7. Jahrgang
Ausgabe Nr. 43

21. Oktober - 27. Oktober 2008
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Welchen Wert hat ein Gütezeichen?

Franz Schmid

„Made in Germany“ steht für Qualität. Diesen Ruf, hochwertige Produkte herzustellen, hat Deutschland seit über 120 Jahren verteidigen können. Diese Warenbezeichnung wurde 1887 in Großbritannien eingeführt, um britische Konsumenten vor den als minderwertig geltenden Waren aus Deutschland zu schützen. Das Gegenteil ist eingetreten. Das „Made in“ hat also, woher es auch kommen mag, seinen Ruf zu verteidigen.
Wenn der Konsument heute auf einer Ware „Made in China“ entdeckt, ist er gemischten Gefühlen ausgesetzt, zu stark ist das Ansehen chinesischer Produkte erschüttert worden. Rückrufaktionen bei Spielzeug, Milchprodukten, Bonbons und anderen Lebensmitteln sind in frischer Erinnerung. Nun kommt auch noch ans Tageslicht, dass das bei der versuchten Auflösung einer Demonstration von Regierungsgegnern am 7. Oktober in Bangkok durch die Polizei eingesetztes Tränengas aus China mit Explosivstoffen vermischt war. Tränengas ist zwar kein herkömmlicher Verbrauchsartikel, aber die Wirkung war wohl stärker als von der Polizei beabsichtigt. Eine weitere Tragödie in dem unseligen Kapitel „Made in China“.
China hat sich zur globalen Produktionsstätte von Gütern aller Art entwickelt. Der ungebremste Wolfskapitalismus zeigt in diesem Land seine hässliche Fratze. Die Lohnkosten sind gering, der Profit groß. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte nimmt da auf ihrer Webseite kein Blatt vor den Mund. Da heißt es unter anderem: „China unterhält mit dem so genannten Laogai das weltweit größte System von Umerziehungs- und Arbeitslagern. Die chinesische Wirtschaftspolitik kalkuliert den Profit durch die Ausbeutung von Arbeitssklaven in den Lagern fest ein. Die Gefangenen müssen Höchstquoten erfüllen, um ihre tägliche Nahrung zu erhalten. Sie arbeiten unter menschenverachtenden Bedingungen, werden auf vielfältige Art misshandelt und ausgebeutet. Viele Zwangsarbeiter sind gefangen, obschon ihnen kein rechtsstaatlicher Prozess gemacht wurde, es keine Anklage gab und keine Verteidigung. Dies gilt besonders für die in China beherrschten Tibeter und Uiguren, für chinesische Christen, Falun Gong-Praktizierende, Demokraten und Gewerkschafter.“
Viele verantwortungsbewusste Konsumenten wissen um diese Dinge und halten beim Einkauf nach Alternativen Ausschau. Manche rufen sogar nach einem generellen Boykott chinesischer Waren. Aber wie wirklichkeitsnah ist das? Gerade bei Geräten der Kommunikationstechnologie, die heute zur Standardausrüstung jeden Haushalts zählen, scheint dies unmöglich zu sein. Ob Computer, DVD-Spieler, Radios oder Fernseher, alles „Made in China“. Taschenrechner, die heutzutage jedes Schulkind braucht, werden fast ausschließlich in China hergestellt. Ähnlich sieht es bei Handys, Schuhen, Kleidung, Glühbirnen und Sportartikeln aus.
Die Produktionswut und die Profitsucht chinesischer Hersteller kennt keine Grenzen, noch nicht einmal ideologische. Im April dieses Jahres wurden in einer Fabrik in Südchina Flaggen mit der Aufschrift „Freies Tibet“ gefunden. Den Auftrag dazu gab die tibetische Exilregierung. Von Ethik oder Patriotismus also keine Spur.
„Made in China“ steht heute für Billigprodukte, Ramsch und teilweise Plagiate, es ist schon lange kein Gütezeichen mehr, wenn es jemals eins gewesen ist. Der Verbraucher ist dem hilflos ausgeliefert, er hat kaum eine andere Wahl, leider!


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