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Zu Besuch bei Waew in Kambodscha
Martin Brands
Die Vorgeschichte
Im Oktober 2004 wurde die kleine Waew ins Sappasittiprasong
Krankenhaus von Ubon Ratchathani eingeliefert, um einige Operationen
durchzustehen, die ihr helfen sollten, wieder ein halbwegs menschliches
Gesicht zu erhalten.
Im Juli 2004 hatte Pattaya Blatt über das Schicksal von Waew berichtet. Die
damals ungefähr Siebenjährige war von der Polizei in Pattaya aufgegriffen
worden, nachdem Beschwerden wegen ihrer Bettelei eingegangen waren. Bei
Ermittlungen stellte sich heraus, dass Waew von einer Bettlerbande
ausgenutzt wurde, die aus ihrem entstellten Gesicht Kapital schlagen wollte.
Die genauen Umstände, wie sie aus Kambodscha ins Land kam, sind bis heute
nicht geklärt. Über ihre schweren Brandwunden im Gesicht sowie an Hals und
Oberkörper gab Waew an, dass sie von einem Brand der Bambushütte stammen, in
der Waew mit ihren Eltern lebte. Bei dem Unglück verlor sie auch ihr rechtes
Auge. Damals war sie drei Jahre jung.
Nach ihrer Festnahme wurde Waew zunächst nach Bangkok gebracht, wo sie in
einem Heim für ausgesetzte Kinder unterkam. In Fällen wie diesem verbringen
die Kinder bis zu drei Monate in der Einrichtung, die vom Ministerium für
soziale Angelegenheiten (MSA) geleitet wird. Während dieser Zeit wird
versucht, die Eltern oder Erziehungsberechtigten ausfindig zu machen.
Gelingt dies nicht, werden die Kinder in staatlichen Kinderheimen
untergebracht, bzw. in ihre ursprüngliche Heimat abgeschoben.
So
sah Waew aus, als sie aufgegriffen wurde.
Waew konnte ein paar Angaben über ihre Eltern machen. Die Abteilung zum
Schutz vor Menschenhandel mit Frauen und Kinder kontaktierte ihre Kollegen
in Kambodscha, um nach den Eltern zu forschen.
Gleich nachdem Waew aufgegriffen wurde, setzte Elfi Seitz, die
Chefredakteurin von Pattaya Blatt, alle Hebel in Bewegung. Sie
veröffentlichte eine volle Seite über das bewegende Schicksal von Weaw und
konnte Rudi Hofer als aktiven Helfer gewinnen. Bald meldeten sich Horst
Schweitzer und Karl Schütz, beides Freunde von Rudi aus Deutschland, die den
Großteil der benötigten Gelder spendeten. Elfi kontaktierte Sopin Thappajug,
beisitzende Richterin am Jugendgericht und geschäftsführende Direktorin der
Diana Group. Durch die großartige Unterstützung des MSA konnte zur Freude
aller erreicht werden, dass Waew nicht abgeschoben wurde und vorübergehend
im Familienzufluchtsheim Banglamung unterkam. Im September 2004 überreichten
Rudi Hofer, Elfi Seitz und ich dafür einen Scheck an Direktor Pisit von der
Familienzuflucht.
Bald danach organisierte der Rotary Club Eastern Seaboard die ersten
Wiederherstellungsoperationen. Dafür konnte einer der besten
Schönheitschirurgen Thailands gewonnen werden. Dr. Preeda Itthithammaboon
ist der Leiter der Abteilung für plastische und wiederherstellende
Operationen in Ubon Ratchathanis Regionalkrankenhaus Sappasittiprasong. Da
für Eingriffe wie diesen das Einverständnis der Eltern benötigt wird, reiste
Direktor Pisit persönlich nach Kambodscha, um diese Unterschriften
einzuholen.
Im Oktober 2004 hieß es für Waew Abschied nehmen von ihren Freunden in der
Familienzuflucht. Bis zum August 2006 blieb sie in Ubon Ratchathani, wo sie
bestens umsorgt wurde. Während dieser Zeit führte Dr. Preeda sechs
langwierige Operationen durch, die insgesamt 180.000 Baht kosteten, aber
deutliche Verbesserungen für Waew brachten. Aufgrund der Schwere der
Verletzungen und der schlechten ärztlichen Versorgung direkt nach dem
Unglück, ist leider eine vollständige Wiederherstellung unmöglich. Weitere
Eingriffe werden aber wegen durch Wachstum bedingter Veränderungen folgen.
Nach über zwei Jahren in Thailand konnte Waew im August 2006 durch die
Mithilfe der thailändischen und kambodschanischen Behörden in ihre Heimat
zurückkehren. Khmer-Behörden entschieden in Anbetracht ihrer traurigen
Geschichte, dass Waew nicht bei ihren Eltern, sondern in einem staatlichen
Heim unterkommt.
Dies veranlasste Horst Schweitzer, in Kambodscha nach Alternativen zu
suchen. Zusammen mit dem deutschen Botschafter stieß er auf das Sunshine
Children’s Village – eine Einrichtung mit exzellentem Ruf, die von der
australisch-kambodschanischen Stiftung geleitet wird. Gerald Trevor ist
Vorsitzender und Landesdirektor der Stiftung, die nahe Phnom Penh und in
Siem Reap zu finden ist. In Sihanoukville entsteht zurzeit eine dritte
Einrichtung.
Die Stiftung hat sehr gute Verbindungen zur Regierung und wird von
Premierminister Hun Sen unterstützt. Nachdem der Kontakt hergestellt war,
reiste Gerald nach Thailand, um Waew zu treffen. Als er sie sah, stimmte er
sofort zu. Seit diesem Zeitpunkt hat Waew eine neue Heimat gefunden.
