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Pattaya goes Culture
Lothar W.
Brenne-Wegener
Kunstausstellungen
dienen unter dem Aspekt „sehen und gesehen werden“ in erster Linie dem
Kennenlernen von Menschen und der Kontaktpflege unter Gleichgesinnten.
Manchmal haben sie auch etwas mit der Präsentation von Kunst zu tun oder
der Einführung von jungen oder bereits arrivierten Künstlern, die dem
Vernehmen nach sogar eines oder auch mehrere ihrer Werke verkaufen.
Diese etwas schräge
Charakterisierung stammt nicht etwa aus Piroschka Dossi’s 2007 in
München erschienenen Buch Hype! Kunst und Geld, sondern entsprach
eher dem Eindruck, den ich am 31. Januar aus der „Gallery Opium“
mitnahm, wo die Eröffnung der Ausstellung „Inspiration from my friend’s
spirit“ von Narong Wannasa stattfand. Dazu hatten sich etwa 120 Besucher
in der Galerie versammelt, etwa 80 Prozent von ihnen Ausländer.
Ein Gespräch mit dem
Betreiber der Galerie, Alan Kirkland-Roath, der selbst ein „Watercolour
Artist“ ist, ließ mich nach der Kunstszene in Pattaya suchen.
Geschichte:
Die „Gallery Opium“
zeigt in der erwähnten Einzelausstellung Werke des Künstlers Narong
Wannasa. Es gibt sie also doch in Pattaya, die echte, die kreative
Kunst, die sich nicht aufs Anfertigen von billigen Kopien alter oder
junger Meister oder dem in Öl gefertigten Konterfei für die Lieben
daheim beschränkt. Narong gehört der jungen Thappraya Group an, so
genannt nach der Thappraya Road, wo sich die Gruppe zunächst regelmäßig
traf und nun ein Studio unterhält. Zu ihr gehören neben Narong auch
Thawatchai Homthong, Vasin Suttikasem und Wasan Suttikasem. Im Oktober
2008 trat die Gruppe mit ihrer ersten Ausstellung „The Golden Kingdom“
in der „Silom Galleria“ in Bangkok an die Öffentlichkeit.
„Changing
faces“ von Alan Kirkland-Roath.
5. Februar 2009:
Ich treffe mich mit Alan Kirkland-Roath zu einem Gedankenaustausch im
Sheraton Pattaya Resort. Grund ist der Umstand, dass Alan gerade mit dem
aus Bangkok stammenden Kritiker Brian Curtin in dem Hotel eine
Ausstellung von Gegenwartskunst zusammengestellt hat. Unter dem Titel
„New Ecologies“ werden circa 150 Exponate von 28 verschiedenen
Künstlern aus aller Welt präsentiert, darunter auch eine ganze Reihe
Einheimischer.
„Eine Kunstszene wie in
Europa gibt es weder in Pattaya noch anderswo in Thailand“, stellt Alan
gleich zu Beginn fest. „Dazu müsste es ein engmaschiges Netz an Galerien
geben, die, unterstützt durch Sponsoren, den Künstlern die Gelegenheit
geben, ihre Werke auszustellen. In Deutschland gibt es keine größere
Stadt, die nicht mindestens über eine Galerie verfügt. Ein Künstler muss
auch von seiner Tätigkeit leben können! Das kann er in Thailand nicht!“
„Kann denn ein Galerist davon leben?“, werfe ich ein. Nein, auch das
funktioniere nicht, erwidert Alan. Es gebe in Pattaya drei bis vier
Galerien. Seine besteht seit vier Jahren, aber ohne die vielen Helfer,
die aus reinem Enthusiasmus zur Kunst zur Verfügung stehen, käme man
nicht weit, da zur gut funktionierenden Kunstszene ein verlässliches
Sponsoring gehört, das auch Wagnisse eingeht. Als Galerist beurteile er
nicht, was die Künstler für die Ausstellung anlieferten, sondern er
wolle ihnen lediglich eine Chance geben. „Damit unterscheiden Sie sich
grundsätzlich vom europäischen Markt, wo man manchmal den Eindruck hat,
dass das Kunst ist, was der Galerist behauptet“, sage ich. Alan
schmunzelt: „Wir stehen in Asien ja noch ganz am Anfang. Unser Ziel ist
es zunächst einmal, Pattaya an die unterschiedlichsten
Erscheinungsformen von Gegenwartskunst heranzuführen. Wir hoffen, daß
wir aus der augenblicklichen Präsentation einmal eine jährliche
Bilderschau machen können, die dann auch in Zusammenhang mit anderen,
vergleichbaren Events in der Stadt gestellt werden kann!“
Auf meine Frage, warum
die Ausstellung „New Ecologies“ heißt, erfahre ich, dass Pattaya, die
„City of Variety“, wie sie sich selbst nennt, eine pulsierende und
vibrierende, durch die Internationalität ihrer Gäste tatsächlich
vielfältig geprägte Stadt sei, ständig auf der Suche nach sich selbst
und einer eigenen Identität. Auf eben diesen Zustand beziehe sich „New
Ecologies“, nämlich das ehemals verschlafene Fischerdorf Pattaya in
Beziehung zu setzen mit der sich rasant entwickelnden Globalisierung,
einschließlich aller damit verbunden Risiken und Nebenwirkungen.
Diese Vielfältigkeit,
diese permanente Veränderung, die Verbindung von national und
international werde durch die Unterschiedlichkeit der Exponate der
Ausstellung geradezu exemplarisch dargestellt.
Die zu sehenden
Ausstellungsobjekte werden in den unterschiedlichsten Bereichen des
Hotels präsentiert. Immer wieder wandert der Blick von den Kunstobjekten
auch auf die architektonischen Reize des Gebäudes und die faszinierende
Umgebung, in die es hineingebaut wurde. Die meisten Exponate sind so in
das Interieur des Hotels einschließlich dessen Wasserspiele integriert,
als hätten sie nie anderswo gestanden oder gehangen. Es fällt schwer,
von beidem nicht fasziniert zu sein. Dabei ist die Qualität der
Ausstellungsstücke anspruchvoll und doch zugleich so unaufdringlich,
dass es sich von allein versteht, keines auch nur besonders
herauszustellen. Sie entspricht höchstem internationalem Standard und
braucht keine Vergleiche zu scheuen.
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