6. Jahrgang
Ausgabe Nr. 49

4. Dezember - 10. Dezember 2007
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Mangelnde Organisation oder schlechte Zahlungsmoral?

Franz Schmid

Ein etwas verwirrender Bericht über die Zahlungsmoral mancher Bürger Pattayas erschien in der letzten Ausgabe des Pattaya Blatts. Die Stadtverwaltung hatte festgestellt, dass in den Jahren 2003, 2004 und 2005 Rechnungen für die Müllbeseitigung in Höhe von über 100.000 Baht nicht beglichen worden sind. Das macht pro Jahr einen durchschnittlichen Betrag von etwa 33.000 Baht aus. Ein eifriger Finanzbeamter hatte dies wohl endlich gemerkt. Normalerweise wird ja in jedem Jahr ein Jahresabschluss der Finanzverwaltung gemacht, aber dieser Fehlbetrag schien wohl nicht entdeckt worden zu sein.
In dem Bericht hieß es weiter, in gleicher Angelegenheit hätten 154 Haushalte Verbindlichkeiten von 99.925 Baht. Das wären dann pro Haushalt durchschnittlich etwa 642 Baht. Für die Beseitigung des Mülls fällt monatlich eine Gebühr von 40 Baht an. Das hieße, dass die besagten Haushalte mit ihren Zahlungen 16 Monate im Rückstand sind.
Wie dem auch sei, der Bericht ist jedenfalls sehr einseitig, nämlich aus der Sicht eines Rechnungsprüfers. Die Müllbeseitigung in Pattaya im Allgemeinen gibt Anlass zur Kritik, ebenso die Praxis der Rechnungsstellung durch die Müllbeseitigungsunternehmen. Oftmals lassen sich die Kassierer gar nicht sehen oder werden nicht gesehen. Vielleicht drehen sie tatsächlich ihre Runden, aber wenn niemand zuhause ist, kommen sie nicht zum zweiten Mal. Niemand weiß so richtig, wann und ob sie kommen.
Die mit der Müllbeseitigung beauftragten Firmen scheinen kein großes Interesse am Bezahlen ihrer Rechnungen zu haben, kann aus dem erwähnten Bericht geschlussfolgert werden. Vielleicht liegt es daran, dass aus dem gesammelten Müll durch den Verkauf von Wertstoffen und recyclebarem Material noch ein Profit erzielt wird. Dementsprechend sind diese Firmen vielleicht daran interessiert, zu ihrem Kundenkreis nur solche Kunden zu zählen, bei denen diese Wertstoffe anfallen. Noch immer ist es in vielen Gegenden der Stadt (nicht nur in Vororten) üblich, dass Hausmüll verbrannt wird. In der thailändischen Gesellschaft wird Müll oftmals als nicht vermeidbar angesehen. Anstatt in moderne Müllbeseitigungsanlagen zu investieren, baut man mit Vorliebe neue Straßen. Das macht doch wenigstens was her, und steigert außerdem die Bekanntheit und Beliebtheit bei den Wählern.
Um diesem Zustand abzustellen, müssten neue Strategien her. Statt Nebelbomben zu werfen, sollte man sich auf das Grundproblem konzentrieren. Warum ist es nicht möglich, dass jeder Haushalt Abgaben zur Müllbeseitigung leisten muss, gleichgültig, ob und wie viel Müll er produziert? Mit den Einnahmen könnten locker moderne Müllbeseitigungsanlagen gebaut werden, die die Umwelt weniger belasten als dies zurzeit der Fall ist. Die Verantwortlichen sollten also nicht zuerst auf Andere mit dem Finger zeigen, sondern sich selbst einmal die Frage stellen, ob sie vielleicht etwas falsch gemacht haben.


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