5. Jahrgang
Ausgabe Nr. 51

19. Dezember - 25 Dezember 2006
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Update jeden Sonntag von Saichon Paewsoongnern

Die unverbaubare Aussicht

Franz Schmid

Vor kurzem kam es in Jomtien zu einer großen Protestaktion gegen den Bau eines neuen Appartementgebäudes, des View Talay 7. Die Bewohner des Jomtien Complex wehren sich gegen die Errichtung dieses Baus, da dieser ihnen die schöne Aussicht aufs Meer nehmen wird. Auch die Stadtverwaltung konnte den Betroffenen nicht helfen, da die vorgelegten Baupläne den Richtlinien entsprachen.
Bauten, die die Aussicht versperren, sind in Pattaya jedoch nichts Ungewöhnliches. Für die Bewohner von Anlagen, denen die Aussicht genommen wird, ist dies bitter. Nicht nur, weil nun der schöne Ausblick dahin ist, sondern auch, weil der Wert der Immobilie sinkt. Die Marktgesetze greifen auch hier sofort.
Viele haben auf Grund falscher Vorstellungen Appartements gekauft. Denn wer will nicht einen schönen Ausblick haben, noch dazu auf das Meer? Da ist man gerne bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Denn man gönnt sich ja sonst nichts!
In Anzeigen und in den Verkaufsgesprächen wird den potentiellen Käufern suggeriert, die schöne Appartementanlage sei eine besondere Wertanlage, da sie einen atemberaubenden Blick auf das weite Meer bietet. Dann wird noch so getan, als sei der Ausblick unverbaubar, was zum Zeitpunkt des Verkaufs auch tatsächlich so sein mag. Aber die Zeiten ändern sich, Grundstücke wechseln den Eigentümer und dieser hat seine eigenen Pläne.
Grundsätzlich sollte man daher solchen Versprechen wenig Glauben schenken. Denn eine unverbaubare Sicht kann einem niemand garantieren. Das rührt aus der Gesetzeslage in Thailand her. Staatliche Bauplanung oder Bebauungspläne mit festgelegten Kriterien sind in Thailand unbekannt. Daher sind die Städte bunt durcheinander bebaut, Häuser mit nur zwei oder drei Stockwerken stehen direkt neben Wolkenkratzern und niemand stört sich am teils hässlichen Stadtbild.
Wer dies weiß, sollte daher sehr vorsichtig bei der Auswahl seiner Immobilie sein. Viele sind vom schönen Ausblick hingerissen, kaufen und müssen zu ihrer Enttäuschung feststellen, dass es eines Tages damit zu Ende ist. Klagen sind sinnlos, da der Verkäufer die unverbaubare Aussicht mit Sicherheit nicht im Kaufvertrag festgelegt hat. Eine gütliche Einigung mit dem Bauherrn neuer Projekte kommt auch kaum in Betracht, da dieser nur seinen Profit im Auge hat, denn schließlich kann er ja auch mit dem schönen Ausblick werben. Wie es mit dem Ausblick des neuen View Talay 7 in Zukunft aussieht, bleibt dahin gestellt.
Viele der in Pattaya geplanten Großbauten sind Spekulationsobjekte. Wer sich daran beteiligt, muss auch damit rechnen, sich zu verspekulieren und Geld zu verlieren.
Der unverbaubare Ausblick bleibt für viele nur ein Traum, der im Albtraum endet. Denn unverbaubar sind nur die Möglichkeiten der Bauherren, möglichst hohen Profit aus ihren Anlagen herauszuschlagen.


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