8. Jahrgang
Ausgabe Nr.12

24. März - 30. März 2009
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Es muss Klarheit geschaffen werden

Franz Schmid

Der 7. Oktober des letzten Jahres gehört zu den schwärzesten Tagen, die Thailand in seiner Nachkriegsgeschichte erlebt hat. Die damalige Regierung unter Führung von Premierminister Somchai Wongsawat und Vizepremierminister Chavalit Yongchaiyudh versuchten mit dem Einsatz von Tränengas eine Demonstration vor dem Parlament aufzulösen. Zwei Demonstranten wurden dabei getötet und über 500 Personen verletzt. Aufgrund dieser Geschehnisse sprechen viele vom „Schwarzen Oktober“. In der thailän-
dischen Gesellschaft, die mehr auf Ausgleich und Harmonie ausgelegt ist, hat die gewaltsame Auflösung der Demonstration tiefe Spuren hinterlassen und wird viele lange Jahre in Erinnerung bleiben.
Eine Untersuchung der Nationalen Antikorruptions-Kommission ist nun zu dem Schluss gekommen, dass Somchai und Chavalit sowie fünf weitere hochrangige Polizeibeamte ihre Aufsichtspflicht verletzt haben und daher für die Geschehnisse zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Die Beschuldigten sollen zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Danach soll entschieden werden, ob eine Anklage beim Generalstaatsanwalt eingereicht wird.
Der Tumult am 7. Oktober war der blutigste in der langen politischen Auseinandersetzung, die mit der Flughafenschließung im November ihren Höhepunkt fand. Somchai wurde per Gerichtsbeschluss abgesetzt, danach formte die Demokratische Partei eine neue Regierung.
Im Interesse der Aussöhnung der gesellschaftlichen Gruppen Thailands und der Bewältigung der Vergangenheit ist bei diesem sensiblen Thema zwar Fingerspitzengefühl nötig, aber ebenso Klarheit in der Beschreibung der Umstände, die zu diesem tragischen Ereignis geführt haben. Mit der Untersuchung und ihren Schlussfolgerungen hat Thailand bewiesen, dass es in der Lage ist, den Finger in offene Wunden ohne personalpolitische Rücksichtnahme zu legen.
Der Begriff „Schwarzer Oktober“ ist auf die blutige Niederschlagung einer Großdemonstration in Bangkok vom Mai 1992 zurückzuführen, die in die Geschichte Thailands als „Schwarzer Mai“ einging. Nach offiziellen Angaben gab es damals 50 Tote und über 150 Vermisste, die inoffiziellen Zahlen sind höher. Die damaligen Vorfälle sind immer noch nicht richtig bewältigt worden, da die Schilderungen unabhängiger Gruppen von der offiziellen Version der Ereignisse stark abweichen. Das gibt natürlich allerlei Gerüchten und Verschwö-
rungstheorien mehr als genug Nahrung.
Eine lückenlose Aufklärung des 7. Oktober würde das Ansehen Thailands in der internationalen Staatengemeinschaft heben. Zugleich wäre es eine Warnung an zukünftige Regierungen, ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber dem Wohl des ganzen Volkes, unabhängig davon, ob man Demonstrationen je nach politischem Standort mag oder nicht, nachzukommen. Die Wahrheitsfindung ist in Thailand nicht immer einfach, aber sie ist möglich.


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