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Ein thailändischer Deutschlehrer
Michael Albers
Somkitt Choengtong erblickte am 13. November 1940 in Surat Thani in
Süd-Thailand das Licht der Welt. Seine Eltern waren beide erfolgreich
kaufmännisch tätig, was Somkitt eine Schulausbildung an der Thai-Deutschen
Technischen Schule in Bangkok ermöglichte. Dort war er einer von nur 50
Schülern aus dem ersten Jahrgang dieser Schule überhaupt. Der damalige
deutsche Schuldirektor pflegte gute Kontakte nach Deutschland und
vermittelte Somkitt im Alter von 22 Jahren nach dem Schulabschluss eine
Arbeitsstelle bei einem Hersteller von Aufzügen in Stuttgart.
Gleich mit seinem ersten zaghaften Versuch, eine Freundin zu finden,
scheiterte Somkitt. Als er auf der Cannstatter Was’n eine hübsche Dame höflich
fragte, ob er sie nach Hause begleiten dürfe, antwortete sie: „Noi, noi! I gang
alloi hoim!“ Natürlich hatte er kein Wort verstanden, doch dies schürte seine
Motivation nur weiter. Er paukte also kräftig Deutsch, um sich besser in die
Gesellschaft integrieren zu können. Dabei ging er des Öfteren mit Kopfhörern ins
Bett und ließ sich zu Deutsch-Vokabeln vom Band in den Schlaf wiegen.
Somkitt
Choengtong.
Anderthalb Jahre später zog es Somkitt noch weiter in den Süden - nach
Konstanz am Bodensee. Sein Deutsch war inzwischen so gut, dass er die
Aufnahmeprüfung für die Technische Hochschule bestand. Vier Jahre später
(inklusive einem Jahr Vorstudium) verließ er diese als Diplomingenieur in
der Fachrichtung Elektronik. Über einen Freund kam er dann an eine Stelle
bei der Siemens AG. Schon wieder durfte er umziehen, diesmal nach Berlin.
Acht Jahre lang arbeitete Somkitt in der Entwicklung bei Siemens. Hier
bewährte er sich zum ersten Mal als Sprachlehrer. Er half seinen
Landsleuten, ihre Kenntnisse über die deutsche Sprache zu vertiefen und
unterrichtete auch Thai für Deutsche. Geld verlangte er hierfür nicht von
seinen Landsleuten - er tat es alleine aus Liebe zur Sprache und aus
Dankbarkeit für ein zufriedenes Leben.
Nach acht Jahren bei Siemens, in welchen sich zum Ende hin die
Meinungsverschiedenheiten mit seinem Vorgesetzten häuften, wagte Somkitt den
Schritt in die Selbständigkeit. Anfang der 80er Jahre eröffnete er ein
Thai-Restaurant (das 3. in Berlin) und managte dieses lange und äußerst
erfolgreich. Sein Erfolgsrezept war, seinen Gästen die Thai-Küche möglichst
originalgetreu anzubieten, anstatt sie dem deutschen Gaumen anzupassen. Doch
nach acht Jahren wurde die Konkurrenz zu groß, denn auch andere
Geschäftsleute wurden auf diese „Marktlücke“ aufmerksam. Somkitt schloss
sein Restaurant und konnte es sich leisten, die nächsten Jahre von seinen
Ersparnissen und Lehrtätigkeiten zu leben.
Die wesentlichen Unterschiede zwischen der deutschen und der thailändischen
Kultur hatte Somkitt schon früh erkannt. Es gibt viele Reibungspunkte, was
sich auch in seinem Verhältnis zu einer deutschen Frau widerspiegelte. Als
die Beziehung in die Brüche ging, nahm sich Somkitt vor, gegen die
kulturellen Differenzen und insbesondere gegen die gegenseitigen Vorurteile
(Deutsche sind besserwisserisch, Thais sind faul) etwas zu unternehmen. Dies
ist ein zentraler Punkt, den er beim Unterrichten stets im Auge behält.
In seiner Freizeit widmete er sich nun verstärkt dem Sprachunterricht.
Gleich der erste Deutsche, der bei ihm Thai lernte, war und ist bis heute
sein bester Schüler. Heute leitet dieser sogar eine eigene Sprachschule -
und das, wie es der Zufall will, in Pattaya! Hin und wieder hilft Somkitt
bei ihm aus, wenn er gerade mal wieder im Lande ist. Nach über 40 Jahren in
Deutschland traut sich Somkitt zu, selbst Deutschen Deutsch beibringen zu
können. Die Umgangssprache ist grammatisch nicht immer korrekt, woran sich
Somkitt als Perfektionist stört. Als er zum Beispiel bei einer Bahnreise den
Satz „Der Zug endet hier!“ hörte, wurde ihm ganz mulmig. Weitere Beispiele:
„Der Bus fährt über den Bahnhof“ oder, etwas subtiler, „Wie kommt man zum
Bahnhof?“
Heute genießt Somkitt seinen Ruhestand in Deutschland. Sein Nachname
Choengtong heißt übrigens wörtlich übersetzt: „am Rande des Goldes“. „Leider
nur am Rande“, wie er meint. Jedes Jahr reist er für einige Monate zurück in
seine alte Heimat, besucht Verwandte und Freunde und lebt das Leben. Immer
noch juckt es ihn in den Fingern, Missstände auszuräumen und zur Integration
beizutragen. Ein wesentlicher Bestandteil nimmt seiner Meinung nach das
Erlernen der Sprache des jeweiligen Landes ein. Deshalb ist er auch während
seines „Urlaubs“ in Thailand stets bereit, seine Kenntnisse zu vermitteln.
Er hat sogar selbst Lehrbücher zum Erlernen beider Sprachen
zusammengestellt, inklusive Lautschrift und ausführlicher Erklärung der
grammatischen Strukturen, denn seine Devise lautet: Die wirklich sichere
Beherrschung einer Sprache ist ohne Einsicht in ihr Regelsystem nicht
möglich.
Den Leitspruch „Learning is fun“ findet er natürlich wunderbar, aber der
Spaß hört schon bald auf, wenn Schüler feststellen, dass Begriffe wie
Nominativ, Akkusativ, Dativ, etc. für sie noch fremd sind. Für viele ist es
auch schwer, zu verstehen, warum es sowohl „die Frau“ als auch „der Frau“
heißen kann.
Deshalb lädt Somkitt alle, die grammatisch korrektes Thai oder Deutsch
erlernen möchten, ein, sich bei ihm zu melden. Sein Ziel bleibt weiterhin,
zum Abbau der allgemeinen Vorurteile sowie zur Integration beizutragen.
Noch bis Mitte November wird Somkitt in Pattaya verweilen. Wer also
Interesse an privatem Deutsch- und Thaiunterricht für einen geringfügigen
Beitrag hat, der kann sich unter 081 147 0018 (Thailand) und +49 160 92 43
3547 (Deutschland) informieren.
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