Wiedersehen
mit Waew
Am 27. Oktober 2007 brachen meine beiden Freunde Rudolf Hofer, Österreichs
Konsul in Pattaya, und Horst Schweitzer, unser Hauptsponsor aus Deutschland,
mit mir zu einem dreitägigen Ausflug nach Kambodscha auf, um „unser
Mädchen“, die kleine Waew, zu besuchen.
Kurz nach der Landung in Phnom Penh treffen wir Gerald Trevor. Wir waren
sprachlos, als er uns erzählte, wie die weitere Zukunft von Waew aussehen
wird. Waew wird innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Australien reisen,
um sich in einem der besten Krankenhäuser des Landes weiteren
wiederherstellenden Eingriffen zu unterziehen. Bis zu sechs Monate wird sie
in Australien bleiben dürfen. Außerdem wird sie in etwa vier Jahren –
vorausgesetzt sie besteht die Aufnahmeprüfungen – ein Stipendium der
australisch-kambodschanischen Stiftung erhalten, um in Australien ihre
Schulbildung fortzuführen. Nie hätten wir uns mehr für unsere arme Waew
erträumen lassen!
Jeder, der Waew kennt, kann bestätigen, dass das heute etwa zwölfjährige
Mädchen ungewöhnlich talentiert ist. Es scheint so, als würden ihr Charme
und ihre sozialen Fähigkeiten all das kompensieren, was ihr das Feuer
genommen hat. Nach über einem Jahr im Sunshine Children’s Village wird immer
deutlicher, wie intelligent Waew ist. Mit ihrem Können hat sie theoretisch
eine sichere Zukunft vor sich. Um dies aber umzusetzen, ist sie auf viel
praktische Hilfe angewiesen.
Um sie für ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten, schlug Gerald vor, dass
Waew das ACE besucht, das als bestes englischsprachiges Institut in Phnom
Penh gilt. Es bietet vier Kurse pro Jahr an, die jeweils 125 US-Dollar
kosten. Nach ihrer Rückkehr aus Australien soll sie auf eine private
Englischschule der Khmer gehen. Die drei Kurse pro Jahr kosten zusammen
6.000 US-Dollar. Wir (und vor allem Horst als Hauptsponsor) waren mit diesem
hervorragenden Plan sofort einverstanden. Horst leistete sogleich die erste
2.500 Dollar-Spende für die Spezialausbildung. Weitere 7.000 Dollar sind
bereits vorhanden, und weitere Gelder sollen noch gesammelt werden. Gerald
wird ein separates Bankkonto für Waews Ausbildung in Kambodscha eröffnen.
Eine einfache Rechnung ergab, dass cirka 500 Dollar für die
Vorbereitungskurse vor Waews Abreise nach Australien benötigt werden. Die
dreijährige Ausbildung an der englischen Khmer-Schule kostet etwa weitere
18.000 Dollar. Von insgesamt 18.500 benötigten Dollar sind bereits 9.500
Dollar vorhanden. Die restlichen 9.000 Dollar sollten in den kommenden zwei
Jahren gesammelt werden, da die Gebühren vor dem Schulbeginn entrichtet
werden müssen.
Es wird nicht einfach sein, aber wir werden unser Bestes tun und sind davon
überzeugt, dass wir es schaffen werden. Waew hat sich diese Chance auf eine
gute Zukunft hart erarbeitet! Danke Gerald für all deine Mühen! Bitte helft
uns, Waew weiter zu helfen!
Spenden können, gegen Quittungen, bei Konsul Hofer im österreichischen
Konsulat (Tel. 081-9837417) abgegeben werden oder auch bei Elfi Seitz (Tel.
081 863 9014).

Im Oktober 2007 treffen Horst und Rudi Waew und
einige ihrer Freunde
im Sunshine Children’s Village.
Chakri Naruebet
bekommt neuen Anstrich
Patcharapol Panrak
Die HTMS Chakri Naruebet hat die Mahidol Adulyadej Marinewerft verlassen, um
sich einer Schönheitskur zu unterziehen.
Die
Chakri Naruebet verlässt die Werft.
Einen Monat lang hatten Touristen, Studenten und die Einwohner Pattayas
diesem Moment entgegengefiebert. Der Oberbefehlshaber des
Multifunktionsträgerschiffs der thailändischen Marine, Konteradmiral Soracha
Sornpratum, ließ alle Vorbereitungen rechtzeitig treffen, um die Gäste
möglichst bald begrüßen zu können.
Am 30. November war es dann so weit. Seit dem frühen Morgen hatten Soldaten
die letzten Vorbereitungen getroffen. Die komplette Gerätschaft wurde wieder
installiert, während der Pegel im Dock langsam anstieg. Am Nachmittag konnte
das Schiff dann die Werft verlassen.
Die HTMS Chakri Naruebet wurde auf der spanischen Bazan Werft gebaut und
1997 an Thailand übergeben. Laut Konteradmiral Prasittichai Sriwattana,
Direktor der Mahidol Adulyadej Marinewerft, lässt sich das Schiff im
Trockendock für verschiedene Aufgaben umrüsten. So kann es als Hubschrauber-
oder Flugzeugträger und für amphibische Operationen eingesetzt werden. Zudem
kann es für küstennahe und küstenferne Einsätze modifiziert werden.
Namensgeber für das Marineschiff ist König Bhumibol. Übersetzt bedeutet
Chakri Naruebet etwa „Herrscher der Chakri Dynastie“.
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