7. Jahrgang
Ausgabe Nr. 34

19. August - 25. August 2008
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Ein thailändischer Deutschlehrer

 

Ein thailändischer Deutschlehrer

Michael Albers

Somkitt Choengtong erblickte am 13. November 1940 in Surat Thani in Süd-Thailand das Licht der Welt. Seine Eltern waren beide erfolgreich kaufmännisch tätig, was Somkitt eine Schulausbildung an der Thai-Deutschen Technischen Schule in Bangkok ermöglichte. Dort war er einer von nur 50 Schülern aus dem ersten Jahrgang dieser Schule überhaupt. Der damalige deutsche Schuldirektor pflegte gute Kontakte nach Deutschland und vermittelte Somkitt im Alter von 22 Jahren nach dem Schulabschluss eine Arbeitsstelle bei einem Hersteller von Aufzügen in Stuttgart.
Gleich mit seinem ersten zaghaften Versuch, eine Freundin zu finden, scheiterte Somkitt. Als er auf der Cannstatter Was’n eine hübsche Dame höflich fragte, ob er sie nach Hause begleiten dürfe, antwortete sie: „Noi, noi! I gang alloi hoim!“ Natürlich hatte er kein Wort verstanden, doch dies schürte seine Motivation nur weiter. Er paukte also kräftig Deutsch, um sich besser in die Gesellschaft integrieren zu können. Dabei ging er des Öfteren mit Kopfhörern ins Bett und ließ sich zu Deutsch-Vokabeln vom Band in den Schlaf wiegen.

Somkitt Choengtong.

Anderthalb Jahre später zog es Somkitt noch weiter in den Süden - nach Konstanz am Bodensee. Sein Deutsch war inzwischen so gut, dass er die Aufnahmeprüfung für die Technische Hochschule bestand. Vier Jahre später (inklusive einem Jahr Vorstudium) verließ er diese als Diplomingenieur in der Fachrichtung Elektronik. Über einen Freund kam er dann an eine Stelle bei der Siemens AG. Schon wieder durfte er umziehen, diesmal nach Berlin. Acht Jahre lang arbeitete Somkitt in der Entwicklung bei Siemens. Hier bewährte er sich zum ersten Mal als Sprachlehrer. Er half seinen Landsleuten, ihre Kenntnisse über die deutsche Sprache zu vertiefen und unterrichtete auch Thai für Deutsche. Geld verlangte er hierfür nicht von seinen Landsleuten - er tat es alleine aus Liebe zur Sprache und aus Dankbarkeit für ein zufriedenes Leben.
Nach acht Jahren bei Siemens, in welchen sich zum Ende hin die Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vorgesetzten häuften, wagte Somkitt den Schritt in die Selbständigkeit. Anfang der 80er Jahre eröffnete er ein Thai-Restaurant (das 3. in Berlin) und managte dieses lange und äußerst erfolgreich. Sein Erfolgsrezept war, seinen Gästen die Thai-Küche möglichst originalgetreu anzubieten, anstatt sie dem deutschen Gaumen anzupassen. Doch nach acht Jahren wurde die Konkurrenz zu groß, denn auch andere Geschäftsleute wurden auf diese „Marktlücke“ aufmerksam. Somkitt schloss sein Restaurant und konnte es sich leisten, die nächsten Jahre von seinen Ersparnissen und Lehrtätigkeiten zu leben.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen der deutschen und der thailändischen Kultur hatte Somkitt schon früh erkannt. Es gibt viele Reibungspunkte, was sich auch in seinem Verhältnis zu einer deutschen Frau widerspiegelte. Als die Beziehung in die Brüche ging, nahm sich Somkitt vor, gegen die kulturellen Differenzen und insbesondere gegen die gegenseitigen Vorurteile (Deutsche sind besserwisserisch, Thais sind faul) etwas zu unternehmen. Dies ist ein zentraler Punkt, den er beim Unterrichten stets im Auge behält.
In seiner Freizeit widmete er sich nun verstärkt dem Sprachunterricht. Gleich der erste Deutsche, der bei ihm Thai lernte, war und ist bis heute sein bester Schüler. Heute leitet dieser sogar eine eigene Sprachschule - und das, wie es der Zufall will, in Pattaya! Hin und wieder hilft Somkitt bei ihm aus, wenn er gerade mal wieder im Lande ist. Nach über 40 Jahren in Deutschland traut sich Somkitt zu, selbst Deutschen Deutsch beibringen zu können. Die Umgangssprache ist grammatisch nicht immer korrekt, woran sich Somkitt als Perfektionist stört. Als er zum Beispiel bei einer Bahnreise den Satz „Der Zug endet hier!“ hörte, wurde ihm ganz mulmig. Weitere Beispiele: „Der Bus fährt über den Bahnhof“ oder, etwas subtiler, „Wie kommt man zum Bahnhof?“
Heute genießt Somkitt seinen Ruhestand in Deutschland. Sein Nachname Choengtong heißt übrigens wörtlich übersetzt: „am Rande des Goldes“. „Leider nur am Rande“, wie er meint. Jedes Jahr reist er für einige Monate zurück in seine alte Heimat, besucht Verwandte und Freunde und lebt das Leben. Immer noch juckt es ihn in den Fingern, Missstände auszuräumen und zur Integration beizutragen. Ein wesentlicher Bestandteil nimmt seiner Meinung nach das Erlernen der Sprache des jeweiligen Landes ein. Deshalb ist er auch während seines „Urlaubs“ in Thailand stets bereit, seine Kenntnisse zu vermitteln. Er hat sogar selbst Lehrbücher zum Erlernen beider Sprachen zusammengestellt, inklusive Lautschrift und ausführlicher Erklärung der grammatischen Strukturen, denn seine Devise lautet: Die wirklich sichere Beherrschung einer Sprache ist ohne Einsicht in ihr Regelsystem nicht möglich.
Den Leitspruch „Learning is fun“ findet er natürlich wunderbar, aber der Spaß hört schon bald auf, wenn Schüler feststellen, dass Begriffe wie Nominativ, Akkusativ, Dativ, etc. für sie noch fremd sind. Für viele ist es auch schwer, zu verstehen, warum es sowohl „die Frau“ als auch „der Frau“ heißen kann.
Deshalb lädt Somkitt alle, die grammatisch korrektes Thai oder Deutsch erlernen möchten, ein, sich bei ihm zu melden. Sein Ziel bleibt weiterhin, zum Abbau der allgemeinen Vorurteile sowie zur Integration beizutragen.
Noch bis Mitte November wird Somkitt in Pattaya verweilen. Wer also Interesse an privatem Deutsch- und Thaiunterricht für einen geringfügigen Beitrag hat, der kann sich unter 081 147 0018 (Thailand) und +49 160 92 43 3547 (Deutschland) informieren.



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