Geschichtliche Streiflichter
4. Jahrgang
Ausgabe Nr. 44

1. November - 7. November 2005
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Das Jahrzehnt des Militarismus in Thailand

Aus der Sicht eines ausländischen Journalisten

Duncan Stearn

Teil 1: Beherrschte Japan Thailand?

In der Mitte des turbulenten Jahrzehnts der 1930er wurde es immer mehr den Beobachtern Asiens klar, dass der japanische Militarismus, neben seinen Expansionsgelüsten gegen China, seinen Blick auf den lukrativen Markt Südostasiens richtete. Und Thailand war der Hauptpreis in dieser Region.

Ein junger amerikanischer Journalist mit Namen Gareth Jones besuchte 1935 Thailand, um Gerüchten nachzugehen, ob die japanische Beherrschung Thailands der Wahrheit entspricht. Diese Gerüchte kursierten in verschiedenen Gegenden wie in Holländisch Ostindien (heute Indonesien), im britisch verwalteten Singapur und in Japan selber.

Im Jahre 1932 hatte sich Japan die chinesische Mandschurei angeeignet, nannte sie in Manchukuo um, setzte eine Marionette als Kaiser auf den Thron und erklärte die Mandschurei zu einem Protektorat.

Im darauf folgenden Jahr marschierte Japan in Jehol ein, einer Provinz der Inneren Mongolei. Die nationalchinesische Regierung unter Chiang Kai-Shek wurde gezwungen, eine Vereinbarung zur Errichtung einer entmilitarisierten Zone zu unterschreiben.

Der erste Bericht von Jones aus Bangkok stammt vom April 1935. Er schrieb: „Mir wurde in Java gesagt, dass Japan sein Reich immer weiter süd- und westwärts ausdehnt. Man will einen Stützpunkt in Siam haben. Man will einen Kanal bauen, ähnlich dem Panama-Kanal, um die Märkte Indiens und die Macht Englands in Asien zu beherrschen. Dieser Kanal soll der „Kra Kanal" werden und Singapur zu einem größeren ,weißen Elefanten‘ machen, als jemals einer der Könige in Bangkok besessen habe. Die Japaner wollen die Herren der Handelswege von Asien nach Indien und Afrika sein."

Man fragt sich, was wohl geschehen wäre, wenn es Japan gelungen wäre, dass Amerika und Großbritannien die Friedensbedingungen von 1942 angenommen hätten. Würde der Kra Kanal heute Wirklichkeit sein und wäre Singapur als ein sumpfiges Kaff an den Rand gedrängt worden?

Jones zitiert einen Artikel vom 11. April aus der „Times of India", der besagt, „Indien hat ein großes Interesse daran, dass die Einführung der japanischen wirtschaftlichen Vorherrschaft über Siam einen neuen internationalen Einfluss über ein Gebiet bringt, das an der Grenze zu Burma liegt."


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