8. Jahrgang
Ausgabe Nr. 2

13. Januar - 19. Januar 2009
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Vor schönen Tieren wird gewarnt

 

Vor schönen Tieren wird gewarnt

Kegelschnecken.

Frank Jörg Richter
Dritter Teil

Kegelschnecken (Conidae): Diese Tiere haben am Ende ihres Rüssels einen hohlpfeilartigen Chitinzahn, der wie ein Stilett mit Widerhaken wirkt. Er steht mit einer Giftdrüse in Verbindung, deren lähmendes Sekret die entsprechenden Beutetiere (Würmer, Fische Schnecken) lähmt oder tötet. Kegelschnecken kommen im gesamten Indo-Pazifik vor - übrigens auch im Mittelmeer. Wer als Taucher oder Schnorchler eines dieser oft schön gemusterten Gehäuse entdeckt, sollte es liegen lassen. Im anderen Fall kann er leicht mit dem mit Gift gefüllten Radulazahn Bekanntschaft machen, der aus dem langen biegsamen Rüssel abgeschossen wird. Da die Kegelschnecken des Mittelmeers nur bis etwa sechs Zenitmeter groß werden und ihre Giftwirkung gering ist, gefährden sie Menschen allerdings kaum. Anders ist es bei den wesentlich größeren tropischen Arten. Sehr gefährlich sind Conus tulipa, Conus magnus, Conus marmoreus, Conus geo­gra­phus und Conus textile, deren Stiche wie Wespenstiche brennen.
Abhilfe:
Wer von einer Kegelschnecke gestochen wird, muss sofort auftauchen und (in Begleitung!) zum Ufer beziehungsweise zum Schiff zurück schwimmen. Bei starker Giftinjizierung können die ersten Lähmungserscheinungen der Muskeln und Atemwege schon nach wenigen Minuten einsetzen. Auch einen Zusammenbruch des Kreislaufs und Atemstillstand können Stiche zur Folge haben. Die gestochene, inzwischen wahrscheinlich gefühllose Stelle muss ständig gekühlt werden. Starker Kaffee oder andere das Zentralnervensystem anregende Mittel sind als erste Hilfe zu empfehlen. Mund-zu-Mund-Beatmung kann notwendig werden, wenn der Betroffene ins Koma fallen sollte, was bei einer hohen Giftdosis vorkommen kann.

Muräne mit Putzgarnele.

Muränen (Muraenidae):
Im Mittelmeer werden die schlangenähnlichen Tiere, die auf Felsgrund leben, bis etwa 1,50 m lang. In tropischen Meeren sind dagegen Längen von zwei bis drei Metern keine Seltenheit. Greift man aus Versehen in ein Loch oder eine Felsspalte, die von einer Muräne bewohnt ist, kann sie sich an ihrem „Feind“ so festbeißen, dass der Kopf mit einem Messer vom Rumpf getrennt werden muss. Der Biss ist im eigentlichen Sinne nicht giftig, doch ruft das in den Schleimhäuten an den Zahntaschen enthaltene Eiweiß manchmal eine kräftige Abwehrreaktion hervor. Muränen sind in allen tropischen Meeren zu Hause.  Die meisten Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Im Roten Meer kann man es immer wieder erleben, dass Muränen Tauchern entgegen schwimmen, um auf etwas Fressbares zu hoffen. Schon mancher Anfänger ist in Panik verfallen und zu schnell aufgetaucht.
Abhilfe:
Nicht füttern! Bisswunde durch die hakenähnlichen, kräftigen Zähne mit Süßwasser reinigen, desinfizieren und eventuell durch einen Arzt nähen lassen.
Petermännchen (Trachinidae):
Bei verschiedenen Fischarten stehen die Dornen der Kiemendeckel und die Stachelstrahlen der Flossen mit Giftdrüsen in Verbindung. Dazu zählen die im Mittelmeer vorkommenden Queisen der Gattung Trachinus, auch Petermännchen genannt. Das „Gewöhnliche Petermännchen“ (Trachinus draco) und das „Strahlen-Petermännchen“ (Trachinus radiatus), erreichen eine Länge von 40 bis 50 cm. Sie leben auf sandigem Grund und lauern hier, meist bis auf die Augen oder den Kopf eingegraben, auf Beute. Die gefährlichste Art ist die Viperqueise, die kaum länger als 20 cm wird. Sie ist schon in seichtem Wasser in unmittelbarer Ufernähe anzutreffen. Schwimmer und Strandwanderer sind daher mehr als Sporttaucher gefährdet. Kommt ein Wanderer auf den Fisch zu, so schwimmt er meist nicht weg, sondern spreizt die giftbewehrten Strahlen der Rückenflossen. Das starke Gift befindet sich in den fünf bis sieben Stacheln der ersten Rückenflosse und in den Kiemendeckelstacheln. Es handelt sich dabei um ein Nervengift auf Eiweißbasis, das das Gewebe angreift und eine zersetzende Wirkung auf das Blut hat. Der brennende Schmerz am Anfang klingt meist innerhalb von 24 Stunden ab. Um die Einstichstelle herum schwillt das Gewebe an. Die Schwellung geht häufig erst nach drei bis vier Wochen zurück. Brechreiz, Atemnot, Fieber und Herzbeschwerden können als Folge eines Stiches auftreten. Die verschiedenen Petermännchen-Arten gelten als die giftigsten und daher als die gefährlichsten Fische des Mittelmeeres. Jährlich gibt es viele Unfälle. Sie kommen aber auch im Schwarzen Meer, der Nordsee und dem östlichen Atlantik von Norwegen bis Westafrika vor.
Abhilfe:
Eine Stichwunde sollte sofort ausgesaugt werden. Anschließend mit möglichst heißem Wasser betupfen, da derartige Gifte bei Temperaturen zwischen 50 bis 70 Grad ihre Wirkung verlieren. Betroffene müssen sofort einen Arzt aufsuchen.



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