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8. Jahrgang
Ausgabe Nr.9

3. März - 9. März 2009
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Pattaya goes Culture

Lothar W.
Brenne-Wegener

Kunstausstellungen dienen unter dem Aspekt „sehen und gesehen werden“ in erster Linie dem Kennenlernen von Menschen und der Kontaktpflege unter Gleichgesinnten. Manchmal haben sie auch etwas mit der Präsentation von Kunst zu tun oder der Einführung von jungen oder bereits arrivierten Künstlern, die dem Vernehmen nach sogar eines oder auch mehrere ihrer Werke verkaufen.
Diese etwas schräge Charak­terisierung stammt nicht etwa aus Piroschka Dossi’s 2007 in München erschienenen Buch Hype! Kunst und Geld, sondern entsprach eher dem Eindruck, den ich am 31. Januar aus der „Gallery Opium“ mitnahm, wo die Eröffnung der Ausstellung „Inspiration from my friend’s spirit“ von Narong Wannasa stattfand. Dazu hatten sich etwa 120 Besucher in der Galerie versammelt, etwa 80 Prozent von ihnen Ausländer.
Ein Gespräch mit dem Betreiber der Galerie, Alan Kirkland-Roath, der selbst ein „Watercolour Artist“ ist, ließ mich nach der Kunstszene in Pattaya suchen.
Geschichte:
Die „Gallery Opium“ zeigt in der erwähnten Einzelausstellung Werke des Künstlers Narong Wannasa. Es gibt sie also doch in Pattaya, die echte, die kreative Kunst, die sich nicht aufs Anfertigen von billigen Kopien alter oder junger Meister oder dem in Öl gefertigten Konterfei für die Lieben daheim beschränkt. Narong gehört der jungen Thappraya Group an, so genannt nach der Thappraya Road, wo sich die Gruppe zunächst regelmäßig traf und nun ein Studio unterhält. Zu ihr gehören neben Narong auch Thawatchai Homthong, Vasin Suttikasem und Wasan Suttikasem. Im Oktober 2008 trat die Gruppe mit ihrer ersten Ausstellung „The Golden Kingdom“ in der „Silom Galleria“ in Bangkok an die Öffentlichkeit.

„Changing faces“ von Alan Kirkland-Roath.
5. Februar 2009:
Ich treffe mich mit Alan Kirkland-Roath zu einem Gedankenaustausch im Sheraton Pattaya Resort. Grund ist der Umstand, dass Alan gerade mit dem aus Bangkok stammenden Kritiker Brian Curtin in dem Hotel eine Ausstellung von Gegenwartskunst zusammengestellt hat. Unter dem Titel „New Eco­logies“ werden circa 150 Exponate von 28 verschiedenen Künstlern aus aller Welt präsentiert, darunter auch eine ganze Reihe Einheimischer.
„Eine Kunstszene wie in Europa gibt es weder in Pattaya noch anderswo in Thailand“, stellt Alan gleich zu Beginn fest. „Dazu müsste es ein engmaschiges Netz an Galerien geben, die, unterstützt durch Sponsoren, den Künstlern die Gelegenheit geben, ihre Werke auszustellen. In Deutschland gibt es keine größere Stadt, die nicht mindestens über eine Galerie verfügt. Ein Künstler muss auch von seiner Tätigkeit leben können! Das kann er in Thailand nicht!“ „Kann denn ein Galerist davon leben?“, werfe ich ein. Nein, auch das funktioniere nicht, erwidert Alan. Es gebe in Pattaya drei bis vier Galerien. Seine besteht seit vier Jahren, aber ohne die vielen Helfer, die aus reinem Enthusiasmus zur Kunst zur Verfügung stehen, käme man nicht weit, da zur gut funktionierenden Kunstszene ein verlässliches Sponsoring gehört, das auch Wagnisse eingeht. Als Galerist beurteile er nicht, was die Künstler für die Ausstellung anlieferten, sondern er wolle ihnen lediglich eine Chance geben. „Damit unterscheiden Sie sich grundsätzlich vom europäischen Markt, wo man manchmal den Eindruck hat, dass das Kunst ist, was der Galerist behauptet“, sage ich. Alan schmunzelt: „Wir stehen in Asien ja noch ganz am Anfang. Unser Ziel ist es zunächst einmal, Pattaya an die unterschiedlichsten Erscheinungsformen von Gegenwartskunst heranzuführen. Wir hoffen, daß wir aus der augenblicklichen Präsentation einmal eine jährliche Bilderschau machen können, die dann auch in Zusammenhang mit anderen, vergleichbaren Events in der Stadt gestellt werden kann!“
Auf meine Frage, warum die Ausstellung „New Ecologies“ heißt, erfahre ich, dass Pattaya, die „City of Variety“, wie sie sich selbst nennt, eine pulsierende und vibrierende, durch die Internationalität ihrer Gäste tatsächlich vielfältig geprägte Stadt sei, ständig auf der Suche nach sich selbst und einer eigenen Identität. Auf eben diesen Zustand beziehe sich „New Ecologies“, nämlich das ehemals verschlafene Fischerdorf Pattaya in Beziehung zu setzen mit der sich rasant entwickelnden Globalisierung, einschließlich aller damit verbunden Risiken und Nebenwirkungen.
Diese Vielfältigkeit, diese permanente Veränderung, die Verbindung von national und international werde durch die Unterschiedlichkeit der Exponate der Ausstellung geradezu exemplarisch dargestellt.
Die zu sehenden Ausstellungsobjekte werden in den unterschiedlichsten Bereichen des Hotels präsentiert. Immer wieder wandert der Blick von den Kunstobjekten auch auf die architektonischen Reize des Gebäudes und die faszinierende Umgebung, in die es hineingebaut wurde. Die meisten Exponate sind so in das Interieur des Hotels einschließlich dessen Wasserspiele integriert, als hätten sie nie anderswo gestanden oder gehangen. Es fällt schwer, von beidem nicht fasziniert zu sein. Dabei ist die Qualität der Ausstellungsstücke anspruchvoll und doch zugleich so unaufdringlich, dass es sich von allein versteht, keines auch nur besonders herauszustellen. Sie entspricht höchstem internationalem Standard und braucht keine Vergleiche zu scheuen.


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