehörde in zwei Abteilungen gliederten, eine für die Chinesen, die andere für die Mohammedaner.

Chinesische, indische und später persische und japanische Kaufleute ließen sich mit ihren Familien in Ayutthaya nieder. Sie wurden herzlich von den Monarchen aufgenommen und eine Anzahl dieser Händler stieg zu hohen Palastbeamten auf.

Als König Boromoraja III. im Jahre 1491 starb, wurde Ramathibodi II. sein Nachfolger, dieser war ein Sohn von Boromo Trailokanat. Als elfter Monarch von Ayutthaya regierte er 38 Jahre, die zweitlängste Regierungszeit von allen 34 Herrschern des vorherrschenden Staates in Thailand. Nur sein Vater war länger auf dem Thron, er herrschte 40 Jahre. Tatsächlich aber beanspruchen im modernen Thailand der derzeitige König, Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) und Chulalongkorn (Rama V.) diese höchste Staatsposition für längere Zeiträume.

Als Ramathibodi II. an der Spitze des Staates stand, war es ihm nicht bewusst, dass europäische Nationen wie Portugal, Spanien und die Niederlande ihre ausgedehnten Erforschungen der Welt auf den Meeren begannen. Im Jahre 1492 drang Christopher Columbus bis nach Amerika vor, während Vasco da Gama das Kap der guten Hoffnung umschiffte und Indien erreichte.

Die Gewinne im Gewürzhandel und der Handel mit Seide und Porzellan lockten europäische Abenteurer nach Asien. Portugal errichtete einen Stützpunkt in Goa, und 1511 führte der portugiesische Vizekönig einen Angriff auf Malakka durch.

Der Vizekönig erfuhr, dass der König von Ayutthaya Ansprüche auf Malakka erhob, und er entsandte rechtzeitig einen Botschafter namens Duarte Fernandez, um König Ramathibodi II. zu besuchen. Ein zweiter Botschafter, Miranda de Azevedo, wurde ebenfalls nach Ayutthaya gesandt. Als Erwiderung darauf schickte Ramathibodi eine Gesandtschaft nach Goa.

Im Jahre 1516 ernannte der portugiesische Gouverneur von Malakka Duarte de Coelho zum dritten Botschafter in Ayutthaya. Dieser schloss ein Abkommen mit Ramathibodi II., das erste zwischen einer europäischen Nation und Thailand. Portugal erklärte sich bereit, Ayutthaya mit Waffen zu versorgen und im Gegenzug erhielt Portugal die Erlaubnis, eine Handelsstation (Fabrikanlage) in Ayutthaya zu errichten. Die Portugiesen durften auch ihre Religion ausüben.

Unseligerweise brachten die Portugiesen nicht nur Feuerwaffen ins Land, sondern auch Priester, die versuchten, die Thais zum Christentum zu bekehren. Die Thais – ebenso wie die Kambodschaner später – reagierten aber nicht mit großem Enthusiasmus auf den neuen Glauben, und der Klerus musste seine Niederlage eingestehen. Obwohl die Portugiesen an der geistlichen Front versagten, hatten sie doch eine tiefgreifende Wirkung auf die örtliche Küche. Es wird ihnen angerechnet, dass sie demütigst den Chili den guten Bürgern Thailands vorstellten.


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