Geschichtliche Streiflichter
4. Jahrgang
Ausgabe Nr. 39

27. September - 3. Oktober 2005
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Die thailändische Invasion und Besetzung der Shan-Staaten (1942-1945)

Duncan Stearn

Teil 2

Als Pibulsongkram die besetzten Gebiete im Februar 1943 besuchte, war er über den desolaten Zustand seiner Armee beängstigt. Er forderte Geldüberweisungen, Verpflegung und medizinische Geräte an, die von Bangkok nach Kengtung geschickt werden sollten. Am 2. Februar hatten amerikanische Kampfflugzeuge sieben thailändische Flugzeuge auf dem Boden von Kengtung zerstört. Einen Monat später wurde in einem weiteren Angriff noch ein thailändisches Flugzeug am Boden zerstört.

Zu dieser Zeit machte er sich über die Allianz mit Japan keine Illusionen mehr. Zum Zeitpunkt dieses Besuchs unternahm er den ersten geheimen Schritt, um mit den Alliierten Kontakt aufzunehmen. Er sandte Vertreter der thailändischen Armee, welche die Shan-Staaten besetzt hatte, zu Verhandlungen mit den nationalchinesischen Kuomintang in Yunnan.

Japan erkannte seinerseits, dass Deutschland langsam an der Westfront geschlagen wurde, und seine eigene militärische Position durch alliierte Gegenangriffe geschwächt wurde. Daher würdigte man die thailändischen Unternehmungen und garantierte Thailand soviel gewünschte Territorien wie möglich.

Letztendlich wurde die Eroberung der Shan-Staaten durch ein Abkommen im August 1943 besiegelt. Thailand wurden die zwei östlichsten Shan-Staaten zugewiesen und in „Territorium der Vereinigten Thai-Staaten" umbenannt. General Pin Choonhavan wurde zum Gouverneur ernannt.

Darüber waren die Burmesen nicht gerade erfreut, da sie kurz davor standen, eine Art Unabhängigkeit unter dem Schutzschirm Japans zu erhalten. Japan führte an, dass Großbritannien die Shan-Staaten getrennt von Burma verwaltet hätte, und die Shan in einer engeren ethnischen Verwandtschaft zu den Thais als zu den Burmesen stünden.

Zu gleichen Zeit konnte aber den Wünschen Thailands, bestimmte Gebiete in Laos und Kambodscha zurück zu erhalten, nicht entsprochen werden, da Japan ein Alliierter des französischen Vichy-Regimes war. Stattdessen gab Japan die Kontrolle über die vier malaiischen Staaten Kelantan, Kedah, Perlis und Terengganu an Thailand zurück. Diese waren 1909 an Großbritannien abgetreten worden.

In Wirklichkeit jedoch schrumpfte die Vorherrschaft Japans mit jedem Tag, da Großbritannien im westlichen Burma in die Offensive ging, und die Amerikaner sich ununterbrochen über den Pazifik bewegten. Führenden thailändischen Politikern – und dem Premierminister – wurde bewusst, dass sie sich mit der falschen Seite verbündet hatten. Im Juli 1944 musste Pibulsongkram zurücktreten.

Dem neuen Regime war klar, dass die Alliierten, besonders Großbritannien, Thailand für seine Allianz mit Japan hart bestrafen würden. Daher machte Thailand deutlich, dass es alle Ansprüche an die Shan-Staaten und malaiischen Staaten zurückziehen werde, sobald die Feindseligkeiten eingestellt seien.

Nichtsdestotrotz endete die Besetzung der Shan-Staaten durch Thailand erst zum Ende des Krieges im August 1945. Die meisten der thailändischen Soldaten kehrten nach dem Krieg in ihre Heimat zurück, nur einige wenige ließen sich in den Shan-Staaten nieder, um örtliche Schönheiten zu heiraten.


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