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Mangelnde Organisation oder
schlechte Zahlungsmoral?
Franz Schmid
Ein etwas verwirrender Bericht über die Zahlungsmoral mancher
Bürger Pattayas erschien in der letzten Ausgabe des Pattaya Blatts. Die
Stadtverwaltung hatte festgestellt, dass in den Jahren 2003, 2004 und
2005 Rechnungen für die Müllbeseitigung in Höhe von über 100.000 Baht
nicht beglichen worden sind. Das macht pro Jahr einen durchschnittlichen
Betrag von etwa 33.000 Baht aus. Ein eifriger Finanzbeamter hatte dies
wohl endlich gemerkt. Normalerweise wird ja in jedem Jahr ein
Jahresabschluss der Finanzverwaltung gemacht, aber dieser Fehlbetrag
schien wohl nicht entdeckt worden zu sein.
In dem Bericht hieß es weiter, in gleicher Angelegenheit hätten 154
Haushalte Verbindlichkeiten von 99.925 Baht. Das wären dann pro Haushalt
durchschnittlich etwa 642 Baht. Für die Beseitigung des Mülls fällt
monatlich eine Gebühr von 40 Baht an. Das hieße, dass die besagten
Haushalte mit ihren Zahlungen 16 Monate im Rückstand sind.
Wie dem auch sei, der Bericht ist jedenfalls sehr einseitig, nämlich aus
der Sicht eines Rechnungsprüfers. Die Müllbeseitigung in Pattaya im
Allgemeinen gibt Anlass zur Kritik, ebenso die Praxis der
Rechnungsstellung durch die Müllbeseitigungsunternehmen. Oftmals lassen
sich die Kassierer gar nicht sehen oder werden nicht gesehen. Vielleicht
drehen sie tatsächlich ihre Runden, aber wenn niemand zuhause ist,
kommen sie nicht zum zweiten Mal. Niemand weiß so richtig, wann und ob
sie kommen.
Die mit der Müllbeseitigung beauftragten Firmen scheinen kein großes
Interesse am Bezahlen ihrer Rechnungen zu haben, kann aus dem erwähnten
Bericht geschlussfolgert werden. Vielleicht liegt es daran, dass aus dem
gesammelten Müll durch den Verkauf von Wertstoffen und recyclebarem
Material noch ein Profit erzielt wird. Dementsprechend sind diese Firmen
vielleicht daran interessiert, zu ihrem Kundenkreis nur solche Kunden zu
zählen, bei denen diese Wertstoffe anfallen. Noch immer ist es in vielen
Gegenden der Stadt (nicht nur in Vororten) üblich, dass Hausmüll
verbrannt wird. In der thailändischen Gesellschaft wird Müll oftmals als
nicht vermeidbar angesehen. Anstatt in moderne Müllbeseitigungsanlagen
zu investieren, baut man mit Vorliebe neue Straßen. Das macht doch
wenigstens was her, und steigert außerdem die Bekanntheit und
Beliebtheit bei den Wählern.
Um diesem Zustand abzustellen, müssten neue Strategien her. Statt
Nebelbomben zu werfen, sollte man sich auf das Grundproblem
konzentrieren. Warum ist es nicht möglich, dass jeder Haushalt Abgaben
zur Müllbeseitigung leisten muss, gleichgültig, ob und wie viel Müll er
produziert? Mit den Einnahmen könnten locker moderne
Müllbeseitigungsanlagen gebaut werden, die die Umwelt weniger belasten
als dies zurzeit der Fall ist. Die Verantwortlichen sollten also nicht
zuerst auf Andere mit dem Finger zeigen, sondern sich selbst einmal die
Frage stellen, ob sie vielleicht etwas falsch gemacht haben.
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