
Kegelschnecken.
Frank Jörg Richter
Dritter Teil
Kegelschnecken (Conidae): Diese Tiere haben am Ende ihres Rüssels einen
hohlpfeilartigen Chitinzahn, der wie ein Stilett mit Widerhaken wirkt. Er
steht mit einer Giftdrüse in Verbindung, deren lähmendes Sekret die
entsprechenden Beutetiere (Würmer, Fische Schnecken) lähmt oder tötet.
Kegelschnecken kommen im gesamten Indo-Pazifik vor - übrigens auch im
Mittelmeer. Wer als Taucher oder Schnorchler eines dieser oft schön
gemusterten Gehäuse entdeckt, sollte es liegen lassen. Im anderen Fall kann
er leicht mit dem mit Gift gefüllten Radulazahn Bekanntschaft machen, der
aus dem langen biegsamen Rüssel abgeschossen wird. Da die Kegelschnecken des
Mittelmeers nur bis etwa sechs Zenitmeter groß werden und ihre Giftwirkung
gering ist, gefährden sie Menschen allerdings kaum. Anders ist es bei den
wesentlich größeren tropischen Arten. Sehr gefährlich sind
Conus tulipa, Conus magnus, Conus marmoreus, Conus geographus
und Conus textile, deren Stiche wie Wespenstiche brennen.
Abhilfe: Wer von
einer Kegelschnecke gestochen wird, muss sofort auftauchen und (in
Begleitung!) zum Ufer beziehungsweise zum Schiff zurück schwimmen. Bei
starker Giftinjizierung können die ersten Lähmungserscheinungen der Muskeln
und Atemwege schon nach wenigen Minuten einsetzen. Auch einen Zusammenbruch
des Kreislaufs und Atemstillstand können Stiche zur Folge haben. Die
gestochene, inzwischen wahrscheinlich gefühllose Stelle muss ständig gekühlt
werden. Starker Kaffee oder andere das Zentralnervensystem anregende Mittel
sind als erste Hilfe zu empfehlen. Mund-zu-Mund-Beatmung kann notwendig
werden, wenn der Betroffene ins Koma fallen sollte, was bei einer hohen
Giftdosis vorkommen kann.
Muräne
mit Putzgarnele.
Muränen (Muraenidae):
Im Mittelmeer werden die schlangenähnlichen Tiere, die auf Felsgrund leben,
bis etwa 1,50 m lang. In tropischen Meeren sind dagegen Längen von zwei bis
drei Metern keine Seltenheit. Greift man aus Versehen in ein Loch oder eine
Felsspalte, die von einer Muräne bewohnt ist, kann sie sich an ihrem „Feind“
so festbeißen, dass der Kopf mit einem Messer vom Rumpf getrennt werden
muss. Der Biss ist im eigentlichen Sinne nicht giftig, doch ruft das in den
Schleimhäuten an den Zahntaschen enthaltene Eiweiß manchmal eine kräftige
Abwehrreaktion hervor. Muränen sind in allen tropischen Meeren zu Hause.
Die meisten Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Im Roten Meer kann man es
immer wieder erleben, dass Muränen Tauchern entgegen schwimmen, um auf etwas
Fressbares zu hoffen. Schon mancher Anfänger ist in Panik verfallen und zu
schnell aufgetaucht.
Abhilfe: Nicht
füttern! Bisswunde durch die hakenähnlichen, kräftigen Zähne mit Süßwasser
reinigen, desinfizieren und eventuell durch einen Arzt nähen lassen.
Petermännchen
(Trachinidae): Bei verschiedenen Fischarten stehen die Dornen der
Kiemendeckel und die Stachelstrahlen der Flossen mit Giftdrüsen in
Verbindung. Dazu zählen die im Mittelmeer vorkommenden Queisen der Gattung
Trachinus, auch Petermännchen genannt. Das „Gewöhnliche
Petermännchen“ (Trachinus draco) und das „Strahlen-Petermännchen“
(Trachinus radiatus), erreichen eine Länge von 40 bis 50 cm. Sie leben
auf sandigem Grund und lauern hier, meist bis auf die Augen oder den Kopf
eingegraben, auf Beute. Die gefährlichste Art ist die Viperqueise, die kaum
länger als 20 cm wird. Sie ist schon in seichtem Wasser in unmittelbarer
Ufernähe anzutreffen. Schwimmer und Strandwanderer sind daher mehr als
Sporttaucher gefährdet. Kommt ein Wanderer auf den Fisch zu, so schwimmt er
meist nicht weg, sondern spreizt die giftbewehrten Strahlen der
Rückenflossen. Das starke Gift befindet sich in den fünf bis sieben Stacheln
der ersten Rückenflosse und in den Kiemendeckelstacheln. Es handelt sich
dabei um ein Nervengift auf Eiweißbasis, das das Gewebe angreift und eine
zersetzende Wirkung auf das Blut hat. Der brennende Schmerz am Anfang klingt
meist innerhalb von 24 Stunden ab. Um die Einstichstelle herum schwillt das
Gewebe an. Die Schwellung geht häufig erst nach drei bis vier Wochen zurück.
Brechreiz, Atemnot, Fieber und Herzbeschwerden können als Folge eines
Stiches auftreten. Die verschiedenen Petermännchen-Arten gelten als die
giftigsten und daher als die gefährlichsten Fische des Mittelmeeres.
Jährlich gibt es viele Unfälle. Sie kommen aber auch im Schwarzen Meer, der
Nordsee und dem östlichen Atlantik von Norwegen bis Westafrika vor.
Abhilfe: Eine
Stichwunde sollte sofort ausgesaugt werden. Anschließend mit möglichst
heißem Wasser betupfen, da derartige Gifte bei Temperaturen zwischen 50 bis
70 Grad ihre Wirkung verlieren. Betroffene müssen sofort einen Arzt
aufsuchen.