7. Jahrgang
Ausgabe Nr. 19

6. Mai - 12. Mai 2008
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Helm ab zum Sterben!

Franz Schmid

Pattaya ist eine betriebsame Stadt. Geschäftiges Treiben herrscht die ganze Woche über; jeder will so schnell wie möglich von Punkt A zu Punkt B gelangen. Die Motorradfahrer der Stadt sind da keine Ausnahme. Manche haben noch nicht einmal die Zeit, ihren Helm an ihrem Kopf festzuzurren. Ist man als motorisierter Verkehrsteilnehmer unterwegs, fällt dieses auf, wenn man genau hinschaut, was da so alles auf der Straße liegt: Badelatschen, Regenschirme, Handschuhe und natürlich Motorradhelme, die während der Fahrt verloren wurden. Dass sie liegen bleiben, liegt wohl daran, dass die Fahrer keine Zeit haben, sie aufzulesen. Dabei ist es doch seit einiger Zeit Pflicht, einen Helm zu tragen. Darin wird man immer erinnert, wenn die Polizei (meist kurz vor Ultimo) an strategisch günstigen Stellen steht und darüber wacht, dass diese Vorschrift auch eingehalten wird. Die Polizei treibt nicht nur die zu erwartende Auffüllung der Stadtkasse auf die Straße, sondern auch die Sorge vor lebensbedrohlichen Verletzungen bei Verkehrsunfällen. Wie jeder weiß, ist ein Motorradfahrer gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern (außer Fußgängern) sehr großen Gefahren ausgesetzt, da 1. das Motorrad keine Knautschzone hat, 2. er Hindernissen nicht so gut ausweichen kann wie ein schnelles Auto, 3. er aufgrund seiner Größe leicht übersehen werden kann, und 4. seine Geschwindigkeit leicht unterschätzt werden kann.
Bei näherer Betrachtung dieser Problematik, warum die Helme einfach auf der Straße liegen bleiben, kann man aber auch zu anderen Schlüssen kommen. Beim Tragen eines Helmes ist vor allem auf eine gute Passform zu achten. Der Helm sollte fest sitzen, aber nicht drücken, und das Befestigungsband sollte nicht den Hals einschnüren, da es dann zu Atembeschwerden kommen kann. Motorradtaxis zum Beispiel liegen in der Pflicht, für ihre Passagiere einen Helm zur Verfügung zu stellen. Und da beginnen die Schwierigkeiten! Denn welcher Motorradfahrer hat schon für alle unterschiedlichen Kopfformen einen Helm parat?
Not macht erfinderisch, und so wird eben der Helm nur leicht übergestülpt, mit einer Hand festgehalten und ab geht die verwegene Fahrt, denn Zeit ist Geld. Kommt Sturm auf oder die Fahrt ist so rasant geworden, dass der Passagier oder auch der Fahrer selbst, sich mit beiden Händen am Motorrad festhalten muss, ist es geschehen: der Helm kullert auf die Straße, ärgerliches Hupen ist die Folge. Ein Helm kann sehr wohl in eine Autoscheibe knallen oder anderes Unbill verursachen. Das Hupen ist also mehr als gerechtfertigt. Bei dem dichten Verkehr ist Anhalten nun unmöglich, der Helm wird als uneinbringbar abgeschrieben. Merkwürdigerweise haben Helme dieser Art eine ziemlich unauffällige Farbe, die ins Graue tendiert und auf einen Billigimport aus China schließen lässt. Inwieweit diese Helme dann von einem anderen Motorradtaxifahrer aufgelesen werden, lässt sich schwer abschätzen. Aber es hat den Anschein, als sei hier eine Art Rotation der Besitzverhältnisse im Gang (achten Sie auf die Farbe des Helms, wenn Sie nächstes Mal ein Motorrad besteigen). Aber vielleicht sind meine Annahmen nur reine Spekulation, denn was wissen wir schon vom unergründlichen Asien?


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