7. Jahrgang
Ausgabe Nr. 14

1. April - 7. April 2008
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Nichts Neues – nur alte Rezepte

Franz Schmid

Die neue Regierung will die etwas lahmende Wirtschaft Thailands ankurbeln. Dafür sollen 18 Milliarden Baht zur Verfügung gestellt werden, die als Entwicklungskredite an Dörfer vergeben werden sollen. Finanzminister Surapong Suebwonglee sagte, über 78.000 Dörfer könnten diese Kredite erhalten, wobei ein lokales Komitee die Kredite billigen soll. Die Kreditsumme für jedes Dorf liegt zwischen 50.000 und 350.000 Baht. Dieser finanzpolitische Zug erinnert an die populistische Politik des gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra, der seinerzeit jedem Dorf einen Kredit von einer Million Baht anbot.
So wie die ehemalige Regierung Thaksin ist wohl auch die neue Regierung der Meinung, unerwünschte Wirkungen von Konjunkturzyklen könnten durch Steuerung von Geldmenge und Staatsausgaben vermieden werden. Dieses Rezept wurde tatsächlich in den 1960er Jahren erfolgreich angewandt. Doch die Welt hat sich gewandelt und damit auch die wirtschaftlichen Mechanismen. Die Globalisierung fordert ihren Tribut, Thailand ist da keine Ausnahme.
Der 1-Million-Kredit damals hat keinen wirtschaftlichen Aufschwung in die Dörfer gebracht. Mit derart kleinen Beträgen können weder eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur noch neue dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden. Zwar werden zahlreiche Dorfvorsteher diesen kleinen Geldsegen lebhaft begrüßen, doch die erhoffte Wirkung wird verpuffen. Der von der Regierung Thaksin ausgelöste Wirtschaftsboom stand auf wackligen Füßen, eine hohe Verschuldung der öffentlichen Hand und der privaten Haushalte waren die Folge.
Was wurde mit dem Geld damals überhaupt gemacht, wofür wurde es ausgegeben? Wurden sinnvolle Investitionen getätigt? Alles dies ist schwer nachzuvollziehen. In Erinnerung bleibt nur, dass in manchen Dörfern die Anzahl der Mopeds und elektronischer Unterhaltungsgeräte stieg.
Noch immer ist Thailand ein traditionelles Agrarland. Fast 50 Prozent der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Jedoch erwirtschaften diese nur 9 Prozent des Bruttosozialprodukts. Es scheint so, als ob man sich mit dem neuen Kreditangebot bei den Leuten auf dem flachen Land für die hohe Zustimmung bei den Wahlen im Dezember bedanken will. Ob das letztlich zu einem erhofften Wirtschaftsaufschwung gerade bei diesem Personenkreis führt, ist mehr als fraglich.
Der Staat sollte stattdessen gezielt in Infrastrukturmaßnahmen investieren, die allen zugute kommen, wie zum Beispiel moderne Verkehrsverbindungen und die Sicherstellung von genügend Trinkwasser und Bildungseinrichtungen. Kleine „Geldgeschenke“ an Sympathisanten erhalten zwar die Freundschaft, doch an der Lage der Landbevölkerung ändert das wenig oder gar nichts. Die Bauern stöhnen unter gestiegenen Kosten von Düngemitteln und dem Preisverfall landwirtschaftlicher Produkte. Wenn die Regierung diese Probleme in den Griff bekäme, würde dies eine wirkliche Verbesserung der Lebensumstände dieser Bevölkerungsschicht bringen. Aber Bargeld auf die Hand ist eben publikumswirksamer als harte politische Arbeit.


